Es ist Freitag kurz vor 16 Uhr, die Bergmannskapelle Knauf stimmt die Wartenden auf dem Kitzinger Marktplatz auf ein Großereignis ein. Rund 450 Menschen sind da, sitzen an den wenigen Tischen, auf langen Bankreihen oder in den Straßencafés. Auf den Tischen weiße Papiertischdecken, darauf Bonbons, weißblau eingewickelt, Aufkleber mit der Aufschrift „Bayern das Land“, weißblaue Bierdeckel – nur der Himmel ist grau.

Pünktlich eröffnet Moderatorin Doris Paul das Kreisbürgerfest mit einer kurzen Talkrunde auf der Bühne vor dem Rathaus. Bundestagskandidatin Anja Weisgerber, Landtagskandidat Otto Hünnerkopf, Staatssekretär Gerhard Eck, Bezirkstags-Kandidatin Christine Bender und der Kitzinger OB-Kandidat Stefan Güntner bleibt wenig Zeit, sich vorzustellen.

Dann kommt Bewegung in die Menge. „Er ist da“, raunt es. „Er“ das ist Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Überpünktlich trifft er ein und wird zunächst von einem Team des BR interviewt. Das nächste Hindernis auf dem Weg zum Marktplatz dann eine Gruppe mit Plakaten in den Händen. Es ist eine Bürgerinitiative von der Mainschleife. Gekommen sind sie, um Seehofer zu danken, für seinen Einsatz, dass Windkraftanlagen in Zukunft mindestens einen Kilometer von Ortschaften aufgestellt werden sollen. Seehofer fordert sie auf, weiter zu kämpfen. Schon ist abzusehen: der Tag wird für Seehofer ein lockeres Heimspiel.

Eine Abordnung des Betriebsrates der Firma Fehrer steht mit einem Transparent am Rand, ein Mitglied der Piratenpartei läuft eingehüllt in seine Parteifahne über den Platz. Die Bergmannskapelle intoniert, zur Freude Seehofers, den bayerischen Defiliermarsch in Endloslosversion.

Hofrat Walther Vierether, umringt von zwölf Weinhoheiten, begrüßt den Gast. Eigentlich sollte die Zeremonie aus Sicherheitsgründen vor der Bühne stattfinden. Seehofer bittet alle auf die Bühne, „schließlich könnten die Damen sich ja sehen lassen“, scherzt er. Den Schluck aus der Kantel kennt er inzwischen.

Dann ist die Politik an der Reihe. Hünnerkopf lobt das Land und seine Menschen, die gerne hier leben. Er freut sich über die niedrige Arbeitslosigkeit. „Uns geht es gut hier“, sagt er, kritisiert aber auch, dass laut einer Studie 11 000 Menschen hier von Niedriglöhnen leben müssen. „Das müssen wir prüfen und ändern“.

Mit der Konversion gehe es gut voran, so Hünnerkopf, fordert mehr Unterstützung durch die Staatsregierung. Weitere Themen sind die Umgehung von Gaibach und der Ausbau der A3 bei Geiselwind. Da das Geld fehle, könnte Seehofers Forderung, eine Maut von Ausländern zu fordern, Abhilfe schaffen, so Hünnerkopf unter Beifall. Seehofer greift den Ball auf: Den deutschen Autofahrer könne man die Maut auf die Kfz-Steuer anrechnen, so sein Vorschlag.

Der Ministerpräsident spricht sich klar für erneuerbare Energien aus, aber gegen eine Zerstörung der Landschaft. Er fordert eine Änderung des Länderfinanzausgleichs und erhält Beifall, als er sagt „Berlin ist arm und sexy, Bayern ist reich, aber nicht blöd“. Beifall gibt es auch für die Forderung, dass das Volk über europäische Themen, wie den Beitritt der Türkei zur EU abstimmen soll.

Klar auch Horst Seehofes Position beim Mindestlohn. Menschen müssten von ihrer Arbeit leben können, ihn auszuhandeln sei Sache der Tarifpartner. Mit seiner Forderung einer Mütterente rennt er genauso offene Türen ein, wie dem Versprechen Schulen im ländlichen raum erhalten zu wollen und die Ganztagesbetreuung auszubauen. Ein lockeres Heimspiel eben!