Täglich wälzt sich eine Blechlawine über die Bundesstraße 8 durch Kitzingen, die eigentlich längst ausgedünnt sein müsste – weil die Nordtangente viel von der Belastung nehmen sollte. Sollte. Die Umgehung wird nur – vergleichsweise – spärlich angenommen. Eine Lösung des schon vor vielen Jahren andiskutierten Problems ist nirgends in Sicht, auch nicht im geplanten Verkehrsentwicklungsplan.

Die Belastung der B 8 in Kitzingen ist heftig. Zwischen 12 000 und 17 000 Fahrzeuge rollen laut Verkehrszählung der Obersten Baubehörde – von 2010 – täglich zwischen Repperndorf und dem Kreisel am Ende der Siedlung durch. Das Haupt(lärm)problem sind dabei die Schwerlaster. Rund tausend der dröhnenden Brummis rauschen quer durch die Stadt.

Die großen Gefährte sind auf der Nordtangente aber offensichtlich Mangelware: „Warum die hier kaum fahren, verstehe ich nicht“, sagt Frank Winterstein, Sachgebietsleiter öffentliche Ordnung im Rathaus. Die Tangente werde zwar vom normalen Autoverkehr immer besser angenommen, aber „den Zweck, für den sie gebaut wurde, erfüllt sie noch lange nicht.“

„Große Brummis sind oft der Grund für Ampelstaus.“
Frank Winterstein Amt für öffentliche Ordnung

Mit Blick auch auf die Laster hofft Winterstein nun, dass nach der Freigabe der Brückenverbindung zwischen Nordtangente, Staatsstraße 2271 und dem Anschluss nach Großlangheim sich an der Situation etwas spürbar ändert. Vor allem auf der B8, wo gerade zu Spitzenzeiten die Blechlawine steht: „Die großen Brummis sind oft der Grund für Ampelstaus“, sagt Winterstein. Und er weiß, dass viele der Laster der Stadt erhalten bleiben werden, da sie zu großen Unternehmen wie Knauf in Iphofen rollen (müssen).

Weil beispielsweise mit dem Industrie- und Gewerbepark „conneKT“ in der einstigen Harvey Kaserne weiterer Schwerverkehr zu erwarten ist, müsste eigentlich der neue Verkehrsentwicklungsplan für Kitzingen darauf Antworten geben. Gibt er aber nicht, meint zumindest die KIK-Fraktion. Die vermisst Empfehlungen, wie der wachsende Lkw-Fernverkehr durch Kitzingen aufgefangen und eventuell in Teilen umgeleitet werden könnte.

Einzige Chance wäre die immer noch ungeliebte Nordtangente. Die wird allerdings nur schwer den Autofahrern als Alternative zur B8 zu „verkaufen“ sein: Schließlich steckte das Staatliche Bauamt Würzburg zuletzt Hunderttausende von Euro in eine neue Fahrbahn und daneben ebenfalls viel Geld in ein Ampelsystem, das den Verkehr beschleunigt durch Kitzingen führt.

„Die B8 hat die meiste Grünzeit“, sagt Stefan Weißkopf vom Staatlichen Bauamt. Und an dem beschleunigten Durchreichen der Autoschlange auf der Bundesstraße möchte er derzeit auch nicht rütteln, um nicht wieder die viel kritisierten Endlos-Staus aus der Vergangenheit zu erzeugen.

Trotzdem könnte ein Drehen an der „Stellschraube“ des Kitzinger Verkehrsrechners die Umfahrung etwas attraktiver machen, wie es schon vor 13 Jahren im Stadtrat angedacht war. Damals hatte der einstige Bauamtschef Volkhard Groß über eine aktive Ampelschaltung am B8-Knoten und eine Verkehrsverlagerung auf den Tangentenring gesprochen: Die Schaltung müsse so eingestellt werden, dass die Autofahrer eher die Tangenten wählen als die Geradeausspur über die B8.

Eine Möglichkeit, die laut Weißkopf nicht völlig auszuschließen ist: Ein Eingriff in die Ampelsteuerung sei auch in Zukunft möglich – aber eher unwahrscheinlich.