Sie dürften die weiteste Anreise gehabt haben: Erich und Maximilian Martin sind aus Zeil am Main bis nach Repperndorf gefahren. Die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) hatte zur jährlichen Weinverkostung eingeladen. „Die Fahrt hat sich gelohnt“, meinte Erich Martin. Vater und Sohn haben sich etliche Anregungen für den heimatlichen Betrieb geholt.

Einmal im Jahr sind alle Winzer Frankens zur Weinverkostung der LWG eingeladen. Aktuelle Forschungsergebnisse werden präsentiert. Seit drei Jahren steht Dr. Arnold Schwab, Leiter des Sachgebiets Weinbau und Qualitätsmanagement, im großen Saal der GWF Rede und Antwort. „Repperndorf liegt sehr zentral“, sagt er. Der Treffpunkt wird von den Winzern gut angenommen. 100 Winzer sind es mindestens, die zwischen 17 und 21 Uhr Weine verkosten, Fragen stellen und miteinander ins Gespräch kommen.

Johannes Zang ist einer von ihnen. Eine Frage, die den jungen Mann aus Sommerach umtreibt: Was ist zukunftsrelevant? Welche Sorten haben eine Chance verdient? „Mich interessieren vor allem die Silvaner-Klone“, erklärt er.

Die Ergebnisse von vier neuen Klonen hat Schwab im Bocksbeutel mit nach Repperndorf gebracht. Deren Vorteile: Die Trauben hängen deutlich lockerer, sind deshalb weniger Fäulnis gefährdet. Der Winzer kann mit ihnen außerdem Arbeitszeit einsparen, weil er nicht selektieren muss. Auf der anderen Seite geht aber der Ertrag zurück. „Jeder Winzer muss gut überlegen, was er will“, sagt Dr. Schwab. „Vor allem, wenn er seinen Betrieb neu strukturiert.“

Erich und Maximilian Martin aus Zeil wollen ihren fünf Hektar großen Betrieb nicht neu strukturieren, aber sinnvoll ergänzen. Teile der Anlagen sind bereits 25 Jahre alt. Die Martins überlegen, wie sie die Fläche neu bepflanzen könnten. „Außerdem bepflanzen wir alte und sehr steile Anlagen neu“, erklärt Maximilian Martin. In Repperndorf haben sich Vater und Sohn neue Anregungen geholt. Beispielsweise was die pilzwiderstandsfähigen Rebsorten angeht.

Sieben dieser größtenteils unbekannten Rebsorten sind in der GWF an diesem Abend zu verkosten. „Sie sind alle qualitativ hochwertig“, versichert Schwab. Und sie brauchen weniger Pflanzenschutzmittel, schonen die Umwelt. Einziges Problem: Eine neue Rebsorte auf dem Markt zu etablieren, ist nie einfach.

An Klimawandel anpassen

Ein Problem, mit dem alle Winzer in Franken zu kämpfen haben, ist der Klimawandel. Auf Versuchsflächen im Thüngersheimer Scharlachberg testet die LWG, ob und wie international bekannte Rebsorten zum fränkischen Klima und Boden passen. Mittlerweile kann Schwab klare Aussagen treffen: Der grüne Veltliner ist zu arbeitsintensiv und hat zu wenig Säure, der Cabernet Sauvignon wird nicht reif, der Syrah ist bei minus 15 Grad erfroren. Der Merlot dagegen passt ins Portfolio – im Gegensatz zum Viognier. „Zu nahe am Silvaner“, urteilt der Sachgebietsleiter. „Konkurrenz im eigenen Land macht keinen Sinn.“

Konkurrenz macht auch für die Winzer im großen Saal der GWF an diesem Abend keinen Sinn. Im Gegenteil: Sie probieren Glas für Glas und kommen dabei ins Gespräch mit den Kollegen. Denn die Interessen sind alle gleich. Ob weite Anreise oder kurze Wege.