Nachwuchsmangel? Ein Beruf, der vom Aussterben bedroht ist? Die Antworten auf diese Fragen fallen unterschiedlich aus. Je nachdem, wen man dazu befragt.

Marcus Will ist der Obermeister der Bäckerinnung in Kitzingen. Er sagt, dass die Situation gar nicht so schlimm sei. „Die Branche findet schon noch Azubis.“ Stefan Fuchs, Juniorchef der gleichnamigen Bäckerei in Markt Einersheim sieht das anders. Vor fünf Jahren hatte er noch sieben bis acht Auszubildende für die Backstube. Aktuell ist es nur einer. Und für das Lehrjahr 2015 liegt ihm bislang nur eine einzige Bewerbung vor. Die Bewerberin möchte eigentlich Konditorin werden.

„Der Beruf ist sehr abwechslungsreich. Und man kann auch als Azubi seine Ideen einbringen.“
Valentin Gebert, Auszubildender

In der Kitzinger Berufsschule werden alle ausgebildet: Konditoren, Bäckereifachverkäufer und Bäcker. Hans Stahl ist seit 34 Jahren Fachbetreuer für die Bäcker. „Früher hatten wir mehr Auszubildende“, sagt er. Aber früher gab es halt auch mehr Betriebe. Stahl kennt noch die Zeiten, als es in Kitzingen sieben bis acht Bäcker gab, die alle Lehrlinge hatten. „Heute sind es nur noch zwei.“

Die Betriebe werden größer, schon deshalb nimmt die Zahl der Auszubildenden ab. Von einem dramatischen Rückgang will der Fachbetreuer aber nicht sprechen. Aktuell sind es 18 Auszubildende im dritten Lehrjahr. Und die kommen aus allen möglichen Schularten, von der Mittelschule über die Realschule bis hin zum Gymnasium.

Susanne Pegels stammt aus Nordrhein-Westfalen. In Hafenlohr, in der Nähe von Marktheidenfeld, hat sie vor drei Jahren ihre Ausbildung zur Bäckerin begonnen. Bereut hat sie es nicht. Im Gegenteil: „Es macht Spaß.“ Selbst das frühe Aufstehen macht der 22-Jährigen nichts aus. „Dafür habe ich am Nachmittag ganz viel Zeit“, sagt sie.

Um 3.30 Uhr beginnt der Arbeitstag für Susanne Pegels. Valentin Gebert hat da schon drei Stunden Arbeit hinter sich. „Nach dem Fußballtraining ist es manchmal schon hart“, gibt der Gnodstädter zu. Trotzdem: Nach dem Abitur stand für ihn fest, dass er diese Ausbildung machen will. Zwei statt drei Jahre muss Valentin dank seiner schulischen Vorbildung absolvieren. Danach soll es weitergehen. Meisterprüfung, Studium. BWL oder Food-Manager. Da ist sich der 20-Jährige noch nicht ganz sicher. Irgendwann will er dann das Geschäft seiner Eltern übernehmen. „Der Beruf ist sehr abwechslungsreich“, sagt er. „Und man kann auch als Auszubildender seine Ideen einbringen.“

Die Auszubildenden ernst nehmen, sie langsam ins Berufsleben einführen. Das ist auch das Ziel von Marcus Will. In Kitzingen hat er bezüglich der Suche nach Auszubildenden einen gewissen Standortvorteil. „Die Azubis können hierher laufen oder mit dem Rad fahren“, weiß er. Stefan Fuchs hat es da in Markt Einersheim schon schwieriger. Wer eine Bäckerlehre anfängt, muss mobil sein. Oder in der Nähe eines Ausbildungsbetriebes wohnen. Und er muss auf den Geschmack gebracht werden. „Wichtig ist unsere Präsenz bei den Berufsbörsen oder direkt in den Schulen“, sagt Will. Gerade angesichts des demografischen Wandels und der sinkenden Zahl an jungen Menschen.

„Das gesamte Handwerk ist vom demografischen Wandel betroffen“, bestätigt Gerlinde Porzelt. Die Schulleiterin in Vertretung vor Ort hat vor den Faschingsferien an einem „Runden Tisch Gastronomie“ teilgenommen. Ergebnis: Sorgen gibt es quer durch alle Branchen. „Wir müssen an unserem Image arbeiten“, fordert deshalb Marcus Will.

Eine Forderung, die Stefan Fuchs sicherlich unterschreiben würde. Zumal er bei manchen seiner Schulbesuche schlechte Erfahrungen gemacht hat.

„Da ist für jeden etwas dabei. Für die Grobmotoriker genauso wie für die Feinmotoriker.“
Susanne Pegels, Auszubildende

Sein Vorwurf: Das Handwerk wird teilweise schlecht geredet. Er kann sich beispielsweise an ein Plakat erinnern, auf dem der Verdienst der Bäckerlehrlinge vollkommen falsch angegeben war. „Viel niedriger als in der Realität.“ Die Lust auf eine Bäckerlehre wird so nicht angeregt.

Tatsache ist, dass der technische Fortschritt auch am Beruf des Bäckers nicht vorbeigegangen ist. Fachbetreuer Hans Stahl spricht von einer technisch hochwertigen Ausstattung in den Backstuben. Und demzufolge von höheren Anforderungen an die Auszubildenden. Zumal sich die Bäckerläden früherer Jahre in Dienstleistungsbetriebe verwandelt haben, in denen es Kaffee, belegte Brötchen und vieles mehr gibt. Auch deshalb sagt der angehende Bäckergeselle Valentin Gebert, dass der Beruf sehr abwechslungsreich sei. Und seine Schulkollegin Susanne Pegels versichert, dass sie es allen jungen Menschen empfehlen kann, das Bäckerhandwerk zu erlernen. „Da ist für jeden etwas dabei. Für die Grobmotoriker genauso wie für die Feinmotoriker.“