Die bayerische Staatsregierung nimmt viel Geld in die Hand, um Wohnraum zu schaffen – für anerkannte Flüchtlinge genau so wie für sozial schwache Familien. Ein erstes Ergebnis dieser Fördermaßnahmen entsteht gerade in Hellmitzheim.

Der 11. April 1945 ist lange her. Und doch hat er sich ins Gedächtnis der Hellmitzheimer eingebrannt. Große Teile des Iphöfer Stadtteiles sind am Ende des Zweiten Weltkrieges, zerstört worden. Das ehemalige Jägerhaus im Ortskern war eines der wenigen Gebäude, das den Angriff überstand – aber zusehends verfiel.

„Ganz ehrlich: Das Haus war schon sehr baufällig“, sagt Melanie Wächter vom Architekturbüro Böhm und Kuhn in Iphofen. Ins Obergeschoss hat sie sich kaum hineingetraut. Auch Bürgermeisters Josef Mend spricht von einem „schwierigen Gebäude.“ Dank der besonderen Förderung wird es jetzt grundlegend saniert. 578 000 Euro sind dafür veranschlagt worden, die Gesamthöhe der Zuwendungen beläuft sich auf 450 000 Euro. Staatssekretär Gerhard Eck überbrachte den Förderbescheid am Donnerstagnachmittag. „Wir müssen in solche Projekte investieren“, meinte er. „Um die bauliche Substanz im ländlichen Raum zu erhalten und dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. “ Eck gab zu, dass die Entscheidung nicht für jeden rationell nachvollziehbar ist. Manch' einer werde sich beim Blick auf das ehemalige Jägerhaus denken: Bagger bestellen, alles wegschieben und zwei neue Häuser aufbauen. „Aber ist es dann noch reizvoll, hier zu leben?“, fragte der Staatssekretär.

Die Verantwortlichen aus München, Würzburg und Iphofen haben diese Frage längst beantwortet. Sie wollen das Haus trotz der immensen Kosten erhalten. Aufgabe des Staates müsse es sein, die baulichen Substanzen im ländlichen Raum zu erhalten, meinte Eck. In Iphofen sei das bisher vorbildlich gelungen. Fast 13 Millionen Euro sind seit 1980 über die Städtebauförderung schon in die Stadt geflossen. Die Folge: „Die Einwohnerzahl ist in etwa konstant geblieben, wir haben zurzeit fast keinen Leerstand“, so Mend. Beim ehemaligen Jägerhaus in Hellmitzheim habe die besondere Förderung den Ausschlag gegeben, gab er zu.

Normalerweise werden von der Städtebauförderung 60 Prozent der förderfähigen Kosten bewilligt. Dank des Sonderprogrammes sind es 90 Prozent. Trotz dieses Anreizes sind in Unterfranken bislang nur drei Bescheide bewilligt worden. Neben Hellmitzheim in Kürnach und Röttingen. „Der Topf ist noch gut gefüllt“, sagt der zuständige Mann für die Städtebauförderung, Manfred Grüner. Über die Zurückhaltung der Gemeinden kann er nur spekulieren. Vielleicht gibt es keine geeigneten Objekte?Vielleicht ist die zweckgebundene Nachnutzung auch für manche Gemeinde ein Hindernis?

Mindestens sieben Jahre lang sollen die geförderten Objekte zu einer ortsüblichen Miete an anerkannte Flüchtlinge vermietet werden. Wie viele anerkannte Flüchtlinge derzeit auf Wohnungssuche sind, lässt sich nur schwer beziffern. Aus dem Landratsamt werden aktuell 240 Fehlbeleger gemeldet – Flüchtlinge mit Anerkennung, die eigentlich die staatlich finanzierten Unterkünfte verlassen müssten, aber keine bezahlbare Wohnung finden. Im Kitzinger Jobcenter sind derzeit fast 1300 Menschen mit Flüchtlingshintergrund als arbeitssuchend gemeldet.

Iphofens Bürgermeister Josef Mend weiß schon jetzt, dass das ehemalige Jägerhaus nach seiner geplanten Fertigstellung im Sommer 2017 vermietet wird. 23 Flüchtlinge lebten derzeit in Iphofen, dazu etwa gleich viele in Herrnsheim. Er habe jetzt schon Anfragen bekommen. Das Haus ist gedacht für eine Großfamilie, könnte aber auch von zwei kleinen Familien bewohnt werden. Iphofens zweiter Bürgermeister Ludwig Weigand, der aus Hellmitzheim stammt, ist überzeugt, dass die Integration im Ort gelingen wird. Es sei viel einfacher, anerkannte Flüchtlingsfamilien auf dem Land unter zu bringen, als in Großprojekten am Rande von Städten, stimmte Gerhard Eck zu. „Wir wollen keine Gettobildung in Bayern.“ In Hellmitzheim ist diese Gefahr ausgeschlossen.