Rund 2500 Artikel aus mehr als 25 Ländern dieser Erde. Und das auf einer Fläche von zirka 1200 Quadratmetern. So eine Vielfalt ist selten. Im Fair Handel der Abtei Münsterschwarzach lässt sie sich finden. Und das seit mittlerweile 20 Jahren.

Tansania im Jahr 1980: Das Land im Osten Afrikas ist arm, die Menschen hungern, es gibt kaum Arbeit. Benediktinermönche leben seit Anfang des Jahrhunderts auf dem Kontinent. Sie betreiben Schulen, Krankenhäuser, sie halten Kontakt mit den Einheimischen. Pater Ildefons Weigand sticht schon bald die Kunstfertigkeit der Männer vom Stamm der Makonde ins Auge. Einmal pro Woche kommen sie zum Einkaufstag in die Pfarrei in Hanga, setzen sich auf den Boden und schnitzen aus Ebenholz filigrane Werke – Menschen, Tiere, Traumfiguren.

„Manchmal muss man auch auf seinen guten Glauben vertrauen.“
Klaus Brönner Betriebsleiter

Pater Ildefons startet einen Handel mit den Makonde. Er kauft ihre Kunstwerke und gibt ihnen dafür Material für den Bau von Hütten. Eine Künstlerkolonie gründet sich, bald füllen ihre Elefanten, Geisterfiguren und „Lebensbäume“ ganze Containerladungen, die per Schiffsfracht nach Münsterschwarzach gebracht werden. „Wir haben diese Kunstwerke am Anfang an unsere Wohltäter verschenkt oder an befreundete Pfarreien weitergegeben“, erinnert sich Pater Meinrad Dufner. Als die Nachfrage stieg, musste der Handel in andere, professionelle Bahnen gelenkt werden. Die Fair Handel GmbH wurde gegründet. Am 15. und 16. Mai feiern die Münsterschwarzacher deren 20. Geburtstag.

Pater Fidelis kann sich noch gut an die Anfangszeiten erinnern. Die Container mit Hilfsmitteln aus Franken – Milchpulver, Nähmaschinen, Kleidung, Pflüge, sogar ganze Traktoren – traten bis Mitte der 80er Jahre leer den Rückweg an. Bis der damalige Missionsprokurator Bruder Joachim Witt entschied, die Container doch lieber mit den Schnitzereien zu füllen, von denen ihm Pater Ildefons vorgeschwärmt hatte. Aus einem Hilfsprojekt war eine Handelsbeziehung geworden. Von ihr profitieren aktuell rund 90 Handelspartner – nicht nur in Tansania.

Kleidung, Kaffee, Tee, Kunsthandwerk, Krippen: Die Liste der Artikel im ehemaligen Hühnerstall, der längst zum Verkaufs- und Lagerraum umgebaut wurde, ließe sich leicht fortsetzen. Längst beziehen die Münsterschwarzacher ihre fair gehandelten Artikel nicht mehr nur aus Ostafrika. Pater Fidelis war seit den 90er Jahren sieben Mal in Peru. Er hat die Indios im Urwald besucht und hat auf einem sattellosen Pferd die Pässe der Anden überquert. „Obwohl ich gar nicht reiten kann.“ Die Strapazen hat er gerne auf sich genommen. Der damalige Abt wollte die Welt und die Menschen kennenlernen, die sich hinter der indigenen Kunst verbergen. „Diese Reisen haben mich tief geprägt“, sagt er. „Sie waren eine Lebenserfahrung.“

Pater Fidelis – und viele andere seiner Brüder – haben sich vor Ort über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Künstler, Bauern und Handwerker informiert. Und damit einen von fünf elementaren Grundsätzen ihrer eigenen Fair Handel-Ideologie erfüllt: wirklich faire Preise an die Erzeuger vor Ort auszahlen. „Das ist gar nicht so leicht, wie es sich anhört“, gibt Betriebsleiter Klaus Brönner zu bedenken. „Entweder man braucht sehr gute Informanten vor Ort oder man muss selber in diese Länder reisen.“ Das gilt letztendlich auch für vier weitere Grundsätze des fairen Handels: keine ausbeuterische Kinderarbeit, möglichst wenig Zwischenhandel, eine ökologisch verträgliche Produktion und die bestmögliche Förderung sozialer Standards in den jeweiligen Ländern. „Wir versuchen es beispielsweise bei den Kaffeebauern, dass die Arbeiter vor Ort in eine Krankenversicherung kommen“, erklärt Brönner.

