Standortbiwak, Tag der Offenen Tür, Besucherandrang im Kasernenbereich und schmissige Marschmusik eines Musikzuges der Bundeswehr. Wenn die Soldaten sonst im Volkacher Bundeswehrstandort ihre Kameraden für den Auslandseinsatz verabschiedeten, war immer was geboten. Feststimmung herrschte. Doch diesmal war alles anders: Von dem Auslandskontingent war nur ein Teil der Soldaten im hellen Auslands-Einsatzanzug auf dem Antreteplatz aufmarschiert. Mit Mundschutzmaske, in Viererreihen und mit weiten Abständen zum Nebenmann.

Die am Standort verbleibenden Soldaten waren sonst auch in größter "Mannstärke" angetreten. Doch jetzt gab es nur kleine Abordnungen der einzelnen Kompanien, die symbolisch ihre Kameraden verabschiedeten. Auch die Livemusik der Heereskapelle fehlte. Die Bayerische und Deutsche Nationalhymne kam "aus der Dose". Als "Strengste Hygienemaßnahmen" beschrieb der Pressesprecher der Bundeswehr, Daniel Hechtfischer, diese Situation. "Man muss sich den Gegebenheiten anpassen". Auch im Gästezelt, wo sich sonst eine große Zahl von lokaler und wirtschaftlicher Prominenz traf, war noch viel Platz.

Kosovo, Irak, Libanon, Afghanistan

Kommandeur Frank Dannenberg, der ebenfalls einen Platz im Auslandskontingent hat, ging in seiner Ansprache auf die Herausforderungen ein, die den Soldaten bevorstehen. "Aber sie haben eine allgemeinmilitärische und dienstpostenspezifische Ausbildung hinter sich, die sie auf ihr Einsatzland bestens vorbereitet hat". Die Orte sind quer über die halbe Welt verteilt: vom Kosovo, über Irak, Libanon, Afghanistan bis hin nach Mali in Afrika.

Oberfeldwebel Sven Herchenröder ist einer der Teilnehmer, die nach Afghanistan fliegen. Der 31-Jährige freut sich auf seinen ersten Auslandseinsatz, auch wenn sich dieser über Weihnachten und Neujahr erstreckt. "Ich bin gespannt auf die Zeit und denke, dass ich viele Eindrücke und Erfahrungen als Soldat sammeln kann." Angst habe er nicht, aber Respekt vor der Situation, so sein Resümee, "und dann wird das eine gute Sache!"

Nicht unvorsichtig werden

Genau darauf ging auch der Bataillonschef Frank Dannenberg ein, der vor der Alltagsroutine warnte: "Werden sie nicht unvorsichtig im Laufe der Zeit und behalten sie in jeder Lage ein kühlen Kopf". Heiko Bäuerlein, Bürgermeister der Garnisonstadt Volkach, zollte den Soldaten seinen absoluten Respekt und hatte einen großen Wunsch: "Kommen Sie gesund in ihr heimisches Volkacher Einsatzgebiet zurück!"

Dann gab es noch eine Überraschung: Thomas Schilling, dienstältester Feldwebel des Standortes, wurde offiziell vom Kommandeur in den Ruhestand verabschiedet. Nach seiner Laudatio begleitete Frank Dannenberg ihn zu einem russischen Transportfahrzeug aus den 60er-Jahren, das ein Soldat liebevoll restauriert hatte. Und damit durfte er an seinen Kameraden "vorbeidefillieren". Übrigens: Bevor die Soldaten dann im Herbst in ihr Flugzeug einsteigen, werden sie bei Köln in Flughafennähe 14 Tage vorher komplett in strenge Quarantäne genommen. Auch so ein Punkt zu der Aussage des Pressesprechers: "Man muss sich den Gegebenheiten anpassen."