Von einem guten Betriebsklima lässt sich hier wahrlich nicht sprechen: Unter den Kraftfahrern herrscht dicke Luft. Misstrauen und Argwohn sind scheinbar an der Tagesordnung. Was genau los ist, lässt sich – nicht zuletzt wegen sprachlicher Barrieren – nicht ganz klären. Es geht um heimlich mitgeschnittene Telefonate und darum, dass man sich in Sachen Bösartigkeit gegenseitig so ziemlich alles zutraut. Wobei der Mann auf der Anklagebank mit Blick auf den Anzeigeerstatter auf eine Feststellung besonderen Wert legt: "Ich habe kein Problem mit ihm – er hat ein Problem mit mir!"

Fast 1300 Euro Kratz-Schaden

Laut Anklage soll es Ende Oktober vergangenen Jahres zu dem Vorfall gekommen sein. Nach der Nachtschicht sei der Angeklagte gegen 2.30 Uhr zum Parkplatz gegangen, auf dem die privaten Fahrzeuge der Mitarbeiter abgestellt sind. Dort habe er dann an einem fremden Wagen – aus welchen Gründen auch immer – einmal quer über die Motorhaube einen Kratzer gemacht. Der Schaden, so steht es in der Anklageschrift, lag bei fast 1300 Euro.

Der vermeintliche Täter streitet alles rundweg ab: "Ich war es nicht!" Dagegen scheint sich der Kollege mit dem Kratzer auf der Haube sicher: Es kann nur der 42-Jährige gewesen sein. Zumal es Bilder von einer Überwachungskamera vom Parkplatz gibt. Darauf zu sehen ist auch tatsächlich der Angeklagte, wie er am Auto des Opfers entlanggeht und auch eine Handbewegung macht. Die jedoch geht eher Richtung Scheinwerfer – und nicht zur Motorhaube.

Aufnahmen beweisen nichts

Ein Beweis sind die Aufnahmen also nicht. Und noch etwas entlastet den Angeklagten: Das Opfer entdeckte den Kratzer nicht am frühen Morgen auf dem Firmenparkplatz, sondern erst am nächsten Tag. Zu einem Zeitpunkt, als das Auto schon stundenlang auf einem öffentlichen Parkplatz gestanden hatte. Damit ist spätestens jetzt klar: Der Tatnachweis kann nicht erbracht werden. Es ist der klassische Fall von "Im Zweifel für den Angeklagten". Der Rest ist deshalb Formsache: Es gibt einen Freispruch, der Kratzer auf der Motorhaube bleibt unaufgeklärt, und das Verhältnis unter den Kollegen dürfte nicht besser geworden sein.