„Ganz klar: die Volksmusik lebt.“ Ja, was die Besucherin des Auftaktkonzerts für Artbreit am Samstagabend in der sehr gut gefüllten evangelischen Kirche da als Resümee des Auftritts des umjubelten „Herbert Pixner Projekts“ in einem Satz zusammen fasst, das kann man einfach so stehen lassen.

Volksmusik ist ganz sicher die Basis für die Musik von Herbert Pixner (Diatonisches Akkordeon, Flügelhorn, Klarinette) und seinen beiden Partnern Katrin Aschaber (Harfe) und Werner Unterlercher (Kontrabass). Das ist eine breite Basis, das ist eine solide Basis. Doch was macht Pixner damit? Er bleibt sicher nicht stehen, verharrt nicht im Traditionellen – er nutzt diese Basis und baut sie aus.

Mitten ins Herz

Da kommen der Blues dazu, da swingt ganz viel Jazz mit, da gibt's Rockelemente, klingt Klassik durch, tönt mal ein Musettwalzerchen und und und. Hubert von Goisern? Ja, den erwähnt Herbert Pixner einmal kurz in seinen interessanten und oft witzigen Moderationen, das Projekt spielt auch eines der Volkslieder, die auch Goisern verwendet. Aber Pixner kommt viel leiser daher, macht Musik mit sehr viel Gefühl, verbreitet unterschiedlichste Stimmungen, oft schön sentimental aber sicher nie kitschig. Wenn er den Sonnenaufgang auf einer Alm musikalisch beschreibt, dann wird es noch ein bisschen stiller in der Kirche dann sind viele Augen geschlossen, dann trifft‘s doch etliche mitten ins Herz. Dass es auch deutlich lebhafter geht zeigt das Trio mit der Erkennungsmelodie von „Gernstl unterwegs“, die aus Pixners Feder stammt.

Apropos Kirche: Als Pixner nach 90 Minuten ohne Pause das Konzert beendet, dann deshalb, „weil wir keine Stücke mehr für ein Konzert in einer Kirche haben“. Und in der letzten Zugabe zeigt das Trio dann, dass es auch anders kann, da geht es richtig ab, dominiert der Rhythmus, können sich selbst die älteren Damen im Publikum das Mitklatschen auch in der Kirche nicht verkneifen - und es macht viel Lust auf Mehr.

Zumindest einen Teil dieser Lust konnten die Besucher von Artbreit am Sonntag dann gleich schon erleben: Herrlicher Sonnenschein, Flirren und Flimmern in der Stadt am Main – und Kunst, Kunst, Kunst.

Artbreit feiert 15. Und das ohne großen Pomp. Das braucht das Kunstfest auch nicht, denn es feiert sich selber, feiert sich mit den vielen Besuchern und deren Reaktionen. Da wird gelacht, geschmunzelt, gestaunt, hier und da auch der Kopf geschüttelt – aber nie böse, immer mit guter Laune.

Denn 15, das ist die reine Pubertät – und ein wenig pubertär präsentiert sich Artbreit auch. Comicart an prominenter Stelle: Gleich gegenüber dem Lagerhaus, am Eingang zur Stadt, ist Superman abgestürzt. Blau und Rot sein Dress, „Auch Helden haben schlechte Tage“ ist der Titel der Skulptur von Marcus Wittmers Ironie mit Tragik und bitterbös.

Von Skulpturen geprägt

Pubertät – das ist auch die Zeit der Selbstfindung. Da ist Artbreit vielleicht schon ein bisschen weiter. Waren die ersten Kunstfeste in Marktbreit noch sehr von Musik geprägt, hat sich das Schwergewicht doch verschoben: Heute ist Artbreit sehr von Skulpturen geprägt, die überall in der Stadt zu finden sind. Alleine rund 100 von ihnen, mit der Motorsäge gestaltet vom Schweizer Daniel Egli, füllen die ehrwürdige Rathausdiele, der Schwimmer von Wojtek Hoeft aus Berlin schwebt gar über dem Breitbach.

Die vielen tausend Besucher an diesem Sonntag im Mai genießen diese Mischung aus Kunst, Kultur, Musik, das Ambiente der Altstadt und all das, was eben zu Artbreit gehört. Bleibt zu hoffen, dass Artbreit noch lange in der Pubertät bleibt.