Und plötzlich muss alles ganz schnell gehen. Sehr zum Ärger der Verantwortlichen vor Ort. Die Notfallplanungen zur Unterbringung von Asylbewerbern in den Wintermonaten sind angelaufen. Die Kommunen sind gefordert. Jede Kreisverwaltungsbehörde muss winterfeste Einrichtungen melden. Innerhalb von 14 Tagen. 200 bis 300 Personen sollen in so einer Einrichtung unterzubringen sein. Fünf bis sechs Wochen lang.

Landrätin Tamara Bischof hat kein Problem damit, diese Forderung in die Tat umzusetzen. „Wir werden eine entsprechende Meldung machen“, sagt sie. Bischof ärgert sich allerdings, dass die Kommunen diese Aufgabe so kurzfristig aufgedrückt bekommen. „Die Staatsregierung hat das Thema zwei Jahre lang verschlafen“, kritisiert sie. „Es ist noch keine Struktur aufgebaut worden.“

Alle 96 Landkreise und kreisfreien Städte stehen jetzt vor dem selben Problem: Wo kann eine Notfall-Unterkunft sein, die innerhalb eines halben Tages einsatzbereit ist. Von Schulen bis zu Diskotheken und leeren Fabrikhallen reichen die Vorschläge aus dem Freistaat. Im Landkreis Kitzingen wird es wohl eine Turnhalle sein. Die Schulturnhallen in Kitzingen, Dettelbach und Marktbreit befinden sich im Besitz des Landkreises. Sie sind damit erste Wahl, auch wenn sie gebraucht werden – und gut belegt sind. „Wir werden auch andere Standorte prüfen“, kündigt Bischof an. Ihre Hoffnung: Vielleicht gibt es Hallen im Landkreis, die nicht so stark frequentiert sind und besser als Notfallquartier dienen.

Etwa 100 Asylbewerber aus Oberbayern sind in den letzten Tagen zur Entlastung nach Unterfranken geschickt worden. Die Folge: Die Gemeinschaftsunterkunft in Würzburg platzt aus allen Nähten. Das Bayerische Rote Kreuz hat Zelte vor dem Gebäude für die Essensausgabe aufgestellt. Der Wetterumschwung kam zur Unzeit. Dabei wurde eines schon klar: Provisorien werden nicht weiter helfen. Eine langfristige Lösung muss her. Darüber waren sich auch die Mitglieder der vierten unterfränkischen Task Force Sitzung Asyl einig. Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer hatte Landräte und Oberbürgermeister eingeladen und sie gebeten, bei den gemeinsamen Kraftanstrengungen zur Suche nach neuen Unterbringungskapazitäten nicht nachzulassen.

Kitzingens Oberbürgermeister Siegfried Müller und die Integrationsbeauftragte Astrid Glos waren bei der Sitzung vor Ort. Müller stellte im Gespräch mit dieser Zeitung klar, dass die Marshall-Heights (am Ortseingang von Würzburg kommend) als alternative Notfallunterkunft nicht zur Verfügung stehen. Wohnungen gebe es dort zwar genug, aber keine Versorgung mit Wasser und Strom. Die Gebäude in Marshall-Heights stehen seit dem Abzug der Amerikaner im Jahr 2006 leer. Bis die ehemalige Wohnanlage Corlette Circle (an der Straße nach Großlangheim) fertig ist, wird noch ein wenig Zeit vergehen. Die ersten der 150 Asylbewerber, die dort einziehen sollen, werden wohl erst Anfang 2015 kommen. Noch ist die Erschließung ein Problem.

Kitzingens Stadträtin und Integrationsbeauftragte Astrid Glos sieht etliche Versäumnisse der Staatsregierung und will auch die Stadt Kitzingen nicht aus der Pflicht nehmen. „Wir müssen uns Gedanken machen und sollten beizeiten einen Masterplan haben“, fordert sie. Bereits vor mehr als einem Jahr hatte sie einen Runden Tisch mit Vertretern aus Kirche, Landratsamt, dem Arbeitskreis Asyl und anderen sozialen Einrichtungen angeregt. Und sie hatte die personellen Schwierigkeiten angesprochen. Sowohl in den Ämtern, als auch bei den Ehrenamtlichen.

Die leisten eine aufopferungsvolle Arbeit, stehen zum Teil Tag und Nacht als Ansprechpartner zur Verfügung. „Und ihre Informationen müssen sie sich selber zusammensuchen“, ärgert sich Glos. Ein staatlicher Mitarbeiter kommt laut ihren Informationen auf 100 Asylbewerber. „Bei so einem Betreuungsschlüssel fehlen mir die Worte“, sagt sie. Ideal wäre ein Betreuer pro Tag und ein Betreuer pro Nacht. Für jede einzelne Einrichtung. Derzeit sind es alleine im Landkreis Kitzingen sechs Gemeinden, in den Asylbewerber eine Unterkunft zugewiesen bekamen. Ähnlich wie Landrätin Bischof ist auch Glos mit der Struktur äußerst unzufrieden. „Es fehlt ein Plan“, sagt sie. Kindergartenplätze, Schulplätze, Infrastruktur, Personal: Viel zu viele Fragen seien offen.

Immerhin: Bei der Kostenfrage hat die Staatsregierung ein klares Signal gesendet. Für 2015 plant sie im Bereich Asyl mit Gesamtkosten von 460 Millionen Euro. Die Unterbringungskosten würden den Kommunen schon jetzt beglichen. Davon geht auch Tamara Bischof aus. „Wir werden der Staatsregierung die Kosten in Rechnung stellen“, kündigt die Landrätin an.