Die meisten Menschen werden mit der Zeit betriebsblind. Das ist so und das heißt: Sie sehen zwar nach wie vor – mit oder ohne Sehhilfe mehr oder weniger gut. Aber Dinge, die sie jeden oder fast jeden Tag sehen, nehmen sie nicht mehr wahr.

So dürfte es an den meisten Kitzingern vorbeigegangen sein, dass die Geschichte der Stadt längst geschrieben ist. Dabei hätten sie es wissen und sehen können, quasi im Vorbeigehen und das an fast historischer Stelle.

Im Rathaus gibt es eine Treppe. Das kommt schon mal vor. Die Treppe hat Absätze. Auf einem der Absätze gibt es die wichtigsten Daten zur Kitzinger Geschichte auf einer geteilten Wandtafel. Rechts sind Firmen zu finden, vermutlich, weil die Unternehmen die links danebenstehenden Daten ein bisschen sponsern.

Damit sind wir aber beim Thema: Der Kitzinger Geschichte. Und da gibt es dann doch die eher traurige Nachricht, dass die längst geschrieben ist. Ein Blick auf die Tafel zeigt: Es geht nichts mehr. Schon aus rein optischen Gründen passt da nichts mehr hin. Kein Platz mehr für Geschichte.

Nehmen wir zur Kenntnis: Mit dem Abzug der Amerikaner 2006, der Städtepartnerschaft mit Trzebnica/Polen und der kleinen Gartenschau hat die Kitzinger Geschichte ein Ende. Seit 2011 ist es gelaufen, auch wenn man durchaus das Gefühl haben kann, dass sich in den letzten vier Jahren doch einiges getan hat. Zählt aber nicht, kein Platz. Zumindest kann man sich trösten, dass die Kitzinger Geschichte mit der Gartenschau einen durchaus brauchbaren Abschluss gehabt hat. Hätte anders kommen können.

Dienstags-Dischli, das sind mehr oder weniger tiefschürfende Gedanken der Expertenrunde an den Steh-Tischen (fränkisch: Dischli) in der Kitzinger Fußgängerzone. Zu lesen – selbstredend – immer dienstags in dieser Zeitung.