"Unner Herr Haaß!" So schallte es immer laut, fröhlich und sehr freundlich, wenn sich in Obernbreit und Umgebung die Symbolfiguren "Hucklkätz" und der Pressevertreter begegneten. Dieser Ruf ist leiser geworden, denn Gertrud Reiß, die im Jahr 2000 die Tradition der Obernbreiter "Hucklkätz" mit anderen wiederbelebte, ist am 13. Januar im Alter von 84 Jahren verstorben.

Geboren ist Gertrud Reiß 1937 in Obernbreit, arbeitete nach der Schulausbildung als Haushaltshilfe und in einer Meterstabfabrik. 1956 heiratete sie Richard Reiß aus Hüttenheim und hatte mit ihm eine Tochter und einen Sohn. Bis ins Jahr 1999 arbeitete sie im Bestattungswesen bei der Obernbreiter Firma Walther.

Zeitlebens im Ort engagiert

Im örtlichen Leben war Gertrud Reiß zeitlebens engagiert, etwa bei Veranstaltungen, bei der Freiwilligen Feuerwehr, deren Ehrenmitglied sie war, oder beim TSV. Im Jahr 2000 wurden die "Hucklkätz" in Erinnerung an diejenigen Obernbreiter Frauen gegründet, die mit ihren Rückentragekörben aus Weide, den sogenannten Hucklkätz, an schwer zugänglichen Stellen wie Steilhängen oder Wegrändern in der Flur für ihre Tiere Futter gesammelt haben.

Bei Gewerbeschauen, bei Weinfesten, dem Nikolausmarkt und anderen Anlässen vertraten von nun an zwei bis drei Frauen aus dem Ort diese Obernbreiter Tradition. Höhepunkte der Auftritte der "Hucklkätz" waren der Besuch von Bundespräsident Roman Herzog, das 400-jährige Rathausjubiläum, der Feldgeschworenentag und der Kreisheimattag. Eine von diesen Symbolfiguren war stets Gertrud Reiß, die auch sonst bei vielen Veranstaltungen der Gemeinde immer mit anpackte.