Selbst der Regenschauer am Mittag konnte die gute Stimmung nicht trüben. Die fast 100 Schüler und ihre Betreuer verkrochen sich halt kurz unter dem trockenen Tribünendach des Sickergrundstadions. Beim Abschlusstanz lachte schon wieder die Sonne.

Zum vierten Mal hat die St.-Martin-Schule zum Inklusionssportfest eingeladen. Je 20 bis 25 Schüler aus der Erich-Kästner-Schule, der Grund- und Mittelschule Siedlung, dem Armin-Knab-Gymnasium und der Veranstalterschule trafen sich um 9 Uhr. Die meisten hatten sich im Vorfeld noch nie gesehen, drei Stunden später waren sie zwar noch keine guten Freunde – aber sie hatten sich angenähert.

„Das ist das Schöne an dieser Veranstaltung“, sagt Norbert Zinsmeister, Schulleiter der St.-Martin-Schule. „Schüler aus verschiedenen Altersklassen und mit unterschiedlichen Voraussetzungen lernen sich kennen. Und das auf eine völlig unkomplizierte Art und Weise.“ Schnell bilden sich neue Gemeinschaften, die im Wettkampf bestehen wollen und doch aufeinander achten. Verschiedenfarbige Leibchen werden zu Beginn des Sportfestes an jede Schule verteilt. Schon gibt es gemischte Mannschaften. Der Elftklässler aus dem Gymnasium stürmt beim Fußballspiel neben dem Drittklässler aus der Grundschule. Und in der Abwehr halten ein Mädchen aus der Mittelschule und ein Jugendlicher aus dem Förderzentrum die Reihen dicht. „Das hat perfekt gepasst“, sagt Ahmed aus der St.-Martin-Schule und strahlt. Er ist bereits zum dritten Mal dabei.

Emire und Yasmin aus der Mittelschule haben sich freiwillig für das Sportfest gemeldet. „Es ist einfach schön, gemeinsam was zu unternehmen“, nennt Emire ihre Motivation. Sie ist ebenfalls Wiederholungstäterin, war zum zweiten Mal dabei. Zum vierten Mal ist Yasmin aus dem Förderzentrum zum Sportfest gekommen. Warum? „Weil es Spaß macht“, sagt sie und reckt ihren Daumen nach oben. Ein Stammgast sozusagen. Für Maximilian und Tobias ist das Sportfest der Abschluss eines besonderen Schulprojektes. Die beiden Gymnasiasten belegten das Profilfach Inklusion. Alle drei Wochen haben sie zusammen mit Schülern der St.-Martin-Schule gemeinsam Sport gemacht. „Mir war vorher nicht wirklich klar, wie ich in manchen Situationen mit Menschen mit Behinderung umgehen soll“, bekennt Maximilian. Die Erfahrungen haben ihn vorangebracht. „Ich bin jetzt viel gelassener. “ Gelassen und fröhlich ging es auch beim gestrigen Vormittag zu. Jede teilnehmende Schule hatte sich im Vorfeld der Veranstaltung ein Spiel ausgedacht. Im Mittelpunkt stand immer der Gedanke des gemeinsamen Erlebens. Ob beim Zollstockspiel, beim Schwammspiel oder beim Abschlusstanz: Immer kamen sich die jungen Menschen näher, mussten gemeinsam eine Aufgabe bewältigen. Wer Sieger oder Verlierer war? An diesem Vormittag eine mehr als zweitrangige Frage. Beim Inklusionssportfest haben alle Teilnehmer gewonnen.