Fast ein Jahr lang musste der ehemalige Vorsitzende des Kitzinger Schäferhundevereins, zwischen Strafanzeige und Gerichtsverhandlung, mit dem Vorwurf leben, dass er sich 2012 beim Spanferkelessen auf dem Vereinsgelände „saumäßig“ bereichert habe.

Bei geschätzten Einnahmen von 500 Euro seien nur 23,56 Euro verbucht worden und in der Kasse angekommen, so der Vorwurf. Den Rest von mindestens 400 Euro habe er an sich genommen.

„Man konnte genau genommen nachfassen,

solange noch was rein ging.“

Verteidigerin

Mit deutlichen Worten über die Buchführung des Vereins und Vorwürfe aufgrund nicht belegter Schätzungen hat Richter Marc Betz den Mann (45) vom Vorwurf der Untreue freigesprochen. Auffällig sei, so der Richter, dass nach dem vorzeitigen Ausscheiden des Vorsitzenden im Herbst 2012 in dem Verein unter neuer Führung erneut Fehlbestände in der Kasse aufgetreten sind. Die Buchführung des Vereins, vorwiegend eine Zettelwirtschaft, die vielen zugänglich war, lasse deutlich zu wünschen übrig. Ein Nachweis, dass der ehemalige Vorsitzende sich bereichert hat, habe nicht geführt werden können.

Dass beim Spanferkel-Essen Ende Mai 2012 mindestens 500 Euro „übrig geblieben“ sein müssen, ist eine Schätzung von Hunde-Freunden aufgrund der Einnahmen im Vorjahr. „Die Sau 2012 sei noch größer gewesen als die im Jahr vorher“, so der Vorwurf. Den konnte Rechtsanwältin Susanne Kilian für ihren Mandanten schon mal mit Einkaufsbelegen entkräften.

Das Spanferkel von 2012 wog exakt 500 Gramm weniger als das im Vorjahr, nämlich nur 45,5 Kilogramm. Und dann ging sie ins Detail der rustikalen Spezialität: Die Anzahl der 2012 tatsächlich verkauften Portionen sei nicht bekannt, da die Bons verschwunden sind. Ganz wichtig dabei: es komme darauf an, wer das Spanferkel wann und wie portionierte. Niemand wisse, ob die Fleisch-Scheiben 2012 dünner oder vielleicht sogar dicker waren als beim Spanferkel-Essen ein Jahr vorher. Und das habe entsprechende Folgen für die Anzahl der Portionen.

Die Anwältin mutmaßte, dass 2012 eine Flatrate ausschlaggebend war. „Man konnte genau genommen nachfassen, solange noch was rein ging“, erklärte die Anwältin. Vielleicht habe mancher Gast sich auch nur für seinen unterm Tisch bettelnden Vierbeiner noch einmal in die Schlange Richtung Spanferkel-Ausgabe eingereiht.

Ihrem Mandanten, so die Anwältin, sei in dem Zusammenhang nur noch in Erinnerung, dass ihm, als vom Spanferkel nichts mehr da war, ein Plastikbeutel mit Geld übergeben und ein Betrag genannt wurde, den er nicht überprüft hat und an den er sich nicht mehr erinnern kann. Jedenfalls habe er den Plastikbeutel im Vereinsheim ungeprüft in den Tresor gelegt.

Es war ein Fall, der Georg Lohmeier vor Jahrzehnten für eine neue Ausgabe des Königlich Bayerischen Amtsgerichts angeregt hätte. Es ging nämlich nach dem Rücktritt des Vorsitzenden um das angeblich insgesamt um die 2000 Euro große Loch in der Vereinskasse, nicht nur ums Spanferkel. Auch ein Minus bei den Steckerlfischen, zwei Monate nach der gegrillten Jung-Sau, wollte man dem ehemaligen Vereins-Boss anhängen, wieder mit Vergleichszahlen aus dem Vorjahr und ohne Rücksicht darauf, dass gar nicht alle eingekauften Fische verkauft wurden. Das sei in der sogenannten Buchhaltung des Vereins so nicht erfasst worden. Die Einnahmen wurden aus den eingekauften Fischen berechnet und es gab weitere Positionen im Hunde-Verein mit ähnlich geschätzten Beträgen.

Zunächst hatte der ehemalige Vereinsvorsitzende einen Strafbefehl bekommen aufgrund der Angaben seiner ehemaligen Vereinsfreunde: er sollte eine Geldstrafe von 1500 Euro bezahlen und die Kosten des Verfahrens. Er hat den Schwanz allerdings nicht eingezogen, sondern die Zähne gezeigt und seine Verteidigerin „kräftig bellen lassen“. Am Rande des Prozesses wurde bekannt, dass auch seine Nachfolgerin an der Spitze des Vereins sich schon bald von dem Ehrenamt verabschiedet hat. Ihre Begründung: bei so viel Misstrauen und fehlender Zusammenarbeit der Vorstandsmitglieder sei es ihr nicht mehr möglich, das Amt auszuüben.

Das Urteil ist rechtskräftig.