Daran gedacht, sich einmal selbstständig zu machen, hat der Dettelbacher Walter Apfelbacher schon lange. Bis er diese Idee tatsächlich in die Tat umgesetzt hat, ist allerdings einige Zeit vergangenen. 22 Jahre hat er für verschiedene Firmen gearbeitet, bis er sich im April 2009 für eine Existenzgründung entschieden hat.
Der Diplom-Ingenieur, der unter anderem Kranumbauten anbietet, hat damit einen Schritt gewagt, den im Landkreis Kitzingen immer mehr Menschen gehen.
2010 hat sich die Zahl der Neuanmeldungen um rund neun Prozent auf 978 Betriebe erhöht. Der Landkreis Kitzingen erlebt damit gerade einen Gründerboom.
In der gesamten Region Mainfranken haben die Gründungen im Vergleich zum Vorjahr nur um etwa drei Prozent zugenommen.
"Auffällig ist, dass die Anzahl der Notgründungen erheblich zurückgegangen ist", sagt Erich Helfrich, Leiter des IHK-Fachbereichs Starthilfe und Unternehmensförderung. Heute mache sich ein Gründer selbstständig, weil er will, nicht weil er muss.
Diese Feststellung trifft auch auf Walter Apfelbacher zu, der sich aus einem sicheren Beruf heraus für die Selbstständigkeit entschieden hat: "Es war für mich beruflich gesehen ein interessanter Zeitpunkt", sagt er. Die letzte Chance, sich noch einmal zu verändern.

Dass seine Existenzgründung in das Jahr der Wirtschaftskrise gefallen ist, hat ihn dabei nicht gestört:

"Ich hatte immer die Einstellung, wenn es nicht läuft, mache ich eben etwas anderes."
Eine Alternative hat sich Apfelbacher nicht suchen müssen. Im Gegenteil: über mangelnde Aufträge kann er sich nicht beklagen: "Wenn ich sehe, wie es läuft, hätte ich mich vielleicht sogar schon früher selbstständig machen sollen." Denn diese Art der Arbeit liege ihm: "Ich bin mein eigener Chef, es macht mir viel Spaß."
Dass er dafür mehr Verantwortung trägt, weniger Freizeit und Urlaub hat und auch an Wochenenden arbeitet, nimmt er gern in Kauf. Schließlich wisse er, für wen er das macht.
Dass sich seine Tätigkeit so gut mit seiner Familie koordinieren lässt, ist dem Diplom-Ingenieur wichtig. Diese steht nicht nur hinter ihm, seine Frau Sigrid kümmert sich zudem um die Büroarbeiten wie Steuern und Termine. "Es ist schön, sie bei der Arbeit zu sehen."

Gut findet er auch, dass seine Frau Verständnis dafür hat, wenn er im Urlaub arbeitet - Laptop sowie Handy also seine ständigen Begleiter sind.

Doch auch wenn Sigrid Apfelbacher mittlerweile stolz auf das ist, was ihr Mann erreicht hat - am Anfang, als sie zum ersten Mal mit seiner konkreten Idee konfrontiert wurde, musste sie erst ein Mal durchatmen: "Es ist ja schon ein Risiko, man weiß nie, wie es läuft."
Nach einiger Überlegung sei sie dann aber doch recht entspannt gewesen, schließlich wisse sie, dass ihr Mann ein Arbeitstier ist. "Schon als Angestellter hat er länger gearbeitet und war viel auf Montage unterwegs."
Viel gearbeitet hat er auch an der Vorbereitung der Selbstständigkeit: "Davor muss viel überdacht werden", erklärt der zweifache Familienvater. Unter anderem hat er sich um die verschiedenen Versicherungen, Formalitäten bei Finanz- und Arbeitsamt gekümmert und an einem Existenzgründerseminar der IHK teilgenommen.

Als wichtigsten Schritt in Richtung Selbstständigkeit bezeichnet er die Arbeit am Konzept.

Dieses ist schon nötig, um Zuschüsse zu beantragen. Mindestens genauso wichtig wie ein guter Plan, findet der Existenzgründer, ist es, viel Erfahrung auf dem Gebiet zu haben, in dem man sich selbstständig machen möchte. Ihm habe der gute Ruf, den er bei vielen Firmen genießt, sehr geholfen. "Ohne diese Erfahrung im Rücken ist es schwer, Aufträge zu bekommen." Ein weiterer Rat ist, auch etwas zu machen, das andere nicht machen wollen. Wie etwa die Rufbereitschaften nach der eigentlichen Arbeitszeit und im Urlaub, die er selbst auf sich nimmt. Er selbst ist außerdem in Kernkraftwerken bei Revisionen im Einsatz. "Wenn ich mich dort nicht hundertprozentig sicher fühlen würde, würde ich das aber nicht machen", sagt er. Schließlich ist er sein eigener Chef.