Winzer und Weingenießer sind ohne Englisch verloren. Die gute alte Weinprobe, so doziert die Landesanstalt für Weinbau in Veitshöchheim, ist heute ein „vinophiles Info- und Edutainment“. In Klammern wird etwas schräg aufgeklärt, dass es sich dabei um „Wissens- und Persönlichkeitsbildung rund um den Wein“ handeln soll. Nur: wessen Persönlichkeit und wie wird sie gebildet? Jedenfalls nicht durch die deutsche Sprache. Sie kommt wenig fruchtig, prickelnd und spritzig rüber, besonders beim „genussorientierten Gast“, der ja perfekt den deutsch-englischen Sprachpansch beherrscht.

In „Weinlounges“ oder „Weinshops“ werden „Orange Wine“ oder Wein „in moderation“ diskutiert. Nicht nur sprachlich, sondern insgesamt sei die Weinkultur im Wandel, informierte eine Dame von „Trend Strategy Innovation“ unlängst in Iphofen. Es gebe die „Millenial Foodies“, für die „Essen das neue Feiern ist“. Und dabei bilden „Messer, Gabel und Smartphone“ eine Einheit neben dem „Wein als Essensbegleiterin“.

Das Smartphone ist ein Muss. Schließlich kann man damit heimlich googeln, was einem da in Sachen Wein und Tourismus sprachlich vorgesetzt wird. Etwa, dass ein „Millenial Foodie“ schlicht ein Feinschmecker mit fast krankhafter Genusssucht ist. Oder was Jungwinzer unter einem „Big Bang Projekt“ verstehen: offensichtlich einen weinmäßigen Urknall. Ob den die „Flying Weindozenten“ auch schon gehört haben? Gehen sie deshalb in die Luft? Oder in eine andere „Destination“? Bekannt sind die „Flying Doctors“ in Australien, die per Flugzeug ihre Patienten betreuen. Die hiesigen „Flying Weindozenten“ aber sind laut Internetauftritt des Landesamtes für Weinbau „fränkische Dozenten für Wein- und Genusskultur“. Einen Doktortitel brauchen sie dafür noch nicht, sondern nur einen Bocksbeutel, Beamer und einen „Labtop“ – die innovativen Veitshöchheimer Weinexperten sind in den Tiefenschichten ihres sprachlichen Seins halt immer noch echte Franken.

Mit diesen Utensilien zünden die „Fliegenden Weindozenten“ in einem „interaktiven Weinseminar“ ein Feuerwerk an unterhaltsamen „vinophilen Info- und Edutainment“. Da wird sicher der „Flying Pig Wein“ erwähnt. Dieser „Fliegende Schweinewein“ schmeckt laut Google als Rosé besonders „geil“.