Sommerliche Randnotizen (2): Das einzig Blöde am Sommerurlaub ist, dass es eine An- und Abreise gibt. Wer nicht gerade in einen Flieger steigt, hat nur die Wahl zwischen Verzweiflung und völliger Verzweiflung – also zwischen Auto und Bahn. Entweder geradewegs in den Stau fahren oder sich den nicht kalkulierbaren Unbilden der Bahn aussetzen.

Wer den Zug wählt, tut gut daran, vier existenzielle Dinge zu beachten. Erstens: Sofort auskundschaften, ob wenigstens eine Toilette an Bord funktioniert. Das könnte bei einer zehnstündigen Fahrt an die Ostsee von ganz entscheidender Bedeutung sein.

Zweitens: Niemals den wirklich schlimmen Bahn-Kaffee trinken. Eine unfassbare Kombination aus teuer und ungenießbar.

Drittens: Die Fahrkarte nach der Kontrolle niemals zu weit wegpacken, weil der nächste Personalwechsel samt erneuter Kontrolle schneller kommt, als man denkt.

Und schließlich: Hoffen, dass sich nicht zu viele Großfamilien in unmittelbarer Nähe befinden. Es ist nämlich immer wieder erstaunlich, wie unerzogen viele Kinder sind. Die machen dürfen, was sie wollen. Am liebsten wollen sie natürlich herumschreien, wenn es sein muss von Würzburg Hauptbahnhof bis Usedom.

Wobei es ein großes Geheimnis bleibt, warum diese Schrei-Kinder vorzugsweise im extra gebuchten Ruhebereich sitzen. Um dort unsereins wie selbstverständlich die nächsten zehn Stunden zur Qual werden lassen. Eine Qual, die noch schlimmer ist als beispielsweise zwei Bahn-Kaffee auf einmal.

Natürlich gibt es auch Eltern, die verzweifelt versuchen, dem Nachwuchs zumindest ein wenig Einhalt zu gebieten. Das verschafft dann zumindest kurzzeitig Erholung. Wenn beispielsweise lustige Spiele gespielt werden. Gerne genommen wird „Wo sind wir gerade?“ Das kann durchaus lustig sein. Bei der Einfahrt in Frankfurt lautete nach einem mehrminütigem Blick aus dem Fenster die Antwort vom jüngsten der Schrei-Kinder: „Ganz klar, das hier ist Graffiti-Land!“

Was sicher auch mal eine schöne Idee wäre: Alle wollen immer nur an die See oder in die Berge – dabei ist es wahrscheinlich in Graffiti-Land viel entspannter. Und womöglich sind dort sogar die Züge pünktlich. (Fortsetzung folgt)