Als das 18 Jahre alte Hängebauchschwein von Hollywoodstar George Clooney im Jahr 2006 starb, waren die Gazetten voll von Meldungen. Der Tod des ungewöhnlichen tierischen Begleiters bewegte. Marion Salosny und Julia Hess aus Wässerndorf (Lkr. Kitzingen) haben sich nun auf Clooneys Spuren als private Schweinehalter begeben: Den beiden Frauen ist es gelungen, zwei herrenlose Hängebauchschweine einzufangen – und damit wohl zu retten.

Keine Vermisstenmeldungen

Drei Wochen ist es her, dass ein Nachbar Marion Salosny auf zwei herumstromernde Hängebauchschweine in einem Wäldchen zwischen Gnötzheim und Wässerndorf aufmerksam machte. Dort ließen sich die Tiere tatsächlich beobachten, sie blieben aber scheu. Versuche, sie anzufüttern, scheiterten. Stattdessen suchten sich die Schweine ein neues Revier, unglücklicherweise in der Nähe von Bahnlinie und Straße. Die Frage, woher die beiden Gefährten stammten, blieb ungeklärt.

Auch ein Anruf beim Tierheim brachte kein Ergebnis: Dort waren keine ausgebüxten Hängebauchschweine bekannt. Was also sollte mit den Tieren passieren?

Hängebauchschweine, auch vietnamesische Hängebauchschweine genannt, sind jagdbares Wild und haben in der freien Natur eigentlich nichts zu suchen. Denn, so die Auskunft von Sprecherin Corinna Petzold vom Landratsamt Kitzingen, eine Paarung dieser Schweine mit Wildschweinen sei nicht auszuschließen und das könnte eine „Faunenverfälschung“ zur Folge haben. Zudem sei es fraglich, ob die Tiere einen Winter hier überleben würden. Die beiden Streuner wären somit wohl vor der Flinte des Revierjägers gelandet.

Stundenlange Wache an der Falle

Für Salosny und Hess war klar: Die beiden Hängebauchschweine mussten gerettet werden. Zusammen mit einem Helfer wurde aus Metallgittern eine Falle gebaut, die von den Frauen bedient werden konnte. Ein Stock hielt die Tür der Vorrichtung offen und musste mit einem Strick weggezogen werden – dann schnappte die Falle zu.

Da die Tiere nicht nachtaktiv sind, kam nur das Tageslicht für die Fangaktion in Frage. Allerdings wollte das Wetter zunächst nicht mitspielen, die Zeit drängte. Also galt es jede Minute zu nutzen und von früh um 5.30 Uhr bis zum Sonnenuntergang Wache an der Falle zu halten. Die Schichten teilte sich Marion Salosny mit Julia und Christoph Hess, Geduld war angesagt.

Dann, am vergangenen Dienstag, der erste Erfolg: Schwein Nummer eins tappte in die Falle. Der Gefährte allerdings ließ die Fangvorrichtung unbeachtet. Weiteres Warten war angesagt. Zwei Tage später war Julia Hess im ersten Morgengrauen in einem Graben nahe der Falle in Deckung gegangen, als sie Schweinegrunzen hörte. Das Hängebauchschwein nährte sich. Allerdings fraß es erst einmal rund um die Falle herum. Kurz vor sieben Uhr war es endlich so weit: Die Falle schnappte zu. Beide Schweine waren gefangen – und Marion Salosny und Julia Hess erleichtert.

Für die Schweine soll es nun ein Happy End geben: Sie sollen in Wässerndorf bleiben dürfen – denn hergeben wollen die beiden Frauen die Tiere nicht mehr.