Bekanntlich zeichnen sich die Leute in und um Kitzingen fast immer durch, sagen wir mal, flexible Freundlichkeit aus. Besonders leicht ist sie bei Behörden, in Lokalen und im Geschäftsleben aufzuspüren. Der Kunde weiß natürlich, dass es sich dabei meist um professionelle Bekundungen von Zuneigung handelt. Doch wer ihr begegnet, können er oder sie sich ihrer Wirkung trotz besseren Wissens kaum entziehen. Auch wenn die geschäftsmäßige Freundlichkeit nur ein strategischer Stimmungsmacher ist. Wenn die Friseurin die frische Bräune und die angeblich kaum angegrauten Haare bewundert, weiß man in selbsttrügerischer Weise, dass sie Ähnliches jedem Dödel sagt, der sich ihrer fachkundigen Style-Verbesserung hingibt. Aber das Interesse am Kunden fühlt sich irgendwie gut an, zumindest für den Moment. Ein ganz spezielles Freundlichkeitsritual hat sich seit einiger Zeit aus einem Supermarkt der Großen Kreisstadt verflüchtigt. Eine Kasse ist gewiss kein Ort der Entspannung, sondern voller Stress. Und doch fragten die Kassiererinnen wie selbstverständlich, während sie die Waren über den Scanner zogen: „Hat alles gebasst“? oder „Hat alles g'stimmt?“ und sogar „Ham? alles g'fundn?“.

Da war man anfangs leicht irritiert über eine solch sinnentleerte Frage und um eine originelle Antwort verlegen, dann aber brummte man: „Na klar doch“, „Alles super“ oder so was Belangloses. Macht man eben so wie im Restaurant. „Hat? geschmeckt?“ - „Danke, gut“. Die Antwort ist so ernst gemeint wie die Frage. Und schlagfertig ist man ja erst, wenn es zu spät ist, außer man heißt Thomas Gottschalk. Die Frage nach der Kundenzufriedenheit war dann so plötzlich weg, wie sie einst gekommen war. Man hört an der Kasse nur noch ein knappes „Brauchens den Beleg?“ oder „Sammeln Sie Punkte?“ Nur, wo ist die besondere Frage hingeraten? Ins Joghurtregal oder in die Fleischtheke? Dort fragt die Dame wie immer floskelhaft: „Darf? a bisserle mehr sei?“ oder: „Darf? sonst noch was sei?“ Ja. Ein freundliches Lächeln.