Weil er bei etwa 190 Stundenkilometern auf der Autobahn mit seinem BMW  dicht aufgefahren ist, rechts überholt hat und riskant wieder eingeschert ist, hat ein 52-Jähriger einen Strafbefehl wegen Straßenverkehrsgefährdung und Nötigung bekommen. Er hat Einspruch eingelegt. Gelohnt hat sich der nicht.

Am Ende der Verhandlung am Amtsgericht in Kitzingen  verkündete Richterin Patricia Finkenberger in ihrem Urteil in etwa das, was auch im Strafbefehl stand: 3000 Euro (50 Tagessätze zu 60 Euro) und ein Monat Fahrverbot. Auch wenn der BMW-Fahrer zu den Vorwürfen nichts sagte, für das Gericht waren die Straßenverkehrsgefährdung und die Nötigung erwiesen. Es hatte auch keinen Zweifel daran, dass der 52-Jährige der Fahrer war.

Grundlage war die Aussage des Zeugen, der "Opfer" des Rasers wurde. Danach war der Audifahrer am späten Nachmittag auf der A 7 bei Marktbreit in Richtung Kassel unterwegs. Er fuhr hinter zwei Autos her, die mit rund 120 Stundenkilometern einen Lkw überholten.

"Plötzlich fuhr ein BMW so dicht auf, dass ich die Scheinwerfer nicht mehr sehen konnte", sagte er als Zeuge. Die beiden Autos vor ihm fuhren nach dem Überholvorgang auf die rechte Spur. Weil in kurzer Entfernung ein weiterer Laster unterwegs war, blieb er links und gab Gas. Bei 180 bis 190 Stundenkilometern setzte der BMW rechts zum Überholen an und zog kurz vor dem Laster wieder nach links. "Der war mit seiner Hinterachse auf Höhe  meiner Vorderachse", sagte der Zeuge und war überzeugt: "Ich habe nur mit einer Vollbremsung einen Unfall verhindert."

Weil er sich diese Aktion nicht gefallen lassen wollte, fuhr er dem BMW hinterher. Zwei Baustellen weiter hatte er ihn eingeholt und konnte das Kennzeichen notieren. "Das kann man nicht durchgehen lassen", sagte der Mann, der rund 100000 Kilometer im Jahr mit dem Auto unterwegs ist und noch nie jemanden angezeigt hat. Diesmal ging er zur Polizei.

Staatsanwältin und Richterin stuften diese Aussage als "absolut glaubwürdig" ein. Der Mann habe "ohne jeden Belastungseifer" mit "präsenter Erinnerung" ausgesagt. "An dieser Aussage führt kein Weg vorbei", sagte Finkenberger. Auch die Fahrereigenschaft war für sie  erwiesen. Einmal habe der Zeuge bei einer Lichtbilderauswahl bei der Polizei mit einiger Sicherheit den Mann erkannt, den er nur kurz im Rückspiegel gesehen hatte. Dann war das Auto zwar auf eine Firma zugelassen. Die aber ist eine GmbH mit nur einem Mitarbeiter und genau der Geschäftsführer saß auf der Anklagebank.

Die Verteidigerin hatte die Sache völlig anders gesehen. Die Beschreibung des Vorgangs auf der Autobahn bezeichnete sie als "sehr abenteuerlich" und "nicht nachvollziehber". Sebst wenn ihr Mandants rechts überholt habe, sei das eine Ordnungswidrigkeit und "weit weg von einer Nötigung und Straßenverkehrsgefährdung". Im Urteil steht etwas anderes.