Auch wenn die Münsterschwarzacher seit mittlerweile fast 30 Jahren sehr zuverlässige Lieferanten haben, besuchen sie Jahr für Jahr zumindest ihre größeren Handelspartner, um sich davon zu überzeugen, dass die Kriterien erfüllt werden. „Aber man kann natürlich nicht überall sein“, gesteht Brönner. „Manchmal muss man auch auf seinen guten Glauben vertrauen“.

An den Erfolg der Fair Handel GmbH haben Brönner und die Mönche immer geglaubt. An die soziale Komponente sowieso: Nicht die Gewinnmaximierung steht im Mittelpunkt der Geschäftsbeziehungen, sondern die Verbesserung der Lebensumstände in Ländern wie Tansania, Burkina Faso oder Peru. Bereits bei der Auftragsvergabe erhält der Produzent vor Ort mindestens 50 Prozent Anzahlung, vom Endkundenpreis landen durchschnittlich ein Fünftel beim Produzenten. „Ein guter Schnitt“, versichert Brönner. „Bei manchen Textilien in herkömmlichen Läden kommt oft nur ein Prozent an.“

Etwa 30 Prozent des Umsatzes im Münsterschwarzacher Fair Handel Laden wird mit Genuss- und Lebensmitteln bestritten, etwa 70 Prozent mit dem Kunsthandwerk. Gerade die Weihnachtskrippen sind bei Sammlern äußerst beliebt. „Viele decken sich bei uns auch mit Geschenken ein“, berichtet Brönner. 80 000 Euro Miete pro Jahr entrichtet die Fair Handel GmbH an das Kloster. Das Geld landet auf einem eigenen Konto und wird in Bildungsmaßnahmen oder andere Projekte in den Partnerländern investiert. „Ein toller Kreislauf“, schwärmt Brönner. Ein Kreislauf, der auch in den nächsten 20 Jahren am Leben erhalten werden soll.

Feierlichkeiten: Am Freitag, 15., und Samstag, 16. Mai feiert die Fair Handel GmbH ihren 20. Geburtstag, jeweils von 9 bis 18 Uhr. Lieferanten sind vor Ort, es gibt eine Tombola und Angebote.

Am Freitag, 15. Mai, spricht Pater Anselm um 11 Uhr über sein Buch „Gier“.

Am Samstag, 16. Mai, findet um 18 Uhr ein „Eine-Welt-Gebet“ mit Pater Meinrad Dufner statt.

Fair Handel

Gründung: 1995 mit einem Stammkapital von 50000 Euro, Geschäftszweck: Import und Vertrieb von Waren aus den armen Ländern in Afrika, Lateinamerika und Asien.

Haupthandelspartner: Inti Raymi in Peru; verschiedene Akteure in Tansania; Würzburger Partnerkaffeeverein; Gruppen aus Burkina Faso und Togo. Insgesamt rund 80 Lieferantengruppen aus rund 25 Ländern.

Finanzen: Das Geschäftsergebnis bewegt sich seit rund fünf Jahren um die eine Million Euro. Die Miete von 80000 Euro pro Jahr wird in Projekte in den jeweiligen Ländern investiert.

Sortiment: rund 2500 verschiedene Artikel, Kernbereiche: Krippen, religiöse Artikel, Genuss- und Lebensmittel aus Peru, Ebenholzschnitzereien, Kunsthandwerk aus Afrika und Peru.