Ein schmachtender Blick, eine leichte Berührung, ein verliebtes Lächeln... Und dann bricht Johanna in schallendes Gelächter aus. Die Frauen und Männer um sie herum sind gleich dabei, und plötzlich wirken sie in ihren historischen Kostümen gar nicht mehr so würdevoll und ernst. „Du darfst halt auch nicht grinsen“, sagt Johanna zu ihrem Gegenüber Tobias, der sich gerade noch ein paar Lachtränchen aus dem Augenwinkel streicht. „Sorry“, gibt er zurück. „Aber das Schauspielern ist halt nicht so einfach.“

20 Markt Einersheimer Bürger haben sich zu einer Theatergruppe zusammengetan und spielen an Christi Himmelfahrt ein Stück, das von den Umständen rund um die Ernennung Einersheims zur Marktgemeinde erzählt. Vor genau 475 Jahren ist das gewesen, und der Schenk Carol spielt dabei, wie so oft in Markt Einersheim, eine wichtige Rolle.

Ideen für Stück aus Erzählungen

Das musste sich Autorin und Regisseurin Sabine Schnurrer nicht ausdenken, den ganzen Rest aber schon. Über die Verleihung des Marktrechts gibt es keine schriftlichen Belege. Aus den Erzählungen von Christian Lackner, der zu offiziellen Anlässen immer wieder in die Robe des Schenken von Speckfeld schlüpft, hat sie ihre Ideen für das Stück gewonnen. In kurzer Zeit nahm die Geschichte rund um den Schenken, seinen nichtsnutzigen Raubritter-Neffen Johannes und den rachsüchtigen Iphöfer Ritter Peter Gossenwein Gestalt an.

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, ist vorwiegend ein Verdienst von Christina Bergmann. Zusammen mit Karin Gamm organisiert sie den Kirschblütenmarkt; als sie vom Jubiläum der Markterhebung erfuhr, hatte sie die Idee vom historischen Theaterstück. Der Kontakt zur Mitbürgerin Sabine Schnurrer war schnell hergestellt – man wusste von deren Gespür für historische Ereignisse. Seit zwölf Jahren nimmt Schnurrer an den Florian-Geyer-Festspielen in Giebelstadt teil; inzwischen als Regieassistentin.

Regelmäßige Treffen

Die Laienschauspieler, die Christina Bergmann zusammengetrommelt hatte, treffen sich nun seit vier Wochen mit ihrer Regisseurin, die mit Engelsgeduld auf Betonung, Reaktionen und Getuschel im Hintergrund eingeht. Neben den meisten Kostümen hat sie sich aus Giebelstadt auch für die Kampfszenen Unterstützung geholt: Yvonne Göbel führte die Schwertträger in diese Kunst ein – bisher sind noch alle Hände dran.

Das soll auch am Donnerstag so bleiben, wenn die Gruppe dreimal auf dem Marktplatz auftritt. Danach wird Johanna erleichtert sein, dass sie keine schmachtende Liebeserklärung mehr machen muss. „Wenn du wirklich lachen musst, dann lach' einfach“, gibt ihr Sabine noch einen Tipp – für den Fall der Fälle. Die Zuschauer werden wohl so oder so in schallendes Gelächter ausbrechen.

Theater am Marktplatz

Jubiläum: Die Feierlichkeiten zum Jubiläum „475 Jahre Markterhebung“ finden zum des Kirschblütenmarkt am Donnerstag (Christi Himmelfahrt), 25. Mai, statt. Neben den drei Aufführungen des historischen Theaterstücks um 11, 13 und 15 Uhr gibt es den Gottesdienst um 9 Uhr in der St. Matthäuskirche, die feierliche Eröffnung um 10 Uhr und einen Auftritt der Hohenbühler Alphornbläser um 14.30 Uhr.

Ab 12 Uhr sorgen außerdem die Markt Einersheimer Musikanten für Stimmung.

Markttreiben: Auf dem Markt findet der Besucher neben fliegenden Händlern, der Ausstellung der Kleintierzüchter und dem vielfältigen Essens- und Freizeitangebot der Vereine auch einen Scherenschleifer, der sämtliche mitgebrachte Klingen schärft. Die Stände werden bis etwa 17 Uhr geöffnet sein.