Andreas Matingen ist seit Juli dieses Jahres Leiter der Kommunalen Abfallwirtschaft. Er sagt, was die Pandemie verändert hat, warum es bei den Marktpreisen mitunter Achterbahnfahrten gibt – und warum die Keller und Dachböden gerade immer sauberer werden.  

Frage: Kann man sehen, wie sich Corona auf den Müll ausgewirkt hat?

Andreas Matingen: Im Landkreis Kitzingen merken wir die Auswirkungen allen voran an den Sperrabfallmengen. Bei der mobilen Sperrabfallsammlung und am Wertstoffhof hat sich die Menge um über 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Auch die Anzahl an Anmeldungen zur Sperrabfallabfuhr auf Abruf hat deutlich zugenommen. Bis Ende Oktober waren es rund 6000 Anmeldungen – nahezu 1000 mehr als im Vergleichszeitraum 2019.

Was hat Sie persönlich am meisten überrascht?

Matingen: Tatsächlich haben wir nicht erwartet, dass der Entrümpelungstrend im Landkreis so lange anhält. Wir sind gespannt, wann die Keller und Dachböden leergeräumt sind.

Welche Unabwägbarkeiten gibt es bei der Kalkulation?

Matingen:  Zahlreiche unserer Einnahmen und Ausgaben sind an Marktpreise gebunden, die sich sehr schnell ändern können. Leider verändern sich viele Wertstoffpreise konstant zu unseren Ungunsten, beispielsweise der Altpapierpreis. Für Mischpapier, wie aus unserer Papiertonne, lag der Preis vor drei Jahren bei rund 120 Euro pro Tonne, im Frühjahr 2020 waren es noch 20 Euro. Durch die Klopapierkrise im April schoss der Preis zwischenzeitlich auf rund 90 Euro hoch, seitdem geht es aber wieder steil bergab. Bei knapp 7000 Jahrestonnen im Landkreis wirken sich solche Achterbahnfahrten natürlich deutlich auf den Haushalt aus.

Welche Probleme deuten sich in Zukunft an?

Matingen: Auch in Zukunft werden sich die Marktpreise wohl nicht zu unseren Gunsten verändern, das heißt höhere Ausgaben und geringere Einnahmen. Inwiefern Corona und umweltpolitische Themen sich auf die Abfallwirtschaft auswirken, bleibt abzuwarten.

Zur Abfuhr: Welche Tonne ist am problematischsten?

Matingen: Behälter sind grundsätzlich problematisch, allerdings ist die Biotonne sicherlich am sensibelsten, weil darin so viele Störstoffe landen.

Warum steigen die Gebühren?

Matingen: Gemäß gesetzlicher Vorgaben sind wir verpflichtet, kostendeckend zu kalkulieren, wir arbeiten also auf die schwarze Null hin und sind nicht gewinnorientiert. Durch allgemein steigende Kosten im Bereich der Abfuhrleistungen , Mehrkosten im Bereich der Verwertung sowie deutlich geringeren Einnahmen aufgrund fallender Wertstoffpreise ist eine Gebührenanpassung unumgänglich.

Wie stehen wir bei den Müllgebühren im bayernweiten Vergleich da?

Matingen: Ein Vergleich mit anderen ist aufgrund der deutlich unterschiedlichen Abfallwirtschaftskonzepte schwierig. Vor dem Hintergrund unseres umfangreichen Leistungsportfolios stehen wir hervorragend da und haben vergleichsweise günstige Abfallgebühren.

Ist absehbar, ob eine gelbe Tonne, wie aktuell im Landkreis Würzburg, kommt?

Matingen: Für die Sammlung und Verwertung von Verpackungsabfällen sind in Deutschland allein die sogenannten Dualen Systeme zuständig. Die Systeme beauftragen ihrerseits private Entsorgerfirmen mit dem Einsammeln der Verpackungsabfälle in den Städten und Landkreisen. Wir haben keinerlei Mitspracherecht. Aktuell ist deutschlandweit ein genereller Trend hin zur Gelben Tonne zu erkennen. Die aktuellen Verträge für die Abfuhr der Leichtverpackungen laufen bis Ende 2022, eine Änderung wäre also erst 2023 möglich.

Welches ist die am häufigsten gestellte fachliche Frage an Sie?

Matingen: Aufgrund der aktuellen Lage wird oft gefragt, ob Wertstoffhof, Kompostwerk oder Deponie geöffnet haben.

Und Ihre Antwort?

Matingen: Aktuell sind alle unsere Entsorgungsanlagen zu den regulären Öffnungszeiten zugänglich. Bei der Sperrmüllabfuhr kann es aufgrund deutlich höherer Anmeldezahlen aktuell etwas länger dauern. Die Entsorgungssicherheit für den Landkreis ist seit Beginn der Pandemie zu jeder Zeit gewährleistet gewesen.