Wenn eine Veranstaltungsreihe zehn Jahre alt wird, dann hat sie sich etabliert. Die Seniorenwochen im Landkreis Kitzingen finden in diesem Jahr zum zehnten Mal statt. Herbert Köhl, Seniorenbeauftragter des Landratsamtes Kitzingen, freut sich auf mehr als 100 Veranstaltungen. Und insgesamt bis zu 3000 Besucher.

FRAGE: Würden Sie der Aussage zustimmen: Die Seniorenwochen haben sich zu einem Erfolgsmodell entwickelt?

Herbert Köhl: Nach so einer langen Zeit kann man tatsächlich davon ausgehen, dass sich das Angebot etabliert hat. Wir erleben es auch immer wieder, dass Bürger hier im Amt nachfragen, wann die Seniorenwochen wieder starten. Die Nachfrage ist ganz sicher da.

FRAGE: Wie viele Menschen erreichen Sie Jahr für Jahr?

Schwer zu sagen, wir wollten das im letzten Jahr mal abfragen, aber es kamen nicht alle Meldebögen zurück. In diesem Jahr bieten wir wieder etwas mehr als 100 Veranstaltungen an. Von der Seniorengymnastik bis hin zu größeren Diskussionsverstaltungen. Wie viele Menschen insgesamt kommen...

FRAGE: Eine grobe Schätzung?

Naja, eine Hochrechnung kann ich mal versuchen. 20 Teilnehmer dürften im Schnitt zu den kleineren Veranstaltungen kommen, zu den größeren teilweise mehr als 100. Bis zu 3000 Menschen dürften schon die Angebote der Seniorenwochen wahrnehmen.

FRAGE: Welche Altersgruppe fühlt sich besonders angesprochen?

Es gibt einige Angebote, da kommen schon Leute ab 50, aber in der Regel sind es Menschen, die älter als 60 Jahre sind.

FRAGE: Wie viele Senioren haben wir denn im Landkreis Kitzingen?

Es leben derzeit rund 17 500 Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren bei uns. Laut aktueller Prognosen wird sich die Anzahl bis zum Jahr 2033 auf rund 25 000 erhöhen.

FRAGE: Welche Angebote der Seniorenwochen kommen bei dieser Zielgruppe besonders gut an?

Reisen, Gemeinschaftsveranstaltungen, Infoveranstaltungen. Es hat sich auch bewährt, dass wir jedes Jahr ein Schwerpunktthema wählen.

FRAGE: In diesem Jahr lautet es „Wohnen und Leben im Alter.“ Wer legt diese Jahresthemen fest?

Wir hören uns im Team immer wieder nach aktuellen Themen um. Manchmal kommen auch Vorschläge von außen. „Wohnen im Alter“ ist gerade wieder ein aktuelles Thema. Da muss man nur die Zeitung lesen.

FRAGE: Welche anderen Themen sind bei den Senioren derzeit gefragt?

Der Dialog der Generationen ist sicherlich ein Dauerbrenner. Die Großfamilie funktioniert nicht mehr, als stellt sich die Frage, wie man Generationen zusammenbringen kann, wie man Verständnis für einander weckt.

FRAGE: Haben Sie schon ein Thema für das nächstes Jahr?

Ich denke, dass wir die Pflege in den Mittelpunkt stellen. Da verändert sich gerade einiges. Wir werden auch dann Informationen weitergeben und Diskussionen zum Thema anbieten. Es kann aber auch sein, dass uns ein anderes, aktuelleres Thema dazwischenkommt.

FRAGE: Wer koordiniert und organisiert die Seniorenwochen?

Meine Kollegin Manuela Link und ich haben freie Hand, was die Programmgestaltung und Organisation angeht. Natürlich sprechen wir uns mit der Sachgebiets- und Abteilungsleitung ab. Aber grundsätzlich können wir uns austoben. Das macht natürlich Spaß.

FRAGE: Haben es die Senioren im Landkreis Kitzingen nach ihrer Einschätzung grundsätzlich gut? Oder gibt es irgendwelche Engpässe?

Verbessern kann man immer etwas. Generell können wir aber ganz zufrieden sein. Ich sehe jedenfalls keine extremen Mängel. Die Pflegesituation im Landkreis werden wir voraussichtlich bei den nächsten Seniorenwochen näher beleuchten. Die Wohnungsqualität für Senioren betrifft uns hier natürlich auch. Im Jahr 2013 waren etwa fünf Prozent der Wohnungen im Landkreis barrierefrei ausgebaut. Das ist viel zu wenig. Wir müssten bei etwa 20 Prozent liegen, um den tatsächlichen Bedarf zu decken. Die Menschen werden ja immer älter und wollen so lange wie möglich daheim leben.

FRAGE: Warum gibt es so wenige barrierefreie Wohnungen?

Schwer zu sagen. Altbauten sind natürlich teils nur mit größerem Aufwand barrierefrei umzubauen. Wir informieren über unsere Beratungstage, es gibt Zuschüsse, die Wohnraumförderung ist bei uns am Amt angesiedelt. Viele wissen das zum Beispiel gar nicht. Sicherlich gibt es so etwas wie eine Scheu vor dem Thema, viele warten zu lange. Und dann können schon ganz kleine Schwellen in der Wohnung zum Problem werden.

FRAGE: Je eher informieren, desto besser?

Auf jeden Fall. Die eigene Wohnung sollte rechtzeitig nach Stolperfallen untersucht werden. Falls ein Bad renoviert wird, sollte es gleich seniorengerecht umgebaut werden.

FRAGE: Wie hoch sind die Zuschüsse?

Das hängt von den jeweiligen Faktoren ab. Der Landkreis hat jedenfalls einen Zuschuss-Topf. Unter gewissen Voraussetzungen kann man bis zu 10 000 Euro beantragen, dann gibt es von der Pflegekasse noch bis zu 4000 Euro, je nach Pflegestufe. Und über die KfW-Bank gibt es weitere Zuschüsse und Kredite. Es rentiert sich allemal, sich genau zu informieren.

FRAGE: Bekommt man Zuschüsse auch, wenn noch gar kein Bedarf da ist?

Leider nicht. Im Regelfall sollte eine Pflegestufe oder Behinderung nachzuweisen sein. Wer langfristig vorsorgen will, muss das über Kredite tun. Lediglich das KfW-Programm Altersgerechtes umbauen bietet eine Zuschussmöglichkeit für jeden, allerdings bei hoher Eigenbeteiligung.

FRAGE: Was sind für Sie die Höhepunkte der Seniorenwochen?

Jeder hat so seine eigenen Bereiche, die ihn ansprechen. Ich finde die Überraschungs-Fahrradtour spannend aber auch die Vorträge über Sicherheit im Internet oder über Alter und Psychische Erkrankungen. Wir bietet in Zusammenarbeit mit dem Haus St. Elisabeth ein Rollator-Training an und mit dem VdK einen Vortrag zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Barrierefreiheit. Dazu kommen natürlich viele gesellige Angebote und zum ersten Mal ein Gewinnspiel. Zusammen mit einem Fitnessstudio gibt es außerdem ein Seniorengerechtes Gesundheitstraining 60+. Sie sehen: Die Seniorenwochen haben einiges zu bieten.

Termin: Die Seniorenwochen finden von Freitag, 11. September, bis Montag, 12. Oktober, statt. Das Programmheft ist unter anderem im Landratsamt erhältlich.

Eröffnung: Am 11. September, um 15 Uhr im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes. Dr. Stefan Pohlmann, Professor für Gerontologie der Hochschule München, hält einen Vortrag zum Thema „Altern mit Zukunft – Altern gestalten – Individuelle und gesellschaftliche Herausforderungen“