Das Weingut Wirsching in Iphofen (Lkr. Kitzingen) hat als Einmaligkeit in Franken einen koscheren Wein abgefüllt. Zur Präsentation des 2016er Silvaner im Weingut war am Mittwoch neben der Fränkischen Weinkönigin Silena Werner auch Josef Schuster aus Würzburg gekommen, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Es braucht Mut und gute Nerven

Was braucht es, um koscheren Wein zu machen, fragte der Präsident und gab auch gleich die Antwort: Es braucht Mut und gute Nerven. Er freue sich als Sprössling einer alteingesessenen fränkischen Familie, dass ein fränkischer Winzer diesen Mut hatte, sagte Schuster und dankte der Familie Wirsching. Sie erweise damit der jüdischen Gemeinde in Deutschland einen großen Dienst – aber auch der Anbauregion Franken.

Koscherer Wein sei in der Herstellung sehr aufwändig. Alle Geräte zur Lese und zur Verarbeitung der Trauben müssten unter Aufsicht eines Rabbiners gesäubert werden, die Flaschen dürften nicht mehrmals befüllt, und im siebten Jahr dürfen keine Trauben gelesen werden, erklärte Schuster. Er bekannte, dass er selbst gerne im Bürgerspital in Würzburg normalen Frankenwein genießt. Ein Muss sei koscherer Wein aber in der Synagoge und bei spirituellen Anlässen.

Verbindungen nach Israel

Die Initialzündung für den koscheren Wein gab Andrea Wirsching. Die Historikerin ist Leiterin des Weingutes Wirsching und war 2009 erstmals mit Vinissima, dem Netzwerk deutscher Frauen in der Weinbranche, in Israel. Seitdem pflegt sie freundschaftliche und fachliche Verbindungen zu diesem Land.

Der koschere Silvaner wurde in einem versiegelten Edelstahltank vergoren. Er wird in einen Bocksbeutel gefüllt und kann auch am Pascha-Fest, dem höchsten jüdischen Fest, ausgeschenkt werden kann.