Die Diskussion ist nicht neu. Aber sie ist weiterhin notwendig. Die Frage lautet: Können Bildungseinrichtungen den Namen von Personen tragen, die sich in der Vergangenheit etwas haben zuschulden kommen lassen. Konkret geht es um die Rolle von Nikolaus Fey und Armin Knab während der nationalsozialistischen Diktatur in diesem Land. Den Ball hat eine Würzburger Straßennamenkommission neu ins Rollen gebracht. Wissenschaftler und Stadträte hatten sich dort viereinhalb Jahre lang mit etlichen Namenspatronen für Straßen befasst. Ihr einstimmiges Ergebnis: Empfehlung für eine Umbenennung der Nikolaus-Fey-Straße in Heidingsfeld.

„Wir müssen auch heute hinschauen und abwägen.“
Matthias Menz, Geschichtslehrer am AKG

Bei Armin Knab empfiehlt die Kommission lediglich eine Kontextualisierung – also das Anbringen einer Zusatzinformation zu dessen Verstrickungen im NS-Regime. 2015 wurde das Thema im Landkreis Kitzingen zum letzten Mal heftig diskutiert. Damals ging es hauptsächlich um die Rolle von Richard Rother während des NS-Regimes. Elternbeirat, Lehrerkollegium und Schülerausschuss der damaligen Richard-Rother-Realschule hatten sich aufgrund neuer Erkenntnisse für eine Umbenennung ausgesprochen, der Kreistag hatte diesen Beschluss unterstützt, das Kultusministerium letztlich zugestimmt. Seither heißt die Schule Staatliche Realschule Kitzingen. Für Margit Hofmann eine richtige und wegweisende Entscheidung. Sie steht Menschen als Namenspatronen eher skeptisch gegenüber. Die reine Ortsangabe sei unverfänglicher. Von 2006 bis 2017 war Margit Hofmann Schulleiterin am Armin-Knab-Gymnasium. Sie kann sich gut an die Diskussionen über eine mögliche Umbenennung der Einrichtung erinnern. Geschichtslehrer Matthias Menz hat ein P-Seminar zu dem Thema ins Leben gerufen, war selbst im Staatsarchiv in München, um Einsicht in den Nachlass des Komponisten zu gewinnen. Sein Fazit: Knab war Profiteur des Systems aber keine aktive Figur. Er hätte seine Professur in Berlin wohl nicht bekommen, wenn seine jüdischen Vorgänger nicht zwangspensioniert geworden wären. Aber Aussagen zu Nazi-Themen seien von Knab nicht zu finden. „Er war wohl sehr auf sich zentriert“, sagt Menz, der sich grundsätzlich für eine Aufarbeitung der Vergangenheit ausspricht. „Wir müssen auch heute hinschauen und abwägen.“

Der Oberstudienrat hält die Umbenennung der Carl Diem Halle in Würzburg und der Richard-Rother-Schule deshalb auch für richtig. (Der Sportfunktionär Diem hatte u.a. noch im März 1945 Hitlerjungen zum „finalen Opfergang für den Führer“ aufgerufen.) Armin Knab sei zwar kein großes Vorbild für die Jugend gewesen, er habe sich aber auch nicht so „verabscheuungswürdig“ verhalten, dass eine Umbenennung nötig sei.

Anders verhält es sich mit Nikolaus Fey. Zumindest, wenn man die Ergebnisse der Würzburger Straßennamenkommission als Grundlage heranzieht. Der Schriftsteller und Mundartdichter war ab 1933 NSDAP-Mitglied. Er engagierte sich als offizieller Parteiredner und „politischer Leiter“ für den Nationalsozialismus. Er wirkte von 1942 bis 1944 auch in der Regierung des „Generalgouvernements“ in Krakau, im besetzten Polen, mit. Als Beauftragter der Reichsschrifttumkammer gehörte es auch zu seinen Aufgaben, die Texte anderer fränkischer Autoren auf ihre Vereinbarkeit mit der Parteilinie zu überwachen.

