Die Begeisterung ist ihm anzusehen. Und anzuhören. Stadtheimatpfleger Dr. Harald Knobling klickt sich durch die Bilder auf seinem Laptop und hält immer wieder inne. „Das ist doch auch toll“, sagt er und deutet auf eine Bratwurst aus Ton.

Am Tag der Franken, Sonntag, 2. Juli, ist in Kitzingen jede Menge geboten (siehe Frankenseite und Mittendrin). Ein Projekt, das sich längere Zeit betrachten und genießen lässt, wird auf der Alten Mainbrücke zu bewundern sein. Rund 2000 Kunstwerke von Kitzinger Schülern werden bereits am Samstagvormittag am Geländer aufgehängt. Bis zum 9. Juli sind sie dort ausgestellt. Die Alte Mainbrücke wird damit quasi zu einer Freiluft-Galerie.

Idee hatte Stadtheimatpfleger

Die Idee ist dem Kunstlehrer und Stadtheimatpfleger bei der Museumstagung in Kitzingen gekommen. Als das Planungskomitee des Tags der Franken im Herbst 2016 zusammenkam, waren alle davon angetan: Alle Kitzinger Schüler von sieben bis 18 Jahren gestalten ihr eigenes Kunstwerk. Die Kunstlehrer und Ansprechpartner von den Grundschulen über die Mittelschulen und die Realschule waren gleich angetan. Auch die St. Martin Schule, die Erich-Kästner-Schule, die Fachoberschule und das AKG selbst machten mit.

Die einzige Vorgabe lautete: Die Maße sollten eine Höhe von 30 Zentimetern und eine Breite von elf Zentimetern nicht überschreiten. „So passen sie genau in die Zwischenräume des Geländers“, erklärt Dr. Knobling den ganz pragmatischen Hintergrund.

Die identische Größe jedes einzelnen Kunstwerks hat aber auch eine soziale Dimension: Jedes Kind wird gleich ernst genommen – egal ob sieben Jahre alt oder 18. Egal ob Förderschüler oder Gymnasiast. Ganz bewusst ist deshalb auch das Thema gewählt worden: „Meine Welt – Was bewegt mich – Was interessiert mich?“ Die Schüler konnten und sollten ohne Vorgaben und Einschränkungen loslegen. „Es geht bei der Installation nicht so sehr um die bildnerische Qualität, sondern vielmehr um die Aussage, die Idee“, erklärt der Kunstlehrer. Spontaneität, Unverfälschtheit und Authentizität stünden im Vordergrund.

Ganz unterschiedliche Ansätze

Entstanden sind denn auch ganz unterschiedliche Kunstwerke: Bleistift- und Buntstiftzeichnungen, Arbeiten aus Ton, Holz und Plastik. „In den Kunstwerken spiegeln sich die Interessen und Werte, die in unserer Gesellschaft Tradition haben“, sagt Dr. Knobling. Themen wie Freundschaft, Liebe und Familie sind immer wieder umgesetzt worden. Oft sind aber auch einzelne Sportarten wie Tennis oder Fußball und Haustiere zu sehen. Auffallend ist jedoch, dass elektronische Medien immer wieder eine Rolle spielten. Handy, I-phone, Playstation und PC wurden immer wieder als Motiv gewählt. Knobling: „Bei mir entstand nicht selten der Eindruck, dass der Wert der Kommunikationsmedien über dem Wert persönlicher Kontakte steht.“ Dennoch zieht er nach der Sichtung aller eingesammelten Werke ein optimistisches Fazit: „Unsere Jugend hat insgesamt ein sehr positives Weltbild.“

Von seinen Mitstreitern ist Dr. Knobling sowieso sehr angetan. „Wahnsinn, wie gut die Kollegen aus den anderen Schularten mitgemacht haben“, staunt der Kunsterzieher am AKG. Die letzten sechs bis sieben Wochen waren für alle Beteiligten zeitintensiv. Die Schüler mussten instruiert und motiviert werden, die Kunstwerke eingesammelt und laminiert werden. „Eine Woche werden sie auf der Alten Mainbrücke dem Wetter ausgesetzt sein“, erklärt Dr. Knobling.

Eine Woche lang zu sehen

Alleine für das Fotografieren aller Bilder und die Nachbearbeitung am PC hat er rund zehn Stunden benötigt. Mit einigen Freiwilligen wird er die Kunstwerke am Samstagvormittag mit einem Draht an der Brücke aufhängen. In jedem Zwischenraum sollte dann ein individuell und kreativ gestaltetes Bild hängen. „Es geht dabei überhaupt nicht um eine Leistungsschau der Schulen“, stellt Knobling klar. Die Bilder sollen deshalb auch in willkürlicher Reihenfolge aufgehängt werden. Schulanfänger neben Schulabgänger. Wer über die Brücke flaniert, soll die verschiedenen Entwicklungsstufen der Kinder und Jugendlichen vor Augen geführt bekommen – und kann einen Vergleich zu seiner eigenen Kindheit anstellen.

Eine Woche lang wird die Installation an der Alten Mainbrücke zu sehen sein. Zeitgleich werden die Fotografien der Kunstwerke überdimensional in einer Endlosschleife in der Rathaushalle per Beamer auf die Wand projiziert. „Die Besucher können sich die Stücke dort viel genauer betrachten“, erklärt Dr. Knobling.

Nach der Aktion erhalten die Schüler ihre Arbeiten wieder zurück, dann ist der große logistische Aufwand für eine Woche Ausstellung auf der Alten Mainbrücke abgeschlossen. Dr. Knoblings Erwartungen haben sich schon vor der offiziellen Eröffnung mehr als erfüllt. „Alle Schulen haben sich zu hundert Prozent auf dieses Risiko eingelassen und mitgemacht“, freut er sich. Alleine das ist Grund genug für seine Begeisterung.