Beinahe alles, was in Wiesentheid mit Fasching zu tun hat, läuft über die Kolping-Karnevalsgesellschaft, abgekürzt KoKaGe. Sie stellt nicht nur Prunksitzungen auf die Beine, bei der im vergangenen Jahr Größen wie Michl Müller, Daphne de Luxe oder Oliver Tissot auftraten. Stolz ist der Verein auch auf seine Tanzgruppen, die Jugendarbeit, die Tradition und vor allem auf den Zusammenhalt. Was am Wiesentheider Fasching besonders ist, was zur Feier des 55-jährigen Bestehens geplant ist, und manches mehr verrieten mit Marcus Wicher und Stefan Freund zwei der Macher. Am Freitag, 13. November, ist der offizielle Festakt der KoKaGe (ab 18 Uhr, Steigerwaldhalle).

Frage: Die Jubiläumsveranstaltung findet bereits im November statt. Ist das extra so angesetzt, um den diesmal so kurzen Fasching zu verlängern?

Marcus Wicher: Nein, der Fasching beginnt ja jedes Jahr am 11.11. Diesmal ist die Saison richtig kurz; Aschermittwoch ist schon am 10. Februar. Anstatt unseres Auftakts machen wir diesmal eben die Geburtstags-Party.

Warum feiert ihr 55 Jahre?

Stefan Freund: Bei uns Karnevalisten wird alle elf Jahre gefeiert: 11, 22, 33, 44 und jetzt eben 55 Jahre. Die Schnapszahlen sind die besonderen Anlässe. Einen runden Geburtstag feiern, das kann jeder.

Wie wird gefeiert? Mit Büttenreden im November?

Wicher: Nicht ganz. Los geht es mit einem Empfang, es folgt ein Gottesdienst, dann der Kommers, wo unsere Tanzgruppen erstmals in dieser Session auftreten. Büttenreden sind nicht vorgesehen; die eine oder andere Überraschung wird es aber geben.

Die KoKaGe-Gesellschaft bietet außer der Faschingssitzung eine Frauen-Sitzung, ein Männerballett-Turnier, alles ist ausverkauft. Warum ist Wiesentheid eine Faschingshochburg?

Wicher: Das liegt in der Tradition. Leute wie Fred Freund haben das aufgebaut und angeschoben, es entstanden immer mehr Gruppen im Lauf der Jahre. Zum Beispiel feiert auch unser Männerballett sein 40-Jähriges.

Freund: Das wuchs einfach über Jahre hinweg, es kam immer etwas hinzu. Bei uns gab und gibt es nie Stillstand.

Was ist das Besondere an der KoKaGe?

Wicher: Das ist der Zusammenhalt, das sind die Freundschaften, die sich entwickelten. Unser Vereinsleben beschränkt sich längst nicht nur auf den Fasching, da ist viel mehr. Wir treffen uns häufig auch privat und während des Jahres. Wir sind eine riesengroße Clique.

Freund: Das Schöne ist, dass es auch zwischen Alt und Jung gut klappt. Wenn es heißt, da und da ist was zu tun, dann kommen die Leute einfach und helfen. Jeder gibt sein Bestes.

Nahezu jeder Verein klagt aktuell über Nachwuchsmangel, ihr nicht. Was macht ihr anders?

Wicher: Da ist zum einen der Erfolg, den die Kinder bei den Tanzveranstaltungen haben. Es motiviert natürlich, vor großem Publikum aufzutreten. Unser Trainerteam passt, es kann die Jugendlichen sehr gut motivieren. Bei uns geht?s nicht nur um Sport und Tanzen, sondern um Gemeinschaft. Nehmen wir unsere Fahrt im September nach Köln zum Deutschen Kolpingtag, wo wir mit 115 Leuten in zwei Bussen waren. Unser Kinder- und Jugendschautanz trat dort vor 14 000 Zuschauern in der Lanxess-Arena auf der riesigen Bühne auf. Ein Erlebnis, von dem die Kids noch in vielen Jahren sprechen.

Hinter all dem steckt richtig viel Arbeit. Wie bekommt ihr es hin, damit alles läuft?

Wicher: Die Aufgaben im Verein sind gut verteilt. Es gibt Wochen, da ist jeden Tag irgend etwas, zusätzlich zum normalen Vereinsleben. Das zehrt schon. Wenn alles gut gelaufen ist, dann ist das das Lob für das, was wir gemacht haben.

Fasching ist also nicht nur Spaß?

Freund: Nein, bestimmt nicht, im Umfeld geht es bei uns auch mal ernst zu, auch laute Worte gibt es. Wir sind aber noch nie im Streit auseinandergegangen.

Mal Hand aufs Herz: Was gefällt euch beiden am Fasching nicht?

Wicher: Alle Witze, die unter die Gürtellinie gehen. Außerdem mag ich keine Tänze, die über Tod gehen, die dunkel oder düster sind. Das hat für mich nichts mit Fasching zu tun. Auf die kann ich verzichten. Und: Schöner wäre es, wenn der Fasching im Sommer wäre.

Freund: Für mich sind es die Orden, die verliehen werden. Ohne sie geht es scheinbar nicht. Das Geld, das die kosten, könnte man auch anders einsetzen.

KoKaGe Wiesentheid

Die Kolpingfamilie Wiesentheid wurde 1855 gegründet, Vorsitzender ist Wolfgang Stöcker. Der Verein hat etwa 440 Mitglieder. Durch die vielen Kinder und Jugendlichen in den Tanzgruppen liegt das Durchschnittsalter des Vereins bei etwa 30 Jahren. Neben dem Fasching gibt es eine Radfahrgruppe, eine Theatergruppe, oder die Krabbelgruppe für die Kleinsten samt Frauentreff.

Größte und aktivste Sparte ist die Karnevalsgesellschaft KoKaGe, bei der allein etwa 120 Mitglieder in den insgesamt fünf Tanzgruppen aktiv sind. 1961 wurde die erste Prunksitzung, damals im Pfarrheim, gehalten. Aktuell fungiert bei der KoKaGe Marcus Wicher als Gesellschaftspräsident, Stefan Freund ist Sitzungspräsident. Die Fastnachtsgesellschaft veranstaltet neben der großen Prunksitzung auch eine Frauensitzung, den Faschingsumzug samt Kinderfasching sowie ein Männerballettturnier. Außerdem betreib die KoKaGe seit einigen Jahren einen Kostümverleih.

Die aktuellen Fastnacht-Termine der KoKaGe Wiesentheid: 13. November, 17 Uhr, Jubiläumsabend 55 Jahre KoKaGe, Steigerwaldhalle; 16. Januar, 19.11 Uhr, 8. Frauenfaschingssitzung in der Steigerwaldhalle (nur für Frauen) ab 19.11 Uhr; 23. Januar, 19.11 Uhr, Elferratssitzung, Steigerwaldhalle (am Nachmittag danach Seniorensitzung für das Dekanat).