Aus der Wohnung im Obergeschoss der Alten Schule in Järkendorf, dessen Erdgeschoss zum Teil von der Freiwilligen Feuerwehr genutzt wird, könnte eine Obdachlosenunterkunft werden. Das war das beherrschende Thema der Stadtratsitzung Prichsenstadt am Donnerstagabend. Im Raum stand ein Betrag von 15 000 Euro für die Sanierung der Wohnung; das Gebäude selbst wurde erst vor einigen Jahren von außen saniert.

Ausdrücklich wies Bürgermeister René Schlehr darauf hin, dass in die Wohnung keine Asylbewerber oder Obdachlose auf Wanderschaft einziehen sollen. Nachdem die Räte in der eingehenden Debatte auch eine mögliche Containerlösung in Betracht gezogen hatten, vertagten sie die Entscheidung, bis ihnen belastbare Vergleichszahlen zur Verfügung stehen.

Gemeinde in der Pflicht

Die Stadt sei bei unfreiwilliger Obdachlosigkeit als Sicherheits- und Ordnungsbehörde in der Pflicht, so Schlehr. Obdachlosigkeit stelle eine mögliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung dar, was zweiter Bürgermeister Alfons Saugel (Polizeibeamter) bestätigte. Eine kurzfristige Unterbringung in einer Pension oder einer Ferienwohnung verwarf der Bürgermeister. „Die Obdachlosen sind zwar gehalten, so schnell wie möglich in Eigeninitiative eine Wohnung zu finden, aber ob das immer gegeben ist, wage ich zu bezweifeln.

“ Die Wohnung in der Alten Schule verfüge über mehrere Räume, sei aber in einem sanierungsbedürftigen Zustand, wie sich bei einem Ortstermin herausgestellt hatte. Nur eines der Zimmer ist mit Bett, Tisch, zwei Stühlen und einem Schrank wirklich bewohnbar. Die Toilette muss saniert werden, und es fehlen eine Heiz-, Wasch- und Duschmöglichkeit. Und ob die Badewanne nutzbar ist, stehe auch noch nicht fest. Zudem können die Stromkabel und Steckdosen noch nicht auf ihre Sicherheit eingeschätzt werden. Angesichts der finanziell angespannten Lage brachte Harald Rückert eine Wohncontainer-Lösung ins Gespräch. Für 15 000 Euro könne man viel billiger Container bereit stellen. „Die bieten neben der Schlaf- auch eine Dusch- und Kochmöglichkeit, und sie können sehr schnell geliefert werden.“ Dieser Vorschlag fand die Sympathie von Ratsmitglied Wolfgang Brosche. „Auf Baustellen leben die Arbeiter auch in Wohncontainern, wir sollten zumindest die Kosten dafür ermitteln und mit einer Sanierung der Wohnung in der Alten Schule gegenrechnen.“ Ob 15 000 Euro tatsächlich für die Sanierung ausreichten, bezweifelte er. Letztlich vertagte der Stadtrat den Punkt.

Jetzt prüft die Verwaltung die Kosten für Wohncontainer und wo und wie schnell sie aufgestellt werden können. Der Vorschlag von Stefan Deppisch, Obdachlose bis zur Aufstellung eines Containers in einer Nachbarkommune unterzubringen, soll ebenfalls in einer der nächsten Sitzungen besprochen werden.