Museumsbesuche bei Nacht sind etwas ganz Besonderes. In Dettelbach konnte man dies bereits zum sechsten Mal erleben, als vier Museen am Samstag ihre Schätze und längst Vergessenes zeigten. Und auch an die kleinen Besucher wurde gedacht: Diese wurden zuvor im Kultur- und Kommunikationszentrum (KuK) schaurig geschminkt, um dann bei Beginn der Dunkelheit mit der Nachtwächterin Alice Schiller durch die dunklen Gassen zu wandern.

Der Fackelzug der Kinder

„Wir bieten den Kindern eine gruselige Führung“, so Alice Schiller. In ihrem Programm standen Geschichten aus dem Bauernkrieg, der Hexenverfolgung und Berufe aus dem Mittelalter. Knapp 30 Kinder, mit kleinen Fackeln „bewaffnet“, waren mit vollem Engagement dabei.

Während die Kinder also bestens beschäftigt waren, konnten sich die Erwachsenen dem Kulturgenuss hingeben. Im ersten Stock des KuK führte Albert Fuß durch das Pilger- und Wallfahrer-Museum.

„Wallfahrt ist Überwindung, dass man sich erst einmal in Bewegung setzt“ begann der einstige Leiter des Sprachenzentrums der Uni Würzburg seinen Vortrag und erklärte unter anderem Skulpturen, die eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela nachstellen oder eine Bilderstrecke, die die Kreuzberg-Wallfahrt zeigt. Beeindruckend war die Erkundung des Handwerkermuseums im Faltertor. Das mittelalterliche Stadttor, das unter der Regie von Raimund Sauer in liebevoller Weise renoviert wurde, hatte fast alles aus dem letzten Jahrhundert zu zeigen, auch eine Raritätensammlung des verstorbenen Dettelbacher Originals und Kunstliebhabers Thomas Stauner.

Die Überraschung des Abends war der Besuch von Rudi Rehm und dessen Schwester Monika Weikert. Sie erzählten den staunenden Besuchern, dass sie in den fünfziger Jahren in dem Turm geboren wurden und auch dort auf engsten Raum zusammen mit sieben weiteren Geschwistern und ihren Eltern bis 1960 dort wohnten.

Kerzen führten zu den Museen

In ergreifender Weise schilderte Rehm die armseligen Verhältnisse der damaligen Zeit. „Hier kommt Demut auf, wenn man das wiedersieht“, betonte er mit viel Emotion in der Stimme.

Ein sehr guter Einfall des Veranstalters war, die Wegstrecke zu den einzelnen Museen mit Kerzen auszuleuchten, so dass auch Fremde keine Mühe hatten, die Kunstobjekte zu finden. An der Kirchentreppe hatte das Heimatmuseum Haslau eine Sonderausstellung zu dem Thema „Schönheiten aus Porzellan“ und, fast daneben, stellte das kleine, aber feine Faschingsmuseum der Karnevalsgesellschaft Orden, Kostüme und Fotos aus vergangenen närrischen Tagen in und um Dettelbach aus.