Das Hüttenheimer Rathaus behält seinen Fachwerkgiebel. Das beschlossen die Willanzheimer Gemeinderäte in ihrer Sitzung am Montagabend. Dem einstimmigen Beschluss war eine längere, teilweise recht emotional geführte Diskussion vorangegangen, in der sich Bürgermeisterin Ingrid Reifenscheid-Eckert heftige Vorwürfe, vor allem von Bernd Schmitt, anhören musste.

Zum Hintergrund: Seit Jahren ist der erst in den 1970er Jahren errichtete Fachwerkgiebel des Hüttenheimer Rathauses undicht. Bei Schlagregen dringt immer wieder Wasser in die dahinter gelegenen Räume ein. In der Ratssitzung am 16. Juli informierte die Bürgermeisterin darüber, dass sie sowohl mit Vertretern des Landesamts für Denkmalschutz, als auch mit einem Architekten über die Problematik geredet habe.

Die sicherste Lösung das Problem langfristig zu lösen, so die Aussage des Architekten, sei das Verputzen des Giebels, wobei auch das Fachwerk überputzt werden würde. Damit würden die Lücken, die sich wegen der unterschiedlichen Materialien Holz und Stein immer wieder ergeben, auf Dauer geschlossen und der Giebel dann dicht. Von Seiten der Denkmalpflege gab es , da es sich nicht um ein historisches Sichtfachwerk handelt, keine Bedenken dagegen.

Andere Lösungen, etwa das Öffnen der Fugen zwischen den Gefachen und den Holzteilen und eine Verfüllung der Fugen, würden deutlich teurer und das Problem nur kurzzeitig beheben. Diesen Argumenten folgend beschlossen die Räte im Juli, den Giebel zu verputzen.

Die Folge: Ein Sturm der Entrüstung bei den Hüttenheimern, die ihr Fachwerk behalten wollten. Kurzfristig und bürgernah beraumte Reifenscheid-Eckert in Hüttenheim einen Ortstermin an, dessen Besuch allerdings alle Erwartungen übertraf: Über 70 Hüttenheimer wollten sich informieren – und wohl auch protestieren. Die Forderung der Versammlung: Die Räte sollten erneut über den Giebel beraten, das Fachwerk soll beibehalten werden. Sowohl die Einberufung der Versammlung selber, als auch der zum Teil wohl unsachliche Ton in der Versammlung störte einige Räte, wie in der Gemeinderatssitzung deutlich wurde.

Bernd Schmitt warf Reifenscheid-Eckert vor, nicht ausreichend genug vorbereitet in die Ratssitzung im Juni gegangen zu sein. Es sei auch nicht einzusehen, dass die Räte „gleich rennen sollen, wenn sich die Bürger beschweren“. Schmitt machte deutlich, dass es beim Ratsbeschluss nicht um die paar tausend Euro Mehrkosten beim Erhalt des Fachwerks gegangen ist, sondern darum, eine vernünftige Lösung zu finden.

Lösung mit Schwachstellen

Am Ende beschlossen die Räte am Montag, das Fachwerk zu erhalten. Zu den Kosten für das Verputzen der Gefache in Höhe von 10 800 Euro kommt nun das Entfernen der vorhandenen Gefache, der Einbau von Dreikantleisten an den Innenfugen der Fachwerkkonstruktion, um eine bessere Verbindung zu erhalten und das erneute Ausmauern der Gefache in Höhe von 3700 Euro.

Auch wenn den Räten klar war, dass auf Dauer gesehen auch diese Lösung ihre Schwachstellen hat und Schmitt feststellte: „Als Kommune kannst Du dir das leisten, als Privatmann würdest Du es verputzen“, fiel der Beschluss einstimmig.