Der zeitliche Aufwand war größer als gedacht – aber das Erlebnis hat das vielfach aufgewogen. Nicole Roth würde sofort wieder mitmachen bei der „Landfrauenküche“ des Bayerischen Rundfunks. „Es war eine tolle Erfahrung.“, sagt sie über die Dreharbeiten im Sommer. Jetzt wird „ihre“ Folge ausgestrahlt: Am Montag, 7. Dezember, um 20.15 Uhr gibt es „Schäufele Family Style“ mit der Winzerin aus Wiesenbronn.

Sieben Frauen aus den sieben bayerischen Regierungsbezirken servieren Drei-Gänge-Menüs und geben dabei Einblick in ihr Leben und ihre Arbeit – das ist das Konzept der Sendung „Landfrauenküche“, die mittlerweile in der zwölften Staffel im Fernsehen läuft. Als leidenschaftliche Öko-Winzerin, die gut und gern kocht, passt Nicole Roth bestens in diesen Rahmen. Als der Bayerische Rundfunk bei ihr anrief und fragte, ob sie mitmachen wollte, musste die 46-Jährige nicht lange überlegen. „Ich kannte die Sendung, auch wenn ich nicht jede Staffel verfolge.“ Die jetzige schaut sie sich natürlich an, schließlich kennt sie die Damen, die diesmal um den Sieg im Menü-Wettbewerb kochen, von vielen gemeinsamen Dreh-Tagen und hat sie alle in ihren Betrieben besucht.

Vier Tage lang drehte das Fernsehteam im Juli in und um Wiesenbronn, im Keller, im Weinberg, am Lieblingsplatz, beim Einkauf. Zum Fischholen ist Nicole Roth sogar mit der Vespa nach Oberscheinfeld gefahren – dass diese Szene in der Sendung gar nicht vorkommt, bedauert die 46-Jährige ein bisschen. Aber so ist es eben bei Fernsehaufnahmen, es gibt viele „Takes“ und nicht alles findet letztendlich Platz in den 45 Minuten, die im Fernsehen gezeigt werden.

Dass Nicole Roth das Wort „Takes“ nutzt, ohne groß darüber nachdenken zu müssen, ist wenig verwunderlich: Ein Blick in den Lebenslauf verrät, dass sie schon nach der Winzerlehre und dem anschließenden Weinbau-Studium mit Fernsehen zu tun hatte – und mit Kochen. Mehrere Jahre war die Wiesenbronnerin für die Weinauswahl und das Weinmarketing der Sendung „Alfredissimo“ mit Alfred Biolek verantwortlich. Später zog sie nach Amerika, war dort im Export tätig und natürlich ging es auch da wieder um Wein. 2011 kam sie zurück nach Wiesenbronn. „Das war der richtige Zeitpunkt für den Einstieg ins Weingut“, sagt sie rückblickend. Den Betrieb mal zu übernehmen war schon immer ihr Ziel. Und sie wollte, dass ihre Tochter in Wiesenbronn aufwächst. Auch die elfjährige Frida kommt in der Sendung zu Wort – der Einblick in die Familie, das Persönliche, das gehört zum Konzept der Sendung.

Ein fünfter Drehtag ist für das Kochen vorgesehen, dann kommen auch die anderen Landfrauen, schauen sich den Betrieb an, verkosten das Menü und geben ihr Urteil ab. Nicole Roth und ihr Vater Gerhard, der als einer der ersten in Deutschland seinen Betrieb 1974 auf ökologischen Weinbau umstellte, stellen in der Sendung das Weingut vor, erzählen vom Grund für diese Entscheidung, von den Abläufen, von ihrer Liebe zum Wein. Ein Vater-Tochter-Gespräch macht deutlich, wie eng die Verbundenheit zwischen den beiden ist. Gerhard Roth arbeitet auch heute noch voll im Weingut mit, beide unterstützen sich gegenseitig und doch kann die Tochter neue Wege gehen. „Das muss man teilweise auch“, sagt die 46-Jährige, gerade auch im Marketing. Den „Badewannenwein“, den Nicole Roth ihren Gästen als Präsent mit nach Hause gegeben hat, schmückt ein freches Etikett, „'m Pfarrer seiner“ ziert ein Bild von Don Camillo. „Manchmal muss man frei von Konventionen sein, neugierig und mutig“, sagt Nicole Roth.

Um die ökologische Ausrichtung des Weinguts allerdings gab es nie eine Debatte. Als sie in den Betrieb mit eingestiegen ist und ihn vor fünf Jahren übernahm, war klar, dass die junge Winzerin den von ihrem Vater eingeschlagenen Weg fortführt. „Das stand für mich keine Sekunde infrage. Es gibt für mich im Weinbau keinen anderen Weg.“ Es war Nicole Roth wichtig, dass der ökologische Gedanke in der Sendung gut rüberkommt. „Das ist das, was uns ausmacht.“

„Nose to tail“ lautet das Motto der Staffel, es sollten beim Kochen Teile der Tiere genutzt werden, die nicht als edel gelten. Die Schweinebacke, die Rippe oder das Schäufele zum Beispiel, das typisch fränkische Gericht, das Nicole Roth zubereitet. Vorgaben gab es dabei vom Sender nicht, die Frauen konnten frei entscheiden, was sie kochen. Natürlich spielt beim Menü der Winzerin der Wein eine wichtige Rolle. Den Gruß aus der Küche – Saibling mit Ziegenkäse und Apfel-Fenchel-Salat – grillt sie am Silvanerplatz inmitten der Weinberge auf Rebholz und serviert ihn gleich dort im Rahmen einer Weinbergsführung. Zum Dessert gibt es Weincreme vom Wiesenbronner Sauvignon Blanc. Und beim „Schäufele Family style“ mit Kartoffelkloß und Blaukraut darf Wein in der Soße nicht fehlen. Weil zwei Vegetarierinnen in der Runde sind, müssen für diese Staffel zusätzlich Varianten ohne Fisch und Fleisch zubereitet werden, eine besondere Herausforderung. Nicole Roth hat gefüllten Kartoffelkloß mit Walnusspesto serviert.

Beim Kochen ging ihr Freundin Luise zur Hand und wie zuvor bei der Vorstellung des Weinguts hatten die Kameras jeden Handgriff im Blick, jeder Dialog wurde aufgenommen. Stressig fand Nicole Roth das nicht, auch wenn während des gesamten Drehs so mancher „Take“ zwei, dreimal aufgenommen werden musste. Sie und Luise seien ein gutes Team. „Wir harmonieren auch privat gut.“

Weingutsleiterin, alleinerziehende Mutter, erfolgreich, tough – Nicole Roth zeigt wie die anderen Teilnehmerinnen der Sendung, dass so mancher das Bild der Landfrau, der Bäuerin überdenken muss. „Landfrauen sind nicht alle jenseits der 50 und sitzen nur daheim. Landfrauen sind junge, innovative Frauen, die das Leben auf dem Land schätzen“, sagt die Wiesenbronnerin. So wie Lena Zimmermann aus Schwaben, die eine Banklehre absolvierte, als ihr Vater plötzlich starb. Mit 18 entschied die junge Frau, den elterlichen Betrieb samt Metzgerei zu übernehmen. Oder die Oberfränkin Anja Raithel, mit 48 Jahren die älteste in der Runde der aktuellen Staffel. Sie ist Mutter von sechs Kindern, führt mit ihrem Mann einen Biobetrieb, beide sind Selbstversorger. Eva Gottschaller, deren Familie in Niederbayern einen Biohof führt und sich vegetarisch und vegan ernährt – sowie die anderen drei, die für Staffel zwölf der „Landfrauenküche“ gekocht haben. „Alle sieben sind tolle Frauen. Wir waren eine super Gemeinschaft“, sagt Nicole Roth. Die Runde verstand sich so gut, dass sich alle im kommenden Jahr noch einmal ganz privat treffen wollen, ganz ohne Kameras und Scheinwerferlicht.

Es sei keiner der Frauen darum gegangen, zu gewinnen, versichert Nicole Roth. Trotzdem wird natürlich auch in dieser Staffel eine Siegerin gekürt. Wer die meisten Punkte für Vor-, Haupt- und Nachspeise bekommen hat, wird beim Finale am 21. Dezember verraten.

Info: Der Beitrag über die Unterfränkin Nicole Roth aus Wiesenbronn in der Reihe „Landfrauenküche“ wird am Montag, 7. Dezember, um 20.15 Uhr im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt. Alle Folgen sind bereits vorab in der Mediathek zu sehen. Die Rezepte gibt es im Internet unter br.de/br-fernsehen/sendungen/landfrauenkueche