Die Stadt will weiteren Wohnraum schaffen und die Innenentwicklung aufwerten. Die Anlieger wollen genau das Gegenteil. Eine Wiese mit Bäumen und Sträuchern wäre ihnen vor ihren Hauseingängen viel lieber. So, wie es schon einmal war.

Doris Herrmann hat ihr Haus 1994 bezogen. „Wie alle anderen in der Reihe“, sagt sie. Acht Häuser stehen im „Unteren Fuchsgraben“ in Kitzingen, ganz in der Nähe der Kaltensondheimer Straße. Herrmann hätte damals auch ein Haus in der Reihe oberhalb kaufen können. „Aber mir gefiel die freie Sicht“, erinnert sie sich. Wenn sie aus der Haustür trat, war da nichts weiter als eine schmale Stichstraße und dahinter eine Freifläche mit Bäumen und Sträuchern, die sich bis zur Kaltensondheimer Straße erstreckte.

Vor sieben Jahren änderte sich das Bild. Der neue Besitzer ließ die Wiese abmähen und legte einen Schotterparkplatz an. In unmittelbarer Nähe hatte er vier Mehrfamilienhäuser gekauft und renoviert. Auf dem heutigen Parkplatz wollte er ein Einfamilienhaus bauen und den Rest der Fläche als Parkplatz für die renovierten Mehrfamilienhäuser vorhalten. Die Anlieger sprachen sich dagegen aus, die Stadt ebenfalls. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf.

Wertminderung befürchtet

Vor rund einem Monat hatte sich der Bauausschuss der Stadt Kitzingen mit der Zukunft der Fläche befasst. Mit 10:3 stimmten die Mitglieder für einen Aufstellungsbeschluss, dem eine Bebauungsplanänderung folgen kann. Genau die wollen die Anlieger verhindern. Ihre Befürchtung: Direkt vor ihren Haustüren entstehen mehrgeschossige Wohnblocks. „Das wäre eine beträchtliche Wertminderung“, sagt Peter Stühler. Mindestens genauso unangenehm: Die neuen Nachbarn könnten zu den Fenstern hineinschauen, es gebe weniger Licht und Sonne. „Dabei hieß es damals, dass die Sicht unverbaubar sei“, erinnert sich Doris Herrmann.

Bereits vor sieben Jahren haben sich die Anlieger zusammengetan und dem Grundstücksbesitzer ein Kaufangebot für diejenige Fläche gemacht, auf der sich heute ein Parkplatz befindet. „Wir hätten wieder ein Wiese daraus gemacht, mit Hecken und Bäumen“, erklärt Herrmann. „Das Angebot gilt nach wie vor.“

Wenig Hoffnung von der Stadt

Was die Familien Herrmann und Stühler am meisten wurmt: Dass niemand aus der Stadt mit ihnen redet. Am 19. November haben die Anlieger einen Einspruch im Rathaus eingereicht. „Bis heute keine Antwort“, wundert sich Peter Stühler. „Noch nicht einmal eine Bestätigung, dass der Brief eingegangen ist.“ Sie wandten sich an einzelne Stadträte und erhielten in Person von Klaus Christof (KIK) und Jens Pauluhn (ödp) Unterstützung. Christof empfahl den Kollegen im Bauausschuss, eine einvernehmliche Lösung mit den Anliegern anzustreben, Pauluhn empfahl den Anliegern, einen Rechtsanwalt einzuschalten.

Durchaus möglich, dass sie das tun. Vorerst hoffen sie auf ein Einlenken der Stadt. Bauamtsleiter Oliver Graumann bestätigt den Eingang des Schreibens. Die darin enthaltenen Fragen werden beantwortet, versichert er. Im weiteren Verfahren werden die Anlieger ebenfalls eingebunden und angehört. In der Sache kann Graumann Doris Herrmann und ihren Nachbarn allerdings wenig Hoffnung machen.

Kein Recht auf freie Sicht

Der Bebauungsplan werde nach dem Beschluss im Bauausschuss gerade überarbeitet. Konkrete Planungen des Bauherrn seien ihm nicht bekannt. Aus Graumanns Sicht dürften künftig ein bis zwei Mehrfamilienhäuser an dieser Stelle möglich sein. „Wenn sie sich an der Kubatur der bunten Häuser daneben orientieren.“ Auch wenn er die Anlieger durchaus verstehen könne: Das Recht auf eine freie Sicht habe nie bestanden. „Das war wohl eher ein Verkaufsargument des damaligen Immobilienmaklers.“ Größere Beeinträchtigungen für die Anlieger kann er nicht erkennen und sieht für sie sogar einen gewissen Vorteil bei einer Bebauung: ein Schallschutz gegenüber dem Verkehr in der Kaltensondheimer Straße.

Im nächsten Jahr wird sich der Stadtrat erneut mit der Thematik befassen. Wenn der Bebauungsplan überarbeitet ist.