Gelöste Stimmung im Saal des Bürgerhauses, Zeit für den gemütlichen Teil nach der Diskussionsrunde, zu der die Kitzinger Lokalredaktion der Main-Post am Montagabend eingeladen hatte. Da meldet sich Hans Weigand und weist auf einen vergessenen Punkt hin: die fehlende Linksabbiegespur von der B 8 in den Iphöfer Ortsteil. „Was ist damit?“

Ein Thema, das den Nerv der fast 50 Bürger trifft, die an dem Abend mit Redaktionsleiter Norbert Hohler diskutiert haben. Der hatte, wie er zugibt, die erste Ausfahrt in den Ort gleich mal verpasst. Das ist allerdings kein Wunder, gibt es doch an beiden Einfahrten Possenheims weder eine Abbiegespur, noch ist der Abschnitt beleuchtet. Mehrere Autofahrer berichten von brenzligen Situationen beim Heimweg. „Es ist ein gefährliches Eck“, gibt Iphofens Bürgermeister Josef Mend zu. Er ist an dem Abend wie Ortssprecher Jürgen Adler in erster Linie Zuhörer, versucht aber auch Fragen an die Stadt direkt zu beantworten, Lösungswege aufzuzeigen.

Kein leichtes Unterfangen bei einer Bundesstraße, betont Mend, auch für eine mögliche Beleuchtung gebe es Regeln, doch sei es in seiner Amtszeit auch nicht versucht worden: „In 24 Jahren wurde nie ein Antrag für eine Linksabbiegespur gestellt.“ Er verspricht, die Anregung in den Iphöfer Bauausschuss mitzunehmen.

Zufriedene Gesichter, als der gemütliche Teil dann tatsächlich beginnt. Anni und Helmut Fink hat das Konzept des Abends überzeugt. Neben Redaktionsleiter Norbert Hohler waren der Orts-Berichterstatter Eike Lenz und Sebastian Meyer vom Vertrieb vor Ort. „Es ist offener gesprochen worden als bei einer Bürgerversammlung“, findet Anni Fink. Ihr Mann empfiehlt für weitere Veranstaltungen der Reihe „Wir in . . .“ ab nächstem Frühjahr, die Themen ebenso offen zu lassen wie in Possenheim. „Das stellt sich dann schon bei der Veranstaltung raus, was die Leute interessiert“, sagt Helmut Fink.

Am Montagabend im Bürgerhaus sind es viele Punkte, teilweise von Norbert Hohler ins Gespräch gebracht, über die diskutiert wird. Der Redaktionsleiter nennt die Veranstaltung ein Experiment, das mit Absicht in einem kleinen Ort starte. „Wir wollen hören, was Sie bewegt, was Ihnen unter den Nägeln brennt.“

Die jungen Ortbewohner, die an dem Abend im Saal einen ganzen Tisch besetzen, sind glücklich mit ihrem Treffpunkt im Gewölbekeller des Bürgerhauses. Der Vereinsvorsitzende der Possermer Jugend, Daniel Kräutlein, nennt es einen „super Raum“, in dem man auch vom Lärm her auf der sicheren Seite sei. Auch der Discobus in den Mainfrankenpark und nach Würzburg werde im Winter angenommen.

Und wie ist es um die Arbeitsplätze bestellt? Dank der guten Anbindung an die Bundesstraße und die Züge Richtung Würzburg und Nürnberg scheint das kein Problem zu sein. Wegen der besseren Lebensqualität nehme sie den täglichen Weg nach Nürnberg gerne in Kauf, erzählt Marion Fink.

Das und die günstige Lage trägt mit Sicherheit dazu bei, dass der Ort seine Einwohnerzahl auf 220 steigern konnte. Helmut Fink sieht die Gründe dafür auch im günstigen Bauland. „Leerstand haben wir schon auch“, merkt er kritisch an. Diese „Fast-Ruine“ in der Ortsmitte hatten er und seine Frau Anni schon vorab auf die Frage genannt, was sich verbessern ließe in Possenheim. Doch bei dem Paar kommt schnell wieder eine pragmatische Ader durch. Man habe ja schon das Bürgerhaus, „und zwei solche Häuser brauchen wir nicht“, schiebt Anni Fink nach.

Mit solchen Aussagen bestätigen die beiden die Ansicht des Bürgermeisters, dass die Possenheimer eine aufgeschlossene Ortsgemeinschaft bildeten, die er „nie unsachlich“ erlebt habe. Realismus statt Wolkenschlösser lautet dementsprechend auch die Devise bei weiteren Themen: Feuerwehr-Kommandant Dietmar Adler hält ein neues Fahrzeug 2016 oder 2017 für ausreichend („dann sind wir von der Ausrüstung her optimal versorgt“), die alte Scheune im Ort ist laut Ortssprecher Jürgen Adler nützlich, um mehr Lagerraum zu haben und eine neuer Spielplatz müsste nicht sein, aber der alte könnte ein bisschen aufgewertet werden, sagt seine Frau Simone.

Und wie steht es um die ältere Bevölkerung? Manko, wie in so vielen kleineren Orten, sind fehlende Einkaufsmöglichkeiten, beklagt Rentner Georg Treml bei der Diskussionsrunde. In Possenheim müsse man mobil sein, ohne Auto sei man arm dran. Genau aus dem Grund fährt seit rund einem Jahr ein Bürgerbus die Ortsteile an, 15 bis 20 Senioren nutzen ihn regelmäßig, erläutert Josef Mend. In nächster Zeit werden Fragebögen ausgeteilt, um ein umfassendes Bild zu bekommen und das Angebot auf die Bedürfnisse der Mitfahrer abstimmen zu können. Eines schärft Mend den Anwesenden jedoch ein: „Die Nutzer müssen die Fahrer ansprechen.“ Entscheidend sei es, den Mund aufzumachen. Das, so die Erfahrung des Abends, sollte für die Possenheimer ein Leichtes sein.