Die Welt ist schlecht. Zumindest ist sie nicht ganz geheuer. Die Menschen neigen dazu, keinem mehr über den Weg zu trauen. Kein Wunder, bei so vielen Nachrichten über Internetbetrug im weltweiten Netz, Einbrüche und Diebstähle direkt vor der Haustür. Wir leben in Zeiten, in denen man schon mal den Glauben an das Gute im Menschen verlieren kann.

Und dann das: Ziemlich aufgelöst kommt eine Kitzingerin dieser Tage in die Redaktion. Sie muss was loswerden, sagt sie. Gerade eben ist es passiert. Sie war in der Castell-Bank. Parkplatz vor der Tür. Als sie wegfahren will, hindert sie ein Auto am Ausparken. Sie steigt aus. Was sie in dem Moment nicht bemerkt: Der Geldbeutel verabschiedet sich aus dem Auto, landet auf dem Boden.

Keine Chance, Danke zu sagen

Wenig später kommt sie aus der Parklücke und fährt los. An der Kreuzung am Falterturm ist Rot. Sie hält an. Da klopft es an die Scheibe. Als sie die runterfährt, hält ihr ein Mann ihren Geldbeutel unter die Nase. „Den haben sie gerade verloren“, sagt er und ist weg. Die Ampel schaltet auf Grün. Keine Chance, Danke zu sagen.

Die Frau ist verblüfft. Sie ist dankbar, dass sie ihren Geldbeutel wieder hat – mit ein bisschen Geld aber ganz vielen Ausweisen drin.

Sie hätte sich so gerne bedankt. „Schreiben Sie was drüber“, sagt sie und hofft, dass es gelesen wird. Vor allem von dem Mann, der ihr den Glauben an die Menschheit ein Stück zurückgegeben hat.

Die Dienstags-Dischli, das sind mehr oder weniger tiefschürfende Gedanken der Expertenrunde an den Steh-Tischen (fränkisch: Dischli) in der Kitzinger Fußgängerzone. Zu lesen – selbstredend – immer dienstags in dieser Zeitung.