Eines macht Josef Mend gleich zu Beginn des Gespräches klar: Ein umfassendes schriftliches Verkehrskonzept haben die Freien Wähler im Landkreis nicht, allerdings stehen sie uneingeschränkt hinter dem Verkehrskonzept des Landkreises, das sie maßgeblich mitentwickelt haben.

Unter der Führung von Landrätin Tamara Bischof wurden in den vergangenen Jahren an vielen Stellschrauben des ÖPNV gedreht und wichtige Weichen gestellt: Der Landkreis Kitzingen ist zum Beispiel der einzige Landkreis weit und breit, der gleich in zwei Verkehrsverbünden integriert ist. Die Mitgliedschaft in einem Verkehrsverbund hat aktuell zum Beispiel die Einführung des 365-Euro-Tickets ermöglicht. Mend betont: „Gerade in den vergangenen Jahren ist viel passiert. Überall wo wir die Konzessionen neu ausgeschrieben haben, wurde die Taktung erhöht, die Mainschleifenbahn wird reaktiviert und die Fahrpreise familienfreundlicher gestaltet.“

Doch zufrieden in Sachen ÖPNV blickt auch Mend nicht in die Jahre 2030 bis 2050. Ob Politiker in Land, Bund oder EU: Sie alle hätten vorrangig den urbanen Raum im Blick, die Entwicklung von Städten – und weniger den ländlichen Raum. Ein fataler Fehler. „Ändert sich das nicht“, sagt Mend, „wird der ländliche Raum immer Verlierer bleiben.“ Polemik, Ideologie und weise Sprüche helfen bei der Thematik auch nicht weiter, mahnt er. Es gelte vielmehr, der Realität ins Auge zu schauen.

Mend war Vizepräsident des Bayerischen Gemeindetages und hat mehr als 25 Jahre als Bürgermeister die Geschicke von Iphofen geleitet. Als Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Kreistag ist er nach wie vor politisch aktiv. „Natürlich sind wir offen für Veränderungen“, sagt er. „Gerade, wenn sie sich positiv auf das Klima auswirken.“ Viel mehr als Wünsche äußern und kleinere Stellschrauben drehen sei aber nicht drin. „Wenn es um die Verkehrspolitik geht, sind wir vor allem von den Festlegungen in München, Berlin und Brüssel abhängig.“ Und dort, davon ist der 68-Jährige überzeugt, läuft seit vielen Jahren etwas Grundsätzliches falsch.

Wenn Städte wachsen, weil die Rahmenbedingungen dort attraktiver sind als auf dem Land, wenn junge Menschen in Ballungszentren ziehen, weil sie dort Arbeit finden, dann wird auch der Verkehr im urbanen Raum zunehmen. „Notgedrungen“, sagt Mend und fordert ein Umdenken: eine Gleichstellung des ländlichen Raums gegenüber der Stadt. Davon könne bislang keine Rede sein.

Während in München oder Nürnberg neue Straßen, Brücken und Unterführungen, U- und S-Bahnen gebaut werden, mangelt es auch im Landkreis Kitzingen an einer modernen Infrastruktur. „Da müssen wir uns nur die Bahnhöfe und Haltepunkte anschauen“, sagt Mend. Immerhin: Bis ins Jahr 2024 soll der Haltepunkt Iphofen barrierefrei ausgebaut werden. „Aber das müsste eigentlich überall erfolgen“, sagt der Freie-Wähler-Kreisrat, der sich für die nahe Zukunft vor allem eine noch bessere Taktung der Busse wünscht. „Egal, welchen Antrieb sie haben.“

Natürlich wären E-Busse klimafreundlicher als solche, die mit Diesel oder Benzin fahren. Selbstverständlich mache es Sinn, am autonomen Fahren weiterzuforschen. Aber zunächst einmal müssten die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. „Wir haben ja nicht einmal ein intaktes 5G-Netz“, erinnert Mend.

Ein bisschen weniger träumen, deutlich mehr an der Realität orientieren: So könnte man die Forderungen des ehemaligen Iphöfer Bürgermeisters zusammenfassen. Er wäre schon froh, wenn die kleinen Gemeinden und Ortsteile im Landkreis noch häufiger von Bussen angefahren würden, als es bislang der Fall ist. Von kleinen Neun-Sitzern und nicht von großen Gelenkbussen, die beinahe leer durch die Gegend gondeln. Er würde sich freuen, wenn die Ticketpreise im ÖPNV deutlich sinken. „Eine Einzelfahrt von Hellmitzheim nach Würzburg kann sich ja niemand leisten“, sagt er. Das grundlegende Problem im ÖPNV liege darin, dass er zu sehr auf die Taktung der Schulbusse ausgerichtet ist, ansonsten wäre er auf dem Land überhaupt nicht mehr zu finanzieren.

Angebote für Arbeitnehmer, die zweimal am Tag zwischen Wohnort und Arbeitsplatz pendeln müssen, seien Mangelware. Das ist nicht nur im Landkreis Kitzingen so, sondern ein generelles Problem des ÖPNV auf dem Land. Und diese Mängel im bestehenden System müssten erst einmal ausgemerzt werden, bevor man an die Umsetzung von modernen Technologien wie autonomem Fahren oder Lieferdrohnen denke.

„Damit das jetzt nicht falsch rüberkommt“, sagt Mend. „Natürlich sind wir offen für Veränderungen, die sich positiv auf die Umwelt auswirken.“ Aber zunächst einmal brauche es gleichwertige Konzepte und Fördergelder wie bei der urbanen Verkehrspolitik. „Dann ergibt sich auch auf dem Land beinahe automatisch ein Mehrwert für den Klimaschutz.“