Die Grund- und Mittelschule in Wiesentheid ist 1972 nach Nikolaus Fey benannt worden. Der wurde am 2. März 1881 in Wiesentheid geboren. Sein Geburtshaus steht direkt neben der alten Volksschule. Von 1915 bis 1918 nahm er am Ersten Weltkrieg teil und wurde verwundet. 1918 übernahm er die Herausgabe und Redaktion des ,,Lohrer Anzeigers“. Die Zeitung musste 1922 wieder verkauft werden. Er lebte als freier Schriftsteller, gründete einen eigenen Verlag (Philippus-Verlag) und zog allein oder mit einer fränkischen Bühnentruppe umher, um Geld zu verdienen. Bekannt ist Fey auch heute noch als Autor des Schauspiels „Florian Geyer.“ Unzählige Mundartgedichte hat er verfasst.

Eine Diskussion um den Namensgeber ist in Wiesentheid nicht neu. „Es wurde allerdings nie ernsthaft überlegt, die Schule umzubenennen“, erinnert sich Andreas Liebald, dessen musikalischer Veranstaltungsraum sich in unmittelbarer Nachbarschaft von Nikolaus Feys Geburtshaus befindet. Für ihn gibt es auch heute keinen triftigen Anlass für eine Umbenennung der Schule.

„Nicht alles, was Nikolaus Fey geschrieben hat, ist aus heutigem Blickwinkel ganz korrekt“, weiß Liebald. Es sei aber auch nicht so gravierend, dass man die Schule umbenennen müsse.

Die Aktivitäten Feys für die Nazis seien sehr begrenzt gewesen, so Liebald. „Nach allem, was derzeit bekannt ist.“ Fey blieb auch während der NS-Zeit praktizierender Katholik und trat nicht aus der Kirche aus. Sollte sich Nikolaus Fey als Nazi erweisen, der auch Taten begangen hat, die aus heutiger Sicht strafbar sind, könne man über eine Umbenennung sicher nachdenken, meint der Personalratsvorsitzende. Die Leiterin der Mittelschule, Susanne Zeier, hält sich gegenüber dieser Zeitung bedeckt. „Das Thema ist bekannt und wird umfänglich erörtert. Zu gegebenem Zeitpunkt wird eine Entscheidung getroffen.“

„Nicht alles, was Nikolaus Fey geschrieben hat, ist aus heutigem Blickwinkel ganz korrekt.“
Andreas Liebald, Lehrer an der Nikolaus-Fey-Schule

Bürgermeister Klaus Köhler geht davon aus, dass die Entscheidung im zweiten Quartal des nächsten Jahres fallen wird. Er will das Thema auf jeden Fall aufgreifen. „Und zwar Fakten orientiert“, betont er. Ein Schnellschuss mache keinen Sinn. Die Wiesentheider Archivarin soll sich in aller Ruhe um die Biografie Nikolaus Feys kümmern, Informationen sammeln, die dann die Grundlage für eine Entscheidung darstellen. „Der Gemeinderat sieht das zum Glück genau so“, freut sich der Bürgermeister. Geht es nach ihm, werden in diesem Zuge auch gleich weitere Straßennamen auf mögliche Verstrickungen ihrer Namensgeber hin überprüft. Die Entscheidung bezüglich der Schule trifft letztendlich der Schulverband, zu dem auch die umliegenden Gemeinden gehören. In deren Bewertung dürften nicht nur die vorliegenden Fakten einfließen, sondern auch ein Aspekt, auf den Andreas Liebald hinweist, der seit 1995 an der Nikolaus-Fey-Schule unterricht: „Das Hauptproblem liegt für mich darin, dass wir nicht annähernd erahnen können, in welcher Situation sich die Menschen in einem grausamen, totalitären System befunden haben.“