Franz Hildebrand ist der Zeremonienmeister der Kitzinger Karnevalsgesellschaft. Seit 1990 übt er dieses Amt aus. Der 11.11. war in seinem Kalender stets geblockt. Faschingsauftakt. Das Jahr 2020 sollte da keine Ausnahme sein. „Ich lass mich doch von Corona nicht stoppen.“

„Ein Virus ist nicht stark genug, um diese Tradition aufzuhalten.“
Franz Hildebrand, Zeremonienmeister KiKaG

Am Falterturm treffen sich die Kitzinger Karnevalisten Jahr für Jahr. Es gibt Glühwein, es gibt Krapfen. Und vor allem gibt es ein freudiges Wiedersehen. „Jeder freut sich an diesem Tag auf den Start in die neue Session“, weiß Hildebrand. In den letzten 30 Jahren hat er diesen Termin höchstens einmal verpasst. „Jeder Narr fiebert diesem Tag entgegen“, sagt er. Natürlich weiß auch Hildebrand um die Gefahren von Corona. Und deshalb konnte er den Inhalt des Schreibens von KiKaG-Präsident Dr. Rainer Müller nachvollziehen: Absage des Saisonstarts, keine Veranstaltungen im November. „Logisch, es dürfen ja keine Versammlungen stattfinden“, sagt Hildebrand. Die virtuelle Eröffnung um 11.11 Uhr mit einem Film, den die KiKaG-Verantwortlichen im Vorfeld gedreht hatten, sei eine schöne Idee, könne das echte Erlebnis aber nicht ersetzen. Also beschloss Hildebrand, die Faschingssaison 2020/2021 alleine zu eröffnen. Er nahm seinen KiKaG-Schal, den Zeremonienstab und eine Corona-Maske mit an den Falterturm und eröffnete die Session mit einem dreifachen Helau. „Ein Virus ist nicht stark genug, um diese Tradition aufzuhalten“, meinte er hernach mit einem Grinsen.

Die Faschingsfreunde in Stadt und Landkreis Kitzingen stellen sich derweil auf eine Session ohne Höhepunkte ein. Die großen Bälle sind abgesagt, eine Verleihung des Schlappmaulordens wird nicht stattfinden, auch der Landkreisumzug ist bereits storniert. Franz Hildebrand hofft auf einen Ordenskommers im Januar. „Damit wenigstens für die Aktiven etwas stattfinden kann.“

Ähnlich sieht es Elmar Gimperlein im nahen Albertshofen. Der Sitzungspräsident der Höpper Elfer hatte noch vor ein paar Wochen auf eine normale Faschingssaison gehofft. Dazu hätte die Inthronisierung des neuen Prinzenpaares am gestrigen Mittwoch gehört. Und für morgen war der große Kommersabend geplant. Beides musste abgesagt werden. Zusammen mit Elferrat Philipp Wenkheimer ließ es sich aber auch Gimperlein nicht nehmen, den Fasching zu begrüßen. „A bissle was geht immer“, stand auf dem Plakat, dass sie symbolisch in die Höhe hielten. Ein Motto, unter dem mehr als 30 unterfränkische Vereine eine andere – corona-gerechte – Art des Faschings präsentieren wollen. Entsprechende Aktionen werden gerade geplant.

Unterdessen hat der Bayerische Rundfunk gestern seine Planungen für die Saison bekannt gegeben. Die beliebte Sendung „Fastnacht in Franken“ soll ausgestrahlt werden – allerdings ohne Publikum, und damit auch ohne Politiker. „Die BR-Redaktion und der Fastnacht-Verband Franken sind mit den Künstlerinnen und Künstlern im kreativen Austausch und arbeiten noch an vielen Details“, erklärt BR-Redaktionsleiter Norbert Küber. Geht alles gut, soll es in der Session 2020/21 sogar noch etwas mehr Fastnacht im BR Fernsehen geben. Bereits am 28. Dezember steht ein „Närrischer Jahresrückblick“ im Programm und am 6. Januar 2021 heißt es „Auf die Plätze…fertig…Tusch!“. Beide Sendungen werden gestaltet von den Künstlerinnen und Künstlern der Fastnacht in Franken.

Elmar Gimperlein bleibt auch angesichts dieser Nachrichten optimistisch. Für die Albertshöfer Faschingsfreunde gilt das sowieso. Dank der Gartenlandhalle könne man auch innerhalb weniger Tage eine Veranstaltung auf die Beine stellen, versichert er. Eine große Sitzung sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht geplant, aber wenigsten den aktiven Mitgliedern wolle er gerne Danke sagen für ihr Engagement. „Vielleicht klappt es ja wenigstens mit einem internen Ehrentag“, so Gimperlein.

Bei all den Schwierigkeiten können die Albertshöfer Narren schon auf ein Highlight in diesem ansonsten so trüben Jahr zurückblicken. Mitte Oktober waren sie zu Gast bei Fernsehaufzeichnungen im Kitzinger Fastnachtmuseum und der angrenzenden Rosenstraße. Michl Müller nahm dort seinen neuesten Faschingshit „Die längste Polonaise der Welt auf. „Und wir durften mitmachen“, erklärt Gimperlein mit einem Grinsen. Corona-konform und mit einem Abstand von 1,50 Metern waren rund 60 Albertshöfer dabei. Ein besonderes Erlebnis und die erlösende Erkenntnis: Ein bisschen was geht immer.

Der Song von Michl Müller steht in allen gängigen Portalen und auf www.michl-mueller.de zum Download bereit.