Johannes Arnold steht am Fuß des Julius-Echter-Bergs und schaut zufrieden drein. „Die meisten Trauben sind von der Fäulnis verschont geblieben“, sagt der Iphöfer Winzer. 30 Kilometer nordwestlich schaut das etwas anders aus. Im Würzburger Raum hat der intensive Regen der vergangenen Woche seine Spuren hinterlassen.

Federweißen gibt es längst zu kaufen, in diesen Tagen starten die meisten großen und kleinen Weingüter auch ihre Hauptlese. An diesem Montag legt beispielsweise das Domänenamt in Castell richtig los. Weingutsleiter Karl-Heinz Rebitzer ist guter Dinge. Bei den Silvanertrauben spricht er sogar von einer „wunderbaren Gesundheit.“ Bei den Frühsorten wie Bacchus oder Müller-Thurgau müsse man wegen der Fäulnisgefahr rechtzeitig mit der Lese anfangen.

„Wir brauchen jetzt wieder eine längere Trockenphase.“
Andreas Oehm GWF-Vorstandsvorsitzender

Eine Erfahrung, die auch die Winzergemeinschaft Franken (GWF) gemacht hat. „Wir haben schon seit Anfang der Wochen selektiv gelesen“, sagt Vorstandsvorsitzender Andreas Oehm. In manchen Ecken hat der Regen der letzten Woche die Reife extrem beschleunigt, gerade in den Flusstälern hält sich an manchen Tagen auch der Nebel hartnäckig. „Dann ist es für die Trauben zu nass“, sagt Oehm. Sein Wunsch: „Wir brauchen jetzt wieder eine längere Trockenphase.“

„Ein paar schöne Tage und wir bekommen eine ordentliche Qualität“, bestätigt der Leiter der Abteilung Weinbau und Oenologie an der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau, Hermann Kolesch. Gerade die späten Sorten wie Silvaner oder Riesling sowie viele Rotweinsorten würden sich gut entwickeln. „Anders als beispielsweise in der Pfalz“, sagt Kolesch. Dort hat es noch mehr geregnet als in Franken. Die Pfälzer Winzer haben notgedrungen längst mit der Lese begonnen.

Probleme mit der Witterung hatten in diesem Jahr auch die Weinbauern im Bordeaux. Etwa 40 Prozent Ausfall wegen Hagelschäden. Dennoch: Europäische Anbaugebiete werden weiter auf den deutschen Markt drängen, prognostiziert Kolesch. „Schon wegen der schlechten Konjunktur in den meisten Ländern.“ Will heißen: In Deutschland ist mit Wein noch eher gut Geld zu verdienen.

Frankens Winzer müssten sich deshalb aber keine Sorgen machen. Die Weichen sind in den letzten Jahren auch in Bezug auf eine zufriedenstellende Wertschöpfung richtig gestellt worden. „Die meisten europäischen Konkurrenten werden ihre Produkte im unteren Preissegment anbieten“, so Kolesch. „Wir liegen darüber.“ Nach den schwierigen Jahrgängen 2010 und 2011 (hohe Niederschläge im August beziehungsweise Spätfrost im Mai) war der 2012er schon ein Jahrgang zum Aufatmen für die fränkischen Winzer. Der 2013er reiht sich nach Koleschs Überzeugung optimal in die Angebotspalette ein. „Das wird ein trinkiger Jahrgang“, prophezeit der Vizepräsident der LWG.

Trinkig? Das bedeutet wohl frisch und fruchtig. Und so wird sich der aktuelle Jahrgang auch nach der Überzeugung von Karl-Heinz Rebitzer darstellen. „Damit passt er ganz gut in den Markt.“ Denn die meisten Kunden verlangen gerade das vom Wein: Wenig Alkohol, viele Fruchtaromen. „Kühle Nächte sind dafür ideal“, sagt Johannes Arnold aus Iphofen. „Und warme Tage.“ Auch der Iphöfer VdP-Winzer setzt deshalb auf einen Altweibersommer. „Wenn das Wetter so bleibt, haben wir die Kurve bekommen.“

80 bis 90 Hektoliter pro Hektar wird Arnold in diesem Jahr voraussichtlich ernten. „Mengenmäßig ein normaler Jahrgang“, sagt der 43-Jährige. Bei der GWF wird die Menge ein wenig unter dem Jahr 2012 liegen. „Die Trauben sind tendenziell kleiner“, berichtet Andreas Oehm. Drei bis vier Hektoliter pro Hektar weniger als 2012 sind für die größte Winzergenossenschaft Frankens aber kein Problem. Oehm: „Das haut uns nicht um.“

Johannes Arnold steht in seinem ältesten Weinberg am Julius-Echter-Berg und misst mit Hilfe eines Refraktometers den Reifegrad der Trauben. Der Silvaner soll zum „Großen Gewächs“ heranreifen. Rund 80 Grad Oechsle haben die Trauben bereits. 95 bis 100 sind das Ziel. Oder umgerechnet: Zwei Wochen lang Tage mit viel Sonnenschein.

Nach all den Wetterkapriolen mit einem kalten Frühjahr, einem sehr trockenen Sommer und den hohen Niederschlagsmengen der letzten Woche, wäre ein trockener Altweibersommer mit viel Sonnenschein jetzt genau das Richtige für Frankens Winzer. Die Meteorologen machen durchaus Mut. Laut Langzeitprognose wird es sonnig mit wenig Niederschlägen.