Sagen wir mal so. Schön ist das alles mit dem Fasten und so. Tatsächlich scheint es immer noch Leute zu geben, die da mitmachen. Verzicht üben auf alles Mögliche. Zumindest verkünden sie es zu Beginn der Fastenzeit. Was später draus wird, ist wurscht, weil nicht kontrollierbar.

Aber egal, man kann in der Zeit nach Aschermittwoch auf vieles verzichten. Mit dem Ziel abzunehmen zum Beispiel oder die Welt – auch wenn's schwerfällt – wieder mal nüchtern zu sehen.

Im Trend liegen seit ein paar Jahren alle möglichen Arten der Entschleunigung – eine ganz große Sache. Alles mal langsamer angehen, langsam essen, trinken sowieso, weniger hetzen, weniger Handy, Rad statt Auto, oder sogar Gehen statt Radfahren. Womit wir endlich beim Thema sind.

Der moderne Mensch denkt bei Radfahren ja zuerst an sportlich, dynamisches Dahingleiten, seit einiger Zeit gerne auch mit elektrischem Hilfsmotor oder an die Tour de France und spannende Rennen. Aber es geht anders, ganz anders.

Und wer hat's erfunden. Die Kitzinger vermutlich. Der Beweis findet sich in den Tiefen des Archivs. Um genau zu sein, im Jahr 1907. Da war der erste Kitzinger Radfahrerverein 15 Jahre alt, richtete gerade das Unterfränkischen Radlersportfest aus. Was mit Entschleunigung zunächst nichts zu tun hatte. Es gab Rennen, Rennen, Rennen.

Aber wenig später kommt sie dann, die Entschleunigung. Ihr Name ist Hans Saum. Das Mitglied des Radfahrervereins tritt beim Sportfest in Karlstadt an und – jetzt kommt's – im Langsamfahren. Saum wurde dritter unter 25 Teilnehmern. Seine Leistung: Saum gelingt es, die Strecke von 40 Metern in zwei Minuten und 30 Sekunden zurückzulegen. – Klasse Entschleunigung. Ganz anders. Nachmachen.

Die Dienstags-Dischli, das sind mehr oder weniger tiefschürfende Gedanken der Expertenrunde an den Steh-Tischen (fränkisch: Dischli) in der Kitzinger Fußgängerzone. Zu lesen – selbstredend – immer dienstags in dieser Zeitung.