Holz hat ihn schon immer begeistert. Nach der Schule hat Peter Hirschberger deshalb auch eine Lehre als Schreiner begonnen, war danach 34 Jahre lang als gelernter Schreinermeister bei den Amerikanern in der ehemaligen Harvey–Kaserne tätig. In seiner Freizeit hat er sich anderen Dingen gewidmet, war 18 Jahre Gemeinderat, Vorsitzender des Gesangvereins und Archivar für die Gemeinde Rödelsee und den Schwanberg. Jetzt konzentriert er sich wieder auf seine ursprüngliche Leidenschaft – mit sehenswertem Erfolg.

Peter Hirschberger empfängt in seinem Haus in Fröhstockheim. Hinter dem Carport verbirgt sich eine kleine Kammer. Hier hat der 61-Jährige seine Werkstatt eingerichtet. „Klein, aber fein“, sagt er und lächelt. Sauber aufgereiht hängen die Feilen in einem Regal, in der Ecke steht eine Schleifmaschine. Auf dem Tisch sind vier Holzschalen aufgereiht. „Die Unterseiten von Brillenetuis“, erklärt er dem verdutzt dreinschauenden Besucher.

Hirschberger hat sich vor zwei Jahren daran gemacht, die Werkstatt wieder mit deutlich mehr Leben zu füllen. Für seine Kinder und Enkel hat er schon immer Spielzeug hergestellt und unzählige Sterne aus Furnierholz ausgeschnitten. „Ich habe in meinem Leben auch nur ein einziges Bett gekauft“, sagt er und lächelt. „Die anderen habe ich alle selbst gebaut.“ Jetzt steht er wieder regelmäßiger in seiner Werkstatt, fertigt neben Brillenetuis auch Haarspangen, Herren-Fliegen und vor allem Handtaschen an – alles aus Holz.

„Das ist ein wunderschönes Hobby, das mir selbst auch etwas bringt.“
Peter Hirschberger, gelernter Schreinermeister

Im Internet hat er vor einigen Jahren Bilder von Holzhandtaschen gesehen – made in Österreich und Südtirol. „Das kann ich auch“, hat sich der gelernte Schreiner gedacht und sich an die Arbeit gemacht. Ein paar Anlaufschwierigkeiten hat es gegeben, ein paar Arbeitsschritte, die er nach und nach perfektionieren musste. Mittlerweile hat er den Dreh raus. Querholz verwendet er und verleimt es nicht mehr fünf- sondern nur noch dreifach. Statt Leim nimmt er an manchen Stellen Furnierband. „Hält wunderbar“, sagt er. Nach und nach hat er sich selbst ein paar Tricks und ein paar Kniffe beigebracht. Dennoch nimmt die Produktion Zeit in Anspruch. Zwischen sechs und acht Stunden braucht er, um eine Handtasche fertigzustellen. Für ein Brillenetui rechnet er mit drei Stunden Arbeitszeit, und eine Herren-Fliege dauert etwa zwei Stunden. Die wird übrigens gerne von Frauen gekauft. „Als Geschenk für ihre Männer“, erklärt Hirschberger und muss lachen. Am liebsten verwendet er Mooreiche – „die sieht richtig edel aus“ –, auch Nussbaum und Birke lassen sich gut verarbeiten. Helle Hölzer seien ideal, weil sie sich gut beizen ließen. Letztendlich arbeitet Hirschberger mit beinahe allen Hölzern. Weiche und harzhaltige Hölzer wie Fichte und Kiefer scheiden allerdings aus. Viele Holzreste bekommt er geschenkt – mitunter kauft er sich auch ein paar Margen hinzu. Und dann zieht er sich in seine Werkstatt zurück.

„Das ist ein wunderschönes Hobby, das mir selbst auch etwas bringt“, erklärt Hirschberger. Und damit meint er keinesfalls den finanziellen Ausgleich für seine Stunden. Ihm geht es vor allem um die Freude, die er bei vielen Menschen auslöst, die seine handgefertigten Produkte kaufen. Zwischen 160 und 220 Euro kostet eine Handtasche. „Jede ist ein Unikat.“ Das gilt auch für die Etuis, die er für 70 bis 80 Euro verkauft, und die Fliegen, die rund 30 Euro kosten.

In Nordheim und Sommerhausen war er schon auf Märkten präsent, hat seine Handtaschen an Frauen aller Altersgruppen verkauft. Touristinnen aus Frankfurt und Berlin waren an seinem Stand. Sogar eine Frau aus Japan. „Die hat zwei Handtaschen gekauft und mit nach Tokyo genommen“, freut sich der Fröhstockheimer, der in seiner Frau Hanne Weydt eine zuverlässige Unterstützerin hat.

Sein handwerkliches Geschick hat sich herumgesprochen, in diesem Jahr sollte er nicht nur in der näheren Umgebung ausstellen. Er hatte auch Anfragen aus Salzburg und Oberammergau. „Das hätte mich schon gereizt“, gibt er zu. Wegen Corona mussten die Unikat-Märkte allesamt abgesagt werden. Auch die Weihnachtsmärkte werden aller Voraussicht nicht stattfinden. Peter Hirschberger hofft – wie so viele andere auch – auf ein baldiges Ende der Corona-Beschränkungen. Langeweile kommt bei ihm trotzdem nicht auf. Solange er nicht auf Märkten präsent sein darf, werkelt er halt in seiner kleinen Kammer fleißig vor sich hin – und fertigt immer neue Unikate aus Holz an.

Kontakt: Peter Hirschberger ist auf Facebook und Instagram präsent. Er beantwortet auch gerne Mails unter peter.hirschberger@freenet.de