Sommerliche Randnotizen (Teil 3): Ab und an muss der Mensch etwas wagen. Aus sich rausgehen. Es krachen lassen. Der Urlaub ist der perfekte Zeitpunkt dafür. Weshalb ich mir gleich am zweiten Tag ein neues T-Shirt zulegte. Mit einer Aufschrift, die nicht treffender sein konnte: „Haudegen“.

Man stolziert gleich ganz anders durch die Welt. Es werden einem Blicke zugeworfen, von denen nicht ganz klar ist, ob sie bewundernd oder mitleidig sind. Aber egal. Hin und wieder trifft man einen anderen Haudegen und zwinkert sich wissend zu.

Als Haudegen gelingt einem alles – bis man in den Supermarkt geschickt wird. Mit einem Einkaufszettel, auf dem auch „Speisestärke“ steht. Da geraten selbst Haudegen an ihre Grenzen. Zumal ich nicht einmal richtig weiß, was das ist und wie das aussieht.

Zum Glück lassen hilflos zwischen Regeln umherirrende Männer das eine oder andere Frauenherz erweichen. Eine Dame bot mir ihre Hilfe an und rückte mit dem Tipp heraus, es bei den Backwaren zu versuchen. Stunden später, das Haudegen-T-Shirt war durchgeschwitzt, fand ich das Zeug endlich. Es stand bei „Soßenbinder und Klöße“.

Ich begann an meinem neuen Shirt zu zweifeln. Zumal es mir auch beim Rasenmähen kein Glück brachte. Vergangenes Jahr war es noch so gewesen, dass ich den Takt vorgegeben hatte: Ich mähte, daraufhin legten auch die Nachbarn los. Einer nach dem anderen. Wie ein Reflex. Kaum knatterte ich los, ging's nebenan los. Ein großer Spaß! Wahrscheinlich wurden die Männer von ihren Frauen angetrieben: Nimm Dir mal ein Beispiel am Nachbarn!

Diesen Sommer nun ist alles anders. Ich bin nicht mehr Taktgeber, sondern hinke hinterher. Erniedrigend. Wahrscheinlich habe ich die Zeit bei der Suche nach der blöden Speisestärke verloren.

Das Haudegen-Shirt hängt inzwischen wieder im Schrank. Ersetzt wurde es von einem Shirt mit einem Schaf, das mich ständig drängt, den Rasen schneller zu machen. Die Aufforderung lautet „Mähhhh“. Fortsetzung Folgt