Stimmungsvolle Gedenkstunde hoch über der Stadt Marktbreit an der Kreiskriegergedächtnisstätte an der Kappel. Alljährlich findet dort die zentrale Gedenkfeier des Landkreises anlässlich des Volkstrauertags statt, in diesem Jahr mit stellvertretender Landrätin Susanne Knof, Organisator und Gedenkredner Gerhard Bauer und Marktbreits Bürgermeister Harald Kopp.

Es sei gut, sagte Knof, sich nach einem Jahr der Pause wieder hier zum zentralen Gedenken zu treffen, ehe sie einige der Gäste, darunter Landratsabgeordnete Barbara Becker, deren Vorgänger Otto Hünnerkopf, etliche Kreisräte, aber auch Marktbreits Altbürgermeister Erich Hegwein begrüßte. Dank sprach sie den Vertretern der Soldatenkameradschaften Kitzingen, Markt Einersheim und Sonderhofen aus, sowie dem Musikverein Willanzheim und der Jugendfeuerwehr Michelfeld, die den Weg hinauf auf den Berg mit Fackeln ausleuchtete.

Um vermisste und gefallene Soldaten gekümmert

Vor zwei Jahren, so Bauer, würdigte eine Versammlung am gleichen Ort die Gründung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge anlässlich seines einhundertjährigen Bestehens. Dieser wurde in Folge des Ersten Weltkriegs gegründet, um sich im Auftrag des Staates vor allem um vermisste und gefallene Soldaten zu kümmern. Was nach dem großen Leid eigentlich unvorstellbar schien, wurde nur 25 Jahre später erneut Realität: Wieder ging von deutschem Boden ein Weltkrieg aus und der hatte, so Bauer: "Noch modernere Waffen, noch mehr eingesetzte Soldaten, noch mehr Brutalität, noch mehr vergossenes Blut – bis dahin alles so nicht vorstellbar."

Und als weiterer Kontrast zum Krieg davor habe diesmal auch die eigene Bevölkerung unter den "Expansionsgelüsten der Machthaber" gelitten. "Das Land wurde von den vier Alliierten aus allen Himmelsrichtungen Meter für Meter erobert", so Bauer, "Städte und Dörfer zerstört, bis der letzte Soldat kapituliert hatte." Nach mehr als 75 Jahren könnten wir Deutsche mit dem Begriff Krieg aber nicht mehr allzu viel anfangen, so der Redner und weiter: "Wir mussten ihn nie erfahren. Und das ist gut so." Denn mehr als 60 Millionen Menschen – mehr als die Hälfte davon Zivilisten – verloren im Zweiten Weltkrieg ihr Leben durch kriegerische Handlungen, durch Völkermord in Lagern, Bombardierung, Flucht, Vertreibung und Verschleppung.

Bei der Verteidigung Schreckliches erlebt

Es dürfe aber nicht vergessen werden, was deutsche Soldaten 1941/42 an der Ostfront erlitten haben. Aber auch nicht, dass auf der anderen Seite ebenso Väter, Söhne, Ehemänner und Brüder standen, die bei der Verteidigung ihres Landes Schreckliches erleiden mussten – auch in der Gefangenschaft. Für Bauer war der Krieg erst mit dem Abschluss der gewaltsamen Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten zu Ende.

Nach dem Totengedenken durch Landrätin Susanne Knof legten sie, Bauer und Bürgermeister Harald Kopp in der Gedächtnisstätte einen Kranz nieder. Am Ende bedankte sich Marktbreits Bürgermeister für die Organisation der Veranstaltung.