Das Haus in der Mainbernheimer Herrnstraße 35 steht leer. Nicht erst seit gestern. Letztmals bewohnt war das Gebäude, besser bekannt als Elfleins-Anwesen, so erinnert sich Bürgermeister Peter Kraus, Ende der 70er Jahre. Im rückwärtigen Gebäude mit der Hausnummer 37 wohnten dagegen bis März 1997 Leute. Beide Gebäude gehören nun der Stadt. Ideen für eine weitere Nutzung sind schon gesprudelt, Klarheit soll eine Machbarkeitsstudie bringen.

Eine kleine Plastikbox voller Schlüssel hat Bürgermeister Peter Kraus dabei. Viele verschiedene Schlösser haben die beiden Gebäude, der erste ist schon einmal nötig, um das Absperrgitter zu öffnen.

Der Eingangsbereich bei der Hintertüre des Gebäudes wirkt nicht gerade einladend. Die Feuchtigkeit hat ihre deutlichen Spuren hinterlassen. Man merkt schon von außen, dass das Haus lange nicht bewohnt war. Außerdem kommt das stolze Alter des Hauses hinzu. 1743 steht über der Eingangstüre zur Herrnstraße hin, durch die man aber derzeit nicht ins Innere gelangt. Die Jahreszahl findet sich in einem geohrtem Türgewände mit gezackt gestaffeltem Sturz, wie es das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege beschreibt. Die Jahreszahl 1823 findet sich im schmiedeeisernen Geländer auf der Außentreppe.

Alter nicht eindeutig

Das genaue Alter zu erfassen, dafür muss der Besucher des Hauses knarzende Holztreppen bis ins Dachgeschoss emporsteigen. Einige Hölzer des Dachstuhls wurden dazu dendrochronologisch untersucht. Ein eindeutiges Alter konnte dabei nicht ermittelt werden. Die eine Jahreszahl 1566 passt aber im Kernbau zu den restauratorischen Befunden der Renaissance.

Auch wenn es im Inneren derzeit alles andere als wohnlich ausschaut, im Erdgeschoss ist an Manchen Stellen der Boden geöffnete oder an Wänden das Mauerwerk freigelegt, um der Ursache der Feuchtigkeit auf den Grund zu gehen.

Im Obergeschoss mag man sich an den Decken mit den herrlichen Stuckverzierungen erfreuen, doch die Stellen mit den Wasserschäden lassen sich nicht einfach ausblenden. "Da gibt’s viel zu tun", weiß Peter Kraus. Doch: "Dieses Gebäude liegt uns am Herzen", begründet er den Erwerb im September 2019. Mit gekauft wurden Nebengebäude und das Wohngebäude Herrnstraße 37, das aus dem 19. Jahrhundert stammt. Gerne hätte Kraus für die Stadt auch noch das weitere Areal bis zur Stadtmauer erworben, das das sei derzeit nicht möglich.

Das Gebäude Herrnstraße 35 war ein ehemaliges Gast- und Wohnhaus, das hintere Gebäude ein Wohnhaus mit Schmiede. Über die künftige Nutzung gibt es schon viele Überlegungen. Ende Oktober vergangenen Jahres hatte es einen Workshop gegeben. Mit dabei unter anderem Vereinsvertreter der Altstadtfreunde und Albergo diffuso sowie vom Arbeitskreis Tourismus und Kultur.

Touristische Anlaufstelle

"Uns fehlt es an einer touristischen Anlaufstelle", startet der Bürgermeister die Liste der gewünschten Nutzungen. Auch für das zwar gut geordnete Stadtarchiv, das derzeit im Untergeschoss der Mehrzweckhalle lagert, bräuchte eine angemessene Unterbringung mit mehr Platz und besserer Zugänglichkeit. Ein Anliegen von Peter Kraus ist es, neue Räume für die Stadtbücherei zu bekommen. Die befindet sich derzeit im ehemaligen Verließ des Rathauses.

Weitere Ideen sind die Nutzung des Erdgeschosses als Treffpunkt, eine Verkaufsstelle für Mainbernheimer Besonderheiten, eine Ausstellung zur Stadtgeschichte, eine Ausstellungsmöglichkeit für Künstler, Poststation mit Bankautomat, Rezeption für das Beherbergungskonzept Albergo diffuso und Zimmer oder Ferienwohnungen, ein Pop-up-Store oder ein Veranstaltungsraum. Schließlich gehört auch ein nicht gerade kleiner Gewölbekeller zum Gebäude.

Dann gibt es im Ort noch die Druckerei Hügelschäffer und damit eine weitere Idee, im Nebengebäude eine Schaudruckerei mit alten Druckmaschinen einzurichten. Archiv, historische Druckerei und Bücherei: "Alles was mit Buch und Druck zu tun hat, wäre dann an einem Ort", schwärmt Kraus. Das alte Haus steht vor einer spannenden Zukunft.