Kürzlich fand - nach einer längeren Corona-Pause - wieder eine Exkursion statt, zu welcher der Verein Alt Prichsenstadt e. V. mit seinem Arbeitskreis "Stolpersteine - Erinnern und Gedenken" eingeladen hatte. Ziel waren diesmal die Alte Synagoge in Kitzingen und die Stadt Marktbreit mit den dortigen Spuren des dortigen jüdischen Lebens, etwa 20 interessierte Vereinsmitglieder, Mitbürger und auch Gäste von außerhalb nahmen teil.

In Kitzingen wurde die Gruppe von Margit Endres und Werner Kappelmann vom Förderverein Ehemalige Synagoge Kitzingen durch die Alte Synagoge geführt und konnte sich einen nachhaltigen Eindruck von dem 1883 eingeweihten, beim Pogrom am 10. November 1938 in Brand gesetzten, später als Kriegsgefangenenlager genutzten Gebäude machen, welches nach dem 2. Weltkrieg verschiedenen anderen Zwecken diente, die dem ursprünglichen Charakter als Gotteshaus nicht entsprachen.

Im Jahre 1993 wurde - nach langem Kampf und einer grundlegenden Sanierung und Umgestaltung - die ehemalige Synagoge als Kulturhaus der Stadt Kitzingen wieder eröffnet. Sie dient nunmehr einem würdigen Zweck - mit einer kleinen "Synagoge in der Synagoge".

Bei der Führung konnte auch das ehemalige Ritualbad (Mikwe) im Untergeschoss besichtigt werden, welches normalerweise nicht öffentlich zugänglich ist.

In Marktbreit stand als Erstes das Museum im Malerwinkelhaus auf dem Programm. Dort ist in der Dauerausstellung "Frauenzimmer" momentan eine Ergänzung "Jüdisches Leben in Marktbreit" zu sehen, die einen intensiven Eindruck vom Zusammenleben der verschiedenen Konfessionen in der Stadt vor der Katastrophe des sogenannten "Dritten Reiches" gibt und auch Schicksale von ehemaligen jüdischen Einwohnern der Stadt darstellt.

Christiane Berneth, ehrenamtliche Stadtarchivarin und langjährige Stadträtin, führte dann die Gruppe "auf jüdischen Spuren" durch die Stadt und beeindruckte die Teilnehmer mit ihrem umfangreichen Wissen und ihrer großen Empathie für das Thema.

Bei dieser Exkursion konnte sich die Gruppe des Altstadtvereins einen guten Eindruck vom Stand der Erinnerungskultur in unserem Landkreis machen und erfahren, wie man andernorts mit unserer nicht immer ganz einfachen Geschichte umgeht. So erhielt man auch für die eigene zukünftige Arbeit vor Ort wertvolle Anregungen.

Von: Wolf-Dieter Gutsch (Sprecher des Arbeitskreises "Stolpersteine - Erinnern und Gedenken", Verein Alt Prichsenstadt e. V.)