Wenn im Herbst die Zugvögel vom hohen Norden in Richtung Süden fliegen, machen sie gerne Rast am Schwarzacher Mainufer. In den kommenden Jahren werden sich dort vielleicht noch mehr der gefiederten Reisegenossen einfinden. Denn auf der Wörthwiese östlich der B 22 hat der Landesbund für Vogelschutz (LBV) jetzt ein Feuchtbiotop angelegt, das zu einer Naturoase für Zug- und Brutvögel werden soll.
Rund 500 Quadratmeter umfasst das künftige Feuchtbiotop, das auf dem Wiesengrundstück des LBV nahe dem Schwarzacher Mainufer entstanden ist. Mitte August war der Bagger angerückt und hat zwei Wochen lang gegraben. Inzwischen sind die Arbeiten abgeschlossen. Bei einem Ortstermin mit Landrätin Tamara Bischof (FW), Bürgermeister Lothar Nagel (FCW) sowie Hartmut Brick von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt stellte der LBV das Ergebnis am Mittwoch vor.

Vögel finden Ruhe und Nahrung


Im Zuge der Maßnahme wurde inmitten des Wiesengrundstücks ein kleiner Teich sowie eine Erdmulde geschaffen. Wo jetzt nur Wasser und eine kahle Erdoberfläche zu sehen sind, sollen künftig Insekten, Amphibien und Vögel einen Lebensraum finden. Wie LBV-Kreisvorsitzender Robert Endres erläuterte, machen viele Zugvögel am Mainufer Zwischenstation. Durch das neue Feuchtbiotop soll ihnen künftig ein besonderer Rastplatz geboten werden, der ihnen Ruhe und Nahrung gibt.

Regenpfeifer und Schneegans


Wenn die Hoffnungen der LBV-Mitglieder in Erfüllung gehen, wird man in und um das neue Feuchtbiotop in Zukunft viele Vogelarten antreffen, wie etwa Regenpfeifer, Kiebitze, Störche, Silberreiher, Kraniche oder Schneegänse. Auch für Amphibien und Reptilien, wie Erdkröten, Ringelnattern oder Blindschleichen, bietet die neu gestaltete Fläche ideale Voraussetzungen. "Bei uns gibt es nur noch sehr wenige Trittsteinbiotope, wo die Tiere ungestört sind", erläuterte Marc Sitkewitz vom LBV. Durch den Mainausbau seien die Übergangsflächen von Feucht- und Trockenflächen verschwunden und durch die Schifffahrt gebe es kaum mehr ruhige Wasserzonen.
"Das neue Biotop bietet genau den Lebensraum, den bestimmte Vögel, Reptilien, Insekten oder Amphibien brauchen", erklärte Kreisvorsitzender Endres. Um dies zu gewährleisten, werde man rund 20 Prozent der Fläche vom Bewuchs freihalten. Amphibien wie Erdkröten oder die Gelbbauchunke könnten sich so im Winter eingraben. Der Teich sei entsprechend tief angelegt, so dass Fische darin überwintern könnten. Das Wasser stamme vom Main, der sich unterirdisch über die sichtbaren Uferzonen ausbreite. Damit der Teich bei Hochwasser nicht zu einer "Fischfalle" werde, habe man zusätzlich eine Ablaufmulde in Richtung Main gegraben.
In der neu geschaffenen Erdmulde kann sich Regenwasser länger halten und schafft dadurch ein sogenanntes "wechselfeuchtes Klima". "Bestimmte Vogelarten, wie etwa der Kiebitz, sind darauf angewiesen", so Robert Endres. Bei der Vorstellung des neuen Biotopes sagte er allen Dank, die das Projekt unterstützt haben.
Landrätin Tamara Bischof bedankte sich in besonderer Weise bei Robert Endres und den anderen LBV-Mitgliedern, die maßgeblich zur Verwirklichung des Projektes beigetragen haben. "Sie haben viel Zeit, Arbeit und Energie aufgewendet", lobte sie die Beteiligten. Ohne ein derartiges ehrenamtliches Engagement könnten derlei Maßnahmen nicht umgesetzt werden. Auf diese Weise sei nun eine "ganz besondere Naturoase" geschaffen worden.
Vor acht Jahren hat der Landesbund für Vogelschutz am Schwarzacher Mainufer insgesamt 1,3 Hektar Wiesengrund erworben. Die Fläche, die zur Gemarkung Schwarzenau gehört, wurde in diesem Jahr in das Schutzgebiet "Wörthwiese" mit aufgenommen. Insgesamt wurden fünf bis zehn Hektar als "geschützter Landschaftsbestandteil" ausgewiesen. Hierzu gehört auch die angrenze Ausgleichsfläche des Straßenbauamtes sowie eine Fläche des Landkreises. Auf der geschützten Fläche sind Düngen, Pflanzenschutzmittel sowie ungenehmigte Baumaßnahmen verboten. Die Planung lag beim Landschaftspflegeverband Kitzingen, die Bauleitung beim LBV. Nach Auskunft von Robert Endres belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 9500 Euro. Davon werden 70 Prozent von staatlichen Stellen bezuschusst. Der Grunderwerb wurde im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes "Sandverbund" durch den Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.
Damit das Biotop erhalten bleibt, muss es natürlich auch gepflegt werden. LBV-Mitglied Lothar Seufert wird dazu mit einem sogenannten Balkenmäher das Gras mähen. "Wahrscheinlich muss der Teich auch alle fünf bis zehn Jahre ausgebaggert werden, um eine Verlandung zu verhindern", erklärte er. Künftig will der LBV auch besondere Führungen anbieten. Eventuell wird ein besonderer Beobachtungsstandort für Naturliebhaber geschaffen. "Ansonsten sollte das Schutzgebiet nach Möglichkeit nicht betreten werden, um den Tieren einen ungestörten Lebensraum zu bieten", so Lothar Seufert.