„Zweck erfüllt.“ Richard Arndt-Landbeck und Cornelia Rauh sind zufrieden. Sie haben mit ihrem Vorwort zum neuen Herbstprogramm der Vhs Kitzingen genau das erreicht, was sie beabsichtigt hatten: die Menschen zum Nachdenken und Diskutieren bringen.

„Wir Bürger sind von der Politik absolut entmündigt worden.“
Richard Arndt-Landbeck, Vhs Kitzingen

Politiker, Behörden und Wissenschaftler verbreiten Angst und Panik. Ein wissenschaftlicher Diskurs scheint nicht erwünscht. Die allermeisten Medien in Deutschland unterstützen diesen Weg – zumeist kritiklos. Drei Aussagen aus dem Vorwort, die in Teilen der Bevölkerung für Unverständnis und Ablehnung sorgten. „Mit diesem Vorwort wird eine Institution dazu genutzt, gerade nicht das Zusammenleben zu fördern, sondern eine Spaltung voranzutreiben“, schreibt Inge Böhn in einem Leserbrief.

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„Natürlich war uns das Risiko bewusst“, sagt Arndt-Landbeck und berichtet von etlichen Zuschriften, die in den letzten Tagen in seinem Büro eingelaufen sind. Die meisten signalisierten Zustimmung, nur wenige Ablehnung.

Im Juli hatte er sich mit seiner Kollegin zusammengesetzt, recherchiert und aus einer Fülle an Informationen das Vorwort verfasst. Das Ziel: die Leser aufrütteln, endlich einen Diskurs anregen über das, was in den letzten Corona-Monaten vorgefallen ist. „Wir Bürger sind von der Politik absolut entmündigt worden“, sagt Arndt-Landbeck und spricht von einem Skandal. Lange Zeit habe die Bevölkerung sehr brav reagiert, die Maßnahmen des Staates klaglos mitgetragen. „Glücklicherweise gibt es jetzt auch wieder Gerichtsurteile, die die Entscheidungen des Staates hinterfragen.“

Das Vorwort, von dem sich OB Stefan Güntner „aufs Schärfste distanziert“, verstehen die beiden Vhs-Leiter als Appell an die Eigenverantwortung der Menschen. Sie sollen zum Überlegen angeregt werden, sie sollen sich umfassend informieren über Covid-19 und nicht einigen wenigen Experten vertrauen, die in den letzten Monaten in beinahe allen Medien des Landes das Wort führen. So könne es nicht weiter gehen, meinen die beiden Vhs-Leiter. „Wir leben in einer Demokratie“, erinnert Arndt-Landbeck. „Und die lebt von der Beteiligung.“

In den letzten Wochen und Monaten habe es diese Beteiligung aber kaum gegeben. Von einer permanenten Bevormundung des Staates spricht der Vhs-Leiter. Kritische Stimmen seien nicht gehört worden, entsprechende Videos auf der Internetplattform youtube sogar gelöscht worden. Die Bundesrepublik habe nur eine Strategie verfolgt – und in der Kommunikation auf den Faktor Angst gesetzt.

„Wir müssen aufhören, die steigenden Infektionszahlen mit einer Gefahr zu verbinden.“
Cornelia Rauh, Vhs Kitzingen

„Wir müssen endlich raus aus dem Panik-Modus“, wünscht sich der Vhs-Leiter und sieht sich diesbezüglich auf dem gleichen Weg wie Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin habe in einem Interview kürzlich die gleiche Forderung gestellt. Dass jetzt, angesichts steigender Infektionszahlen in Deutschland, wieder die Bilder aus Bergamo in einigen Medien auftauchen, hält Cornelia Rauh für unseriös. „Wir müssen aufhören, die steigenden Infektionszahlen mit einer Gefahr zu verbinden“, fordert sie und ihr Kollege fragt, was schlimm an einer Infektion sei, die inzwischen bei vielen nur leichte, oder gar keine Symptome hervorrufe. Angst sei jedenfalls ein schlechter Ratgeber, meint er. Wer Panik verbreite, könne die Menschen nicht mitnehmen, nicht für die immer wieder neuen Maßnahmen im Kampf gegen Corona motivieren.

Rauh und Arndt-Landbeck äußern durchaus Verständnis für die Entscheidungsträger in der Politik und Wissenschaft. Jeder, der Maßnahmen getroffen hat, habe das nach bestem Gewissen getan, meinen die beiden. Die deutsche Bevölkerung habe von diesen Maßnahmen durchaus profitiert. Jetzt sei es aber an der Zeit, zu hinterfragen, woher diese Vorgaben kommen – und ob es nicht Alternativen gebe.

Anfang August haben die beiden das Vorwort geschrieben. Ob sie jetzt – rund sechs Wochen später – etwas anders machen würden? Rauh und Arndt-Landbeck verneinen. Das einzige, das sie ärgert: Es gibt jetzt Menschen, die das Vorwort für ihre Zwecke missbrauchen. „Wir wollten zur Meinungsbildung beitragen“, erklärt Arndt-Landbeck. Am schlimmsten sei es, wenn sich dadurch diejenigen bestätigt fühlten, die zurzeit eh alles kritisieren. „Das war nun überhaupt nicht unsere Absicht, dass wir mit diesem Text die Polarisierung in diesem Land vorantreiben“, betont er und versichert, dass die beiden Vhs-Leiter keinesfalls Verschwörungstheoretiker oder Maskengegner seien.

Selbstverständlich würden in allen Kursen der Vhs, die ab Ende September wieder anlaufen, die AHA-Regeln gelten und ihre Einhaltung auch kontrolliert. Und sicherlich wird es einige Kursteilnehmer geben, die mit den Vhs-Leitern über das umstrittene Vorwort diskutieren wollen. Und genau das wollten Cornelia Rauh und Richard Arndt-Landbeck auch erreichen.