Bestellen, abholen, zu Hause genießen: Das geht nicht nur mit Speisen, sondern auch mit Büchern. Weil sie wegen des Teil-Lockdowns schließen mussten, bieten viele Büchereien im Landkreis Kitzingen ihre Bücher „to go“ an. Je nach Einrichtung müssen sie abgeholt werden oder werden nach Hause geliefert. Auch die Online-Ausleihe von E-Books und E-Medien ist weiterhin möglich.

Die Büchereien schließen – Diese Nachricht hat in den letzten Novembertagen für einen Ansturm auf die Bibliotheken gesorgt. „Anden letzten vier Öffnungstagen war sehr viel los”, berichtet Sheena Ulsamer, Leiterin der Stadtbücherei Kitzingen. „An einem Tag haben wir sogar das Fünffache der Ausleihe von normalen Tagen registriert.“ Es sei eine gewisse „Panik“ bei den Kunden zu spüren gewesen, jeder wollte sich noch schnell mit Lesestoff versorgen. Für Sheena Ulsamer ist das nachvollziehbar. Die Weihnachtszeit sei Familienzeit, da würden sich die Leute jedes Jahr mit ausreichend Medien eindecken. Wegen der Schließung der Büchereien wurde das in diesem Jahr eben früher gemacht.

In der Tüte durchs Fenster

Wobei die Schließung oft gar nicht bedeutet, dass die Kunden keine Bücher, Zeitschriften, Filme und andere Medien mehr ausleihen können. Geschlossen sind die Büchereien für den Publikumsverkehr, mindestens bis zum 20. Dezember, womöglich aber auch länger, zumal der Teil-Lockdown bis zum 10. Januar verlängert wurde. Die Leser können sich also derzeit nichts selbst in den gut gefüllten Regalen der örtlichen Einrichtungen aussuchen. Ausleihen geht vielerorts trotzdem, denn wie im Frühjahr bietet beispielsweise die Stadtbücherei Kitzingen auch jetzt wieder einen Abholservice an. „Wir reichen die Medien in Tüten verpackt durch ein Fenster“, erklärt die Kitzinger Büchereileiterin. Die Medien müssen vorher per Email oder telefonisch bestellt und ein Abholtermin vereinbart werden.

Auch in Volkach gibt es wieder eine „Bibliothek2go“. Bereits im Frühjahr sei dieses Angebot sehr gut angenommen worden, berichtet die Leiterin der Stadtbibliothek, Claudia Binzenhöfer. Jeder, der ein Leserkonto hat, kann Bücher bestellen. Claudia Binzenhöfer ist froh, dass sie die lese-affinen Menschen der Region so auch im Teil-Lockdown versorgen kann. Allerdings ist es wichtig, dass die Kunden sich an die Vorschriften halten. Der vereinbarte Abholtermin muss pünktlich eingehalten werden, denn nur so ist eine kontaktlose Übergabe möglich. „Unser Vorraum ist mit einer Glastür abgetrennt. Dorthin stellen wir Körbchen mit der Lesernummer und den bestellten Medien.“ Die neuen Bücher werden entnommen, die alten für die Rückgabe hineingelegt.

Wie wichtig den Menschen das Lesen ist, hat auch die Volkacher Büchereileiterin in den Tagen vor der Schließung feststellen können. „An den letzten beiden Tagen war die Hölle los. Da standen die Leute in Schlangen vor der Tür.“ Viele seien erschüttert von der Aussicht gewesen, dass die Bibliothek im Dezember geschlossen sei. Für Binzenhöfer ein Zeichen, dass die Menschen noch Wert auf gute Bücher legen und dass sie sich ihrer Bücherei vor Ort verbunden fühlen.

Einen weiteren Service für die Leser bietet die Stadtbibliothek und Mediathek Dettelbach. Neben der Möglichkeit, die telefonisch, per Email oder über den Onlinekatalog vorbestellten Bücher, Zeitschriften und anderen Medien zu einem vereinbarten Termin abzuholen, gibt es für die Leser aus der Stadt und den Ortsteilen auch einen Lieferdienst. „Die Bürger können Bücher bestellen und am nächsten Tag fährt der Fahrer sie aus und holt ab, was zurückgegeben werden soll“, berichtet Martina Schmitt vom Büchereiteam. Das sei sicherlich ein Mehraufwand, aber man wolle den Leuten etwas bieten. Besonders wichtig findet Martina Schmitt, dass die Kinde ausreichend mit Büchern und Spielen versorgt werden können.

„Wir freuen uns sehr, nun wenigstens den Abhol- und Lieferservice anbieten zu können“, sagt die Dettelbacher Büchereileiterin Lea Bühler. Die letzten Tage vor der Schließung hätten gezeigt, dass die Stadtbibliothek ein fester Bestandteil im Leben vieler ist. „Viele Leser waren traurig und entsetzt, dass wir schließen müssen.“ Alleine in den letzten drei Tagen vor Schließung wurden in Dettelbach 1.467 Medien entliehen. „Das sind fast zwei Drittel von dem was wir normalerweise in einem Monat entleihen“, so Bühler

Online-Katalog zeigt Bestand

Einen Lieferdienst bietet auch die Carl-Stumpf-Bibliothek Wiesentheid, die im Gegensatz zu den anderen Büchereien nicht erst seit Anfang Dezember, sondern schon seit Mitte Oktober geschlossen ist, wie Bibliotheksleiterin Maria Ott erklärt. „Wir haben auf Anweisung des Marktes Wiesentheid wegen der hohen Inzidenzwerte geschlossen.“ Dafür wurde der Lieferdienst für die Wiesentheider Ortsteile eingerichtet, der allerdings wegen eines Computerproblems Anfang Dezember für einige Tage nicht genutzt werden konnte. Diese Woche sollte aber wieder alles laufen, hofft Ott.

„Die Leute müssen eine Tüte mit den Rückgabe-Büchern vor die Haustür stellen. Die holen wir ab und stellen die Tüte mit den neuen Büchern hin“, erklärt sie das Procedere der Lieferung. Was ausgeliefert werden soll, wird vorab per Email oder über den Online-Katalog bestellt. Selbst in der Bücherei abholen können die Kunden die Medien in Wiesentheid nicht.

Den Online-Katalog „WebOPAC“ (Online Public Access Catalogue) nutzen fast alle Büchereien. „OPAC ist jederzeit erreichbar. Es ist einsehbar, ob ein Buch oder ein anderes Medium ausgeliehen werden kann“, erklärt Sheena Ulsamer. Und man sieht, ob es sich um ein Online-Exemplar handelt. Um das auszuleihen, muss man nicht in die Bücherei kommen.

Insgesamt hat sich die Online-Ausleihe im Corona-Jahr verstärkt, hat die Kitzinger Büchereileiterin festgestellt. „Der Anteil derjenigen, die nur online lesen, ist um einen beträchtlichen Prozentsatz gestiegen.“ Die Stadtbücherei werde daher im kommenden Jahr auch einen größeren Teil des Medien-Etats als bisher in diesen Bereich investieren. Die Leute hätten sich daran gewöhnt, E-Medien zu nutzen. Über die Franken-Onleihe können die Leser der Kitzinger Bücherei auf 40.000 E-Books und E-Medien zurückgreifen.

Jedes Buch wird desinfiziert

Auch in Volkach läuft die Ausleihe der E-Books sehr gut, berichtet Claudia Binzenhöfer. Im Oktober 2019 ist die Bücherei in den Verbund E-Medien Bayern eingestiegen, dem auch die Wiesentheider Bibliothek angehört. Anfangs habe sie noch Aufklärungsarbeit leisten und den Ablauf der Ausleihe erklären müssen, so Binzenhöfer. Aber inzwischen werde das Angebot sehr gut angenommen.

Leihen sich die Leser E-Books, besteht zumindest mit der Desinfektion kein Problem. Die normalen Bücher, Spiele und andere Medien müssen nämlich nach der Rückgabe von den Büchereiteams desinfiziert und/oder in Quarantäne gestellt werden, damit die Weitergabe von Corona-Viren ausgeschlossen werden kann. Damit Lesen auch in unsicheren Zeiten eine sichere Sache ist.

Erreichbarkeiten

Die Büchereien in Kitzingen, Volkach, Dettelbach und Wiesentheid sind wie folgt für Bestellungen und Terminvereinbarung erreichbar:

Stadtbücherei Kitzingen: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag jeweils 10 bis 15 Uhr, Tel. 09321/ 920 683, Email buecherei@stadt-kitzingen.de

Stadtbibliothek Volkach: Dienstags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr unter Tel. 09381/809512, Email stadt-bibliothek@volkach.de

Stadtbibliothek Dettelbach: Tel. 09324/3560, Email: stadtbibliothek@dettelbach.de,Abholzeiten: Montag bis Donnerstag 11 bis 17 Uhr, Freitag 11 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 16 Uhr.

Carl-Stumpf-Bibliothek Wiesentheid: Bestellungen können per E-Mail jede Woche bis Montag, 12 Uhr, an info@carl-stumpf-bibliothek.de aufgegebenwerden. Die Auslieferung erfolgt jeweils mittwochs ab 14 Uhr. Gleichzeitig werden Rückgaben entgegengenommen.

Andere Büchereien: Im Landkreis Kitzingen gibt es zahlreiche weitere öffentliche Büchereien, teils von Kommunen, teils von Pfarreien getragen.

Sie informieren auf ihrer jeweiligen Homepage über die Möglichkeiten der Ausleihe während des Teil-Lockdowns. Einige der Büchereien bieten ebenfalls einen Lieferdienst an.