Es ist kurz vor 12 Uhr: Langsam wird es hektisch in der Küche der Berufsschule in Kitzingen. Es wird gerührt, geschnitten und gebraten. "Jetzt beginnt die heiße Phase", sagt Bernd Hartner, Küchenmeister des Würzburger Ratskellers und Mitglied der diesjährigen Prüfungskommission.

Vier Auszubildende legen heute den praktischen Teil ihrer Abschlussprüfung zum Koch beziehungsweise zur Köchin ab. Und auch für sechs angehende Restaurantfachleute wird es an diesem Tag ernst. Sechs Wochen vorher haben die Prüflinge einen Warenkorb mit Zutaten bekommen, aus denen sie ein Menü für sechs Personen kreieren sollten. Dieses wurde dann im Rahmen der mündlichen Prüfung vorgestellt.

Die Zutaten waren für alle die gleichen, doch was sie daraus zauberten, entschieden die jungen Köche selbst.
Die für die Vorspeise vorgesehenen Pfifferlinge und der Saibling wurden beispielsweise als Terrine oder als Nocken mit verschiedenen Beilagen serviert.

Auch das Serviceteam hatte für den Prüfungstag unter dem Motto "Kräuter und Wein" eine Tischdekoration vorbereitet und jeweils einen eigenen Tisch eingedeckt. Die Prüfungskommission achtete auch hier penibel auf die richtige Arbeitsweise: Ob die Besteckfolge stimmt und ob die passenden Weingläser auf dem Tisch stehen, waren nur zwei von vielen Kriterien für eine gute Note.

Auch in der Küche wurde jeder Schritt genau beobachtet. Wurde hier etwa Butter zum Braten verwendet anstelle von Öl? Wurde auch wirtschaftlich und sauber gearbeitet? Und - natürlich ein sehr wichtiger Faktor - wie schmeckt das zubereitete Essen? Insgesamt kann ein Prüfling 100 Punkte in der gesamten Prüfung erreichen, für jeden Fehler gibt es Punktabzug.

"Es ist zwar anstrengend, aber die Prüfung hat auch Spaß gemacht", sagt Niklas Kuhn, der an der Bildungs- und Tagungsstätte in Iphofen seine Ausbildung macht. Er hat sich gut auf die Prüfung vorbereitet. Fünf Mal hat er das Menü vorher schon zubereitet. Ein halbes Jahr bleibt er nun noch in Iphofen, danach möchte er in die Schweiz gehen. "Koch war schon immer mein Traumberuf", sagt der 18-Jährige.

Doch immer weniger Jugendliche entschließen sich für eine Ausbildung im Gastronomiebereich. "Dabei ist es ein schöner und auch krisensicherer Beruf", erklärt Hubertus Kieser, Ausbildungsbotschafter vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband. "In Deutschland ausgebildete Gastronomen sind auch im Ausland sehr gefragt und haben gute Karrierechancen".

Um Jugendlichen den Beruf nahe zu bringen geht Kieser in seiner Funktion als Ausbildungsbotschafter beispielsweise in Schulen oder auf Berufsmessen und informiert über Fortbildungsmöglichkeiten.
Bleibt zu hoffen, dass das Interesse an einer Ausbildung im Gastronomiebereich wieder zunimmt. Denn auf den Genuss des guten Essens, das gestern wunderschön angerichtet zu genießen war und die aufmerksame Bedienung, möchte sicherlich niemand verzichten. Ilka Mann