Die Tagesordnung für die letzte Kitzinger Stadtratssitzung vor der Sommerpause am Donnerstag, 29. Juli, 18.30 Uhr, Alte Synagoge, hat es in sich. Einige Themen würden Diskussionsstoff für eine eigene Sitzung hergeben. So aber paukt die Stadtverwaltung alle heiße Eisen in einer Sitzung mit dem Stadtrat durch.

Vor der vergangenen Kommunalwahl knapp gescheitert war die Objektentwicklung Wittmann GmbH mit dem Plan, in den Marshall Heights ein Einkaufszentrum zu bauen. Damit will das Immobilienunternehmen dem wachsenden Stadtteil Rechnung tragen, der noch etwa 3000 Einwohner mehr aufnehmen könnte. Damals wie heute sehen Verwaltung und Teile des Stadtrats durchaus gute Gründe für den Bau von Lebensmittel- und Drogeriemärkten. Umstritten sind vor allem zwei Punkte: die Lage des Zentrums und die Sortimente der Händler.

Während manche Stadträte das Zentrum gern im Wohngebiet selbst sehen würden, argumentiert Investor Georg Wittmann damit, dass die Einzelhändler die Lage direkt an der benachbarten B 8 bevorzugen würden. Der Grund ist offensichtlich: Die Märkte wollen ihre Waren nicht nur an die Einwohner der Marshall Heights verkaufen, sondern gern auch die Pendlerströme auf der Bundesstraße bedienen. Dennoch wird das Projekt in der Kategorie "Nahversorgung" geführt.

Knackpunkte müssen geklärt werden

Die Sortimentsfrage hatte Wittmann im ersten Anlauf nicht zur Zufriedenheit aller Stadträte beantworten können; nun ist er konkreter: Neben Lebensmittel- und Getränkemarkt mit 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche, einem Biomarkt und einem Drogeriemarkt mit jeweils 800 Quadratmetern Verkaufsfläche hat er noch weitere 500 Quadratmeter eingeplant. Sie seien, so schreibt die Stadtverwaltung in ihrer Sitzungsvorlage, für nicht zentrenrelevante Nutzer vorgesehen. Sprich: für Sortimente, die denen in der Innenstadt keine Konkurrenz machen. Beispiele dafür wären, Cafeteria, Bäcker, Metzger, Friseur, Poststelle, Zeitschriften, Tabak und Blumen.

Außerdem hat Wittmann die Größe seines Gebäudes grundsätzlich beschränkt auf zwei Stockwerke. Ursprüngliche Flächen für Büros und Praxen hat der Investor inzwischen gestrichen. Und ein Outlet-Zentrum, zum Beispiel für Kleidung und Schuhe, wie es gerüchteweise immer wieder in der Stadt kolportiert wurde, hatte der Immobilienunternehmer sowieso nicht vorgesehen. 

Da auch die Stellungnahmen von Regierung, Einzelhandelsverbänden und Stadtmarketing grundsätzlich positiv ausfallen, sollte der Schutz bestehender Geschäfte in der Innenstadt und an der Siegfried-Wilke-Straße berücksichtigt werden, empfiehlt die Stadtverwaltung eine Zustimmung zum Projekt. Über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan sollen die erlaubten Sortimente festgeschrieben werden. 

Bahnhofsumfeld verändert sich deutlich

Ein zweiter großer Brocken ist die Umgestaltung des Bahnhofs und seines Umfelds in Kitzingen. Nachdem die Stadt das Gebäude mittlerweile gekauft hat, geht es nun in erster Linie um das Außengelände. Vordringlich soll dort ein Zentraler Omnibus-Bahnhof (ZOB) für den ganzen Landkreis Kitzingen entstehen. Auch etwa 80 Fahrradständer und 50 neue Auto-Parkplätze sind in der Diskussion, da die Planer mehrere Varianten vorstellen werden. 

Heikel könnte die Entscheidung werden, die Kleingärten neben dem Bahnhof aufzulösen, um dort 80 Parkplätze zu schaffen. Es bliebe dann nur noch ein kleiner Grünbereich. Alternativ könnten Teile der Gärten erhalten und nur 20 Autostellplätze gebaut werden. In allen Varianten wird der Amalienweg künftig nur noch über die Innere Sulzfelder Straße anfahrbar sein. Die Verbindung zum Bahnhof wäre damit gekappt. Die Kostenschätzung für das Bahnhofsumfeld ist noch nicht exakt, liegt aber bei rund acht Millionen Euro.

BRK zieht vom Wohn- ins Gewerbegebiet

Auch ein großes Bauvorhaben ist der geplante Neubau der BRK-Rettungswache. Das BRK will seinen Standort in der Innenstadt, Schmiedelstraße, aufgeben und im Gewerbegebiet "Schwarzacher Straße Ost" am Lochweg, zwischen Nordtangente und Kaufland, neu bauen. Dort läge das neue Zentrum ebenfalls verkehrsgünstig. Vorgesehen sind Rettungswache mit Fahrzeug- und Waschhalle, Platz für den Katastrophenschutz, Räume für Schulung und Verwaltung sowie für eine Sozialstation und eine Tagespflege für Senioren. Dazu muss der Stadtrat ein Bebauungsplanverfahren auf den Weg bringen. 

Bebauung am Etwashäuser Bahnhof bleibt umstritten

Ein umstrittenes Thema ist die Neubebauung des Etwashäuser Bahnhofs mit bis zu 220 Wohnungen, über die im Vorfeld der Sitzung schon eifrig diskutiert und berichtet wurde. Investor Wolfgang Rosentritt, dem das ehemalige Bahnhofsareal mittlerweile gehört, hat seine ursprünglichen Pläne für die Ansiedlung von Einkaufsmärkten fallen lassen und will nun bis zu sechsstöckige Wohngebäude errichten. Die Aufstellung des Bauleitplanverfahrens wird im Rat behandelt.

Vorgestellt wird auch der aktuelle Planungsstand beim Deuster-Areal, auf dem künftig das Staatsarchiv aus Würzburg eine neue Heimat finden soll. Außerdem will der evangelische Kindergarten in der Schreibersgasse, der aus vier Kindergartengruppen besteht, um eine Krippengruppe erweitern.