Der Weg ist frei für den Technologiepark „conneKT“ auf dem Areal der einstigen US-Kaserne Harvey Barracks in Kitzingen. Nach dem einstimmigen Ja zum Bebauungsplan am Donnerstag im Stadtrat kann das knapp 73 Hektar große Gelände vermarktet werden. Erste große Ansiedlung wird das europäische Verteilerzentrum des Automobilzulieferers Schaeffler (Schweinfurt), das 2016 in Bau gehen und im ersten Abschnitt bis zu 300 Menschen einen Arbeitsplatz geben soll.

Das Gewicht der Entscheidung, die allen Beteiligten 28 Monate des Planens und Verhandelns abverlangte, war noch am nächsten Tag spürbar: OB Siegfried Müller und „conneKT“-Investor Markus Blum zeigten bei zwei Pressekonferenzen ihre jeweilige Betrachtungsweise des Technologieparks, der laut Bauamtschef Oliver Graumann bis zu 4000 Arbeitsplätze bieten könnte.

Großer Schub mit Schaeffler

Auf dem Kasernengelände sind Blum zufolge schon jetzt zwischen 100 und 150 Leute tätig. Der große Schub soll mit Schaeffler kommen. Das Weltunternehmen wolle rund 14,8 Hektar erwerben und im Osten des Areals (nahe Großlangheim) sein Verteilerzentrum bauen. Ein erster Bauabschnitt des 150 Millionen teuren Projekts soll Anfang 2016 starten, das Lager dann im Herbst 2017 in Betrieb gehen, so Graumann.

Schaeffler könnte ein Startsignal sein. Es gebe sehr viele Anfragen für weitere Flächen, die seine Firma Blumquadrat jetzt – nach dem positiven Stadtratsbeschluss – den jeweiligen Interessenten anbieten könne. Als „Alleinstellungsmerkmal“ biete der Technologiepark „sehr, sehr große Flächen“, sagte Blum. Zwischen fünf und zehn Hektar seien zu haben. Interessant für Unternehmen seien auch die einstigen Gebäude der US-Armee. Hier könnten Interessenten sanierte Büroflächen erwerben.

Einen Knackpunkt für die Ansiedlung löste der Stadtrat ebenfalls am Donnerstag. Er segnete eine Ausbauvereinbarung mit dem Staatlichen Bauamt ab, die den Anschluss von „conneKT“ an die Staatsstraße zwischen Kitzingen und Großlangheim optimieren soll. Geplant sind eine Linksabbiegespur in die östliche Zufahrt (nahe Großlangheim) und ein laut Graumann rund 500 000 Euro teurer Kreisel, der die Staatsstraße mit der Nordzufahrt und dem Anschluss an den Richthofen Circle kombiniert. Hier hofft OB Müller auf kräftige Zuschüsse des Freistaats. Schließlich habe die Stadt – nach einem persönlichen Anruf von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner – erreicht, dass Schaeffler mit dem Standort Kitzingen in Bayern bleibt.

Mehr Arbeitsplätze im Technologiepark sind nicht nur ein Gewinn für die Stadt, sondern auch eine Herausforderung. Es müsse jetzt geklärt werden, wo die in naher Zukunft hier arbeitenden Leute „adäquaten Wohnraum“ finden, betonte Blum: „Wenn wir das schaffen, glaube ich, dass Kitzingen wachsen kann.“ Diesen Hinweis auch in Richtung auf die noch umstrittene Entwicklung der Wohnsiedlung Marshall Heights nahm Müller positiv auf. Die Stadt strebe gemeinsam mit Investor Georg Wittmann eine Lösung an – aber nicht für alle 700 Wohnungen.

Bei seiner Bilanz der „conneKT“-Entscheidung hob Müller die überragende, „monatelange Arbeit“ der Mitarbeiter in Bau- und Rechtsamt heraus. Diese hätten sich bis an die „Grenze der Leistungsfähigkeit“ verausgabt und nicht verdient, als bürokratische Bremser kritisiert zu werden. Alleine der 45-seitige städtebauliche Vertrag, der das Verhältnis zwischen Stadt und Investor regelt, sei sehr zeitintensiv gewesen und habe erst in quasi letzter Minute das Ziel erreicht.