Wer aus welcher Schule kommt, ist egal. An diesem Tag zählen nur die Farben. Rot, blau, gelb und grün: Bunt leuchten die T-Shirts der Teams, die beim zweiten Inklusionssportfest im Sickergrund gegeneinander antreten – zusammengewürfelt aus Schülern der Erich-Kästner-Schule, der Volksschule Kitzingen-Siedlung (Mittelschule), des Armin-Knab-Gymnasiums und der St. Martin-Schule. Das Motto des Tages steht in großen schwarzen Lettern auf den Shirts: „Gemeinsam in einem Team.“

Die Premiere im vergangenen Jahr hatte alle Teilnehmer begeistert und so war schnell klar: Auch in diesem Sommer würde es wieder ein Inklusionssportfest geben. 130 Kinder und Jugendliche trafen sich am Mittwochmorgen im Sickergrund. Aufgeteilt wurden sie nicht nach Schulen, vielmehr wurden die Mannschaften bunt gemischt. Schüler zweier Regelschulen kämpften Seite an Seite mit den Schülern zweier Förderschulen. Als sich die Teams zu Beginn der Veranstaltung zum großen Gruppenbild aufstellten, begannen die Grenzen aufzuweichen.

„In einem Team erkennen die Schüler eher die Gemeinsamkeiten als die Unterschiede.“
Jürgen Baier Konrektor der St. Martin-Schule

„Das Thema Inklusion ist ein wichtiges gesellschaftliches Thema“, sagt Jürgen Baier, Konrektor der St. Martin-Schule. Seit die UN-Behindertenrechtskonvention 2009 in Deutschland in Kraft getreten ist, hat sich in der Schullandschaft einiges verändert. Der St. Martin-Schule als Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung sei es wichtig, dass dieses Thema nicht nur von Experten diskutiert wird, sondern auch von den Schülern verstanden wird. „Inklusion bedeutet für sie Selbstbestimmung und Teilhabe“, so Baier. Menschen mit Behinderung sollen über sich selbst bestimmen und sie sollen in der Gesellschaft mitmachen.

Genau zu dieser Teilhabe soll das inklusive Sportfest einen Beitrag leisten. „Durch dieses gemeinsame Sportfest wächst unter den Kitzinger Schülern was zusammen“, weiß Jürgen Baier. „Die teilnehmenden Schüler bauen Vorurteile ab und erkennen gemeinsam in einem Team eher die Gemeinsamkeiten als die Unterschiede.“

Dieser Zusammenhalt entstand schon beim Fußballturnier mit insgesamt sechs Spielen. Jede Schule benannte je zwei Spieler für jede Mannschaft. Das Konzept ging auf: Saßen nach den ersten Spielen die Spieler noch nach Schulen geordnet zusammen, so wuchsen die Mannschaften immer mehr zusammen und wurden am Ende zum Team.

Während beim Fußball der sportliche Wettbewerb im Vordergrund stand, ging es anschließend insbesondere um Geschicklichkeit, Teamplay und Spaß. Schnipsi, Transport und Wasserstaffel hießen die Spiele, die von den gemischten Mannschaften absolviert werden mussten. Die stellvertretende Landrätin Doris Paul hatte beim bunten Treiben so viel Freude, dass sie sich spontan für die rote Mannschaft einwechseln ließ, um nach kurzen Sprinteinlagen einen kleinen Ball vom Hals einer Flasche zu schnipsen. Zusammenarbeit war beim Transport leerer Flaschen vonnöten, denn die Flaschen waren nur mit einem Klettband mit der Tragevorrichtung verbunden. Zog einer im Team zu stark, lag die Flasche schnell am Boden. Und dass beim Wassertransport der eine oder andere ganz „zufällig“ nass gespritzt wurde, gehörte natürlich dazu.

Eine bunte Fahne, auf der die Teilnehmer des Sportfestes unterschrieben haben, wird künftig die Aulen der vier Schulen zieren. Und mit ihren 130 beschrifteten T-Shirts zeigen die Schüler das ganze Jahr über, dass Inklusion für sie etwas ganz Normales ist. Auch über das Sportfest hinaus sind alle „gemeinsam in einem Team